© Lutz Knospe

Simone Kucher

geboren 1973 in Ellwangen. Studium der Theaterwissenschaft, gender studies und Neuere deutsche Literatur in München und Berlin. 2005 UA von "Falls City" (ein Projekt mit Bernhard Mikeska) an der Roten Fabrik in Zürich. Mehrere Lesungen und Werkstattproduktionen von "Silent Song" und "Helikopter-Quartett", u.a. Münchner Kammerspiele (2005), Vorstadttheater Basel (2005), Nationaltheater Mannheim (2006), Tacheles Berlin. 2005 Einladung zur Dramatikerwerkstatt der Internationalen Schillertage im Nationaltheater Mannheim, 2006 Einladung zur Dramatikerwerkstatt der Theaterbiennale Wiesbaden -Neue Stücke aus Europa-. Nominiert für die 3. St. Gallener Autorentage 2009 mit "Silent Song". Auftragsarbeiten für das Schauspielhaus Bochum für das... Festival "Ohne Alles 1,2 und 3". Simone Kucher lebt in Berlin.


Werke

3D-3H
UA: Schauspielhaus Zürich/Autorentheatertage Berlin, 22.6.2018 (Berlin) bzw. 4.10.2018 (Zürich). R: Marco Milling
Der Titel deutet es klar an: Es handelt sich um eine Annäherung, um ein Herantasten an Geschichte, an eine mögliche Variante. Thematisch geht es um Armenien, um den Genozid, der zwischen 1915 und 1916 an diesem Volk verübt wurde, um die daraus resultierende Zerstörung und Zerstreuung ganzer Familien. Und es geht um Sprache, darum, wie man seine Muttersprache gelernt hat, wie man sie teilweise wieder verlernt, um Bilder, um (Volks-)Märchen in ihrer ursprünglichen Form, als mündliche Überlieferungen, als Parabeln. Welche Geschichten erzählt man sich über seine Ursprünge und Wurzeln weiter, und welche will man vielleicht gar nicht so genau kennen? Simone Kucher benutzt originale Tonaufnahmen, die in Gefangenenlagern in der Türkei mit einem alten Phonographen gemacht wurden, und sie erforscht tastend Familienfotos. Ihre Sprache ist knapp und schnörkellos, aber genau dadurch öffnet sie riesige Assoziationsräume, die Luft lassen für tiefe Emotionen, ohne diese mit zu vielen Worten zu zerreden. Auf wunderbare Weise schafft die Autorin das Unfassbare fassbar, das Abstrakte konkret" werden zu lassen und lässt ein Suchen und Fragen an Geschichte zu, das weit über Armenien hinausführt. Das alles ist großartig und auf wunderbare Weise abstrakt und zugleich konkret und lässt ein Suchen und Fragen zu, das weit über Armenien hinausführt. Ein politisches heutiges Stück der leisen Töne und dadurch sehr lebensnah und präzise." (Jurybegründung Autorentheatertage 2018)
3D-3H
1D-1H
In ihrem Zweipersonenstück HELIKOPTER-QUARTETT erzählt Simone Kucher das Drama einer jungen Familie, die sich in einer Neubausiedlung niederlässt. In monologischen Passagen berichtet ein Mann von Frau und Kindern und von den Schwierigkeiten, in der neuen Umgebung Fuß zu fassen. Doch etwas stimmt nicht: Seine Erzählungen werden von Hubschraubergeräuschen begleitet, und Kucher stellt ihnen Dialogszenen entgegen, die - retrospektiv und in umgekehrter Reihenfolge - Schlaglichter auf eine Ehe werfen, die zunehmend bestimmt ist von Sprachlosigkeit und unterschwelliger Gewalt. Schließlich stehen Beginn und tödliches Ende der Familie nebeneinander.
1D-1H
1D-4H
UA: Kreaturen Verbund/Brotfabrik Bühne, Berlin, 7.9.2011. R: Holger Müller-Brandes
1918, als der Film noch in den Kinderschuhen steckt, erscheint mit Pola Negri ein Star auf der Bildfläche: Emanzipiert verkörpert sie Leidenschaft und Erotik. Auf der Höhe ihres Ruhms stirbt ihre große Liebe Rudolph Valentino, sie scheut sich nicht, ihre Trauer im Schweinwerferlicht der Öffentlichkeit zu zeigen und erntet vernichtende Kritik. Der Tonfilm und ein verändertes Frauenbild setzen ihrer Karriere ein jähes Ende, ihr Name wird rasch vergessen. 1935 dreht sie erneut – in Nazi-Deutschland. Als vermeintliche Hitler-Geliebte gebrandmarkt, zieht sie sich endgültig ins Privatleben zurück.
Anhand des einstigen Schauspielstars erzählt IM LICHT – POLA NEGRI von dem Versuch, in einer medialisierten Welt, die nach Austauschbarkeit und Konformität verlangt, die eigene Authentizität zu bewahren. In Simone Kuchers Text begibt sich "die Negri" in die schillernde neue Welt des Films, muss jedoch erleben, dass Bilder, einmal in die Welt gesetzt, schnell zu Ikonen gerinnen, die von ihrer Umwelt schließlich gegen sie gewendet werden.
1D-4H
1D-1H
UA: Schauspielhaus Bochum/Festival Ohne Alles, 17.5.2007.
Das Kurzstück SCHRITTE ist eine Momentaufnahme in zwei Stimmen. Ein Mann in Odessa läuft die Treppen zu seiner Wohnung hoch und trifft im Laufen eine wichtige Entscheidung. Diese Szene wird geschnitten mit dem Blick einer fremden Frau auf ihn, ein paar Stunden vorher im Hotelzimmer. Rhythmisch wechseln einander die Schnelligkeit des Laufens mit der Langsamkeit der Beobachtung ab.
1D-1H
2D-2H (auch größer besetzbar)
UA: Armes Theater Wien, 29.10.2009. R: Erhard Pauer
SILENT SONG legt Simone Kucher die Idee eines Requiems zugrunde: entstanden ist eine "Trauer-Komposition", die nach einem Bombenanschlag hinter die Oberfläche von politischen Bekennerschreiben und Medienberichten blickt. Zu Wort kommen die Übriggebliebenen, die sich jeder Statistik und medialer Berichterstattung entziehen: Überlebende und Hinterbliebene, die ihre Stimmen erst wieder finden müssen. Indem sie sie ineinander montiert, teils zu Chören zusammenführt, teils nebeneinander stellt, verdichtet Simone Kucher diese Stimmen zu einer virtuosen sprachlichen Partitur, die – jenseits aller Psychologisierung – Trauer als kollektiven Prozess erfahrbar zu machen versucht.
2D-2H (auch größer besetzbar)
1D-1H
UA: Schauspielhaus Bochum/Festival Ohne Alles 3, 26.6.2010.
Eine Kugel rollt, ein Mann steht hinter der Tür und eine Frau auf der Bühne. Ein Kurzstück, entstanden für das Schauspielhaus Bochum.
1D-1H
Nach dem Essen
Produktion: WDR
in Vorbereitung
Playgrounds
Produktion: WDR 2019
Erstsendung: 08.07.2019
Von einem zum anderen Tag
Produktion: WDR 2017
Erstsendung: 13.07.2017
DER STIMME IHREN ORT ZURÜCK
Produktion: WDR 2015
Erstsendung: 28.03.2015

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