Aktuell

… trifft Kristof Magnusson mit seiner Komödie APOKALYPSE MIAU (Mitarbeit: Gunnar Klack), so Margarete Affenzeller in Der Standard: Das Auftragswerk für das Volkstheater und Schauspieldirektor Kay Voges habe „Integrationspotenzial“, versammele es doch „alle Typen heutiger Diskurskriege […] Dort, wo in der Realität diskursiv nichts mehr geht, hilft am Theater der Unernst, der Spaß weiter.“ Magnussons „überspitzt-satirische Typenkomödie“ greife „die Brüche auf, die im Theater und in der gesamten Gesellschaft gerade herrschen“, so Martin Thomas Pesl in Deutschlandfunk Kultur. „Kristof Magnusson ist hier eine kurzweilige, mit Liebe zum Gag-Detail versehene Persiflage gelungen.“ (Christina Böck, Wiener Zeitung) „Kay Voges hat das fröhliche Untergangsszenario, in dem sämtliche Spielarten der Theaterkunst aufs Korn genommen werden, mit viel Tempo inszeniert, sodass die drei Stunden (mit einer Pause) beinahe wie im Flug vergehen. Hier wird das Theater gefeiert, indem es zu Grabe getragen wird.“ (APA/Salzburger Nachrichten)


Mit Hans Magnus Enzensberger ist jetzt einer gestorben, der mit sehr eigenem Kopf und großer Unabhängigkeit von Anfang an im VERLAG DER AUTOREN dabei war. Schon im legendären Aufstand der Lektoren bei Suhrkamp stand er auf der Seite der Autoren und ihres neuen Verlages. Seine Meinung und Ratschläge waren uns immer wichtig, sei es bei der Gründung des Filmverlages oder später bei der Buchproduktion. Seine medienpolitischen Essays wie sein "Baukasten zu einer Theorie der Medien" verfehlten bei uns nicht ihre Wirkung.

Obwohl kein originärer Dramatiker, war HME auch auf dem Terrain der Darstellenden Künste ein Generalist: seien es Opern oder Neufassungen alter und unspielbarer Stücke wie Caldérons TOCHTER DER LUFT oder seine Version von Molières MENSCHENFEIND, in dessen pointierten Endreimen sich die upper middle class der Bonner Republik in über 70 Inszenierungen wiedererkannte. Ein seltener Triumph der Komödie. Weniger wahrgenommen wurden seine über 30 Jahre währenden, unermüdlichen szenisch-dialogischen Bemühungen um Denis Diderot, den Philosophen, Enzyklopädisten, Romancier und Dramatiker, vielleicht den ersten modernen Intellektuellen – ein Alter Ego Enzensbergers, dem er auf vielfältige Weise seine Stimme lieh. Auch er war ein kritischer Beobachter dieser Welt, die er mit Witz und Verstand eines Analytikers betrachtete.

Kein originärer Dramatiker? Wer würde vermuten, dass der Verlagskatalog über ein Dutzend Theaterstücke und Bearbeitungen verzeichnet, dazu Libretti, Übersetzungen und Hörspiele? Und ein George Tabori machte sogar aus seinem Gedicht-Zyklus vom UNTERGANG DER TITANIC bewegendes, unvergessliches Theater.

Ein langes, reiches Leben – auch für das Theater – ist zu Ende gegangen.

Karlheinz Braun, am 26. November 2022


Mit dem FAUST-Preis in der Kategorie "Inszenierung Schauspiel" ausgezeichnet wurde Jette Steckel für ihre Uraufführungs-Inszenierung von Nino Haratischwilis DAS MANGELNDE LICHT am Thalia Theater Hamburg.


© Richard Schroeder

AUS DEM SCHATTEN: THIAROYE, deutsch von Frank Weigand, wurde beim Festival für frankophone Gegenwartsdramatik "Primeurs" in Saarbrücken mit dem Preis für das beste Stück ausgezeichnet. Es bildet den ersten Teil von Alexandra Badeas soeben in der Theaterbibliothek auch als Buch erschienenen Trilogie, in der historische Verbrechen aus der Kolonialzeit belichtet und ihr Fortwirken in die Gegenwart thematisiert werden. Die miteinander verflochtenen Schicksale der drei Stücke stehen beispielhaft für das traumatische Erbe des europäischen Kolonialismus, das bis heute nicht aufgearbeitet ist.


Die gegen das Theaterstück VÖGEL erhobenen Vorwürfe des Antisemitismus haben das Metropoltheater München zur Absetzung des Stückes von Wajdi Mouawad bewogen. Der Verlag hat dies mit Bestürzung zur Kenntnis genommen und sich in einer Pressemitteilung vom 22.11. gegen die Vorwürfe verwahrt. Die amerikanische jüdische Historikerin und Princeton-Emerita Natalie Zemon Davis, unter deren Beratung das Stück entstanden war, schreibt in einer in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichten ausführlichen Stellungnahme: "'Vögel' ist weit davon entfernt, antisemitisch zu sein und plädiert für Toleranz und kulturelles Verständnis [...]. Wenn diese Botschaften im heutigen Deutschland nicht salonfähig sind, dann müssen sich internationale Beobachter wie ich wohl fragen, welche Art von Ideen dort noch genehm sind."


Premieren

Theater Plauen-Zwickau
Event
R: Philipp Andriotis
Residenztheater - Bayerisches Staatsschauspiel, München
Der Entrepreneur
R: Nora Schlocker
UA
Südtiroler Theaterverband, Bozen
Event
R: N. N.
Vaganten Bühne, Berlin
Gelbes Gold
R: Bettina Rehm
Theater Bonn
Löwenherzen
R: Hanna Müller
Divadlo Aréna, Bratislava (SK)
Pinguine können keinen Käsekuchen backen
R: Juraj Bielik

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