Rainer Kersten
geboren 1964 in Bebra, Nordhessen. Studium der Germanistik, Niederlandistik und Romanistik in Deutschland und den Niederlanden, anschließend Aufbaustudium Deutsch als Fremdsprache an der FU Berlin. Lebt in Berlin.

geboren 1964 in Bebra, Nordhessen. Studium der Germanistik, Niederlandistik und Romanistik in Deutschland und den Niederlanden, anschließend Aufbaustudium Deutsch als Fremdsprache an der FU Berlin. Lebt in Berlin.

 
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Übersetzungen (19)
Königin Lear (Koningin Lear)
von Tom Lanoye
nach Shakespeare
Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten
UA: Toneelgroep Amsterdam, 8.3.2015. R: Eric de Vroedt
DSE: Schauspiel Frankfurt, 9.9.2016. R: Kay Voges
KÖNIGIN LEAR handelt, frei nach Shakespeare, von einer erfolgreichen Firmenchefin, die beschließt, ihr weltumspannendes, „systemrelevantes“ Unternehmen unter ihren drei Söhnen aufzuteilen. Doch wie bei Shakespeare verweigert sich das jüngste Kind – mit weitreichenden, zerstörerischen Konsequenzen für die Familie, die Firma und auch die (Welt)Wirtschaft. Tom Lanoye zeichnet das Porträt einer "leading lady", die nicht begreift, dass ihre Familie nicht wie ein Geschäft zu führen ist, und mehr und mehr den Verstand verliert. Zu diesem Zweck hat er Shakespeares „Tragödie von König Lear“ in die heutige Zeit versetzt, ungewöhnlicherweise aber die neu geschriebene Sprache im Shakespeare’schen Gerüst von Vers und Rhythmus belassen. Aus dieser Spannung bezieht Lanoyes neuer Shakespeare seinen großen Reiz.
3D-6H
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Mamma Medea (Mamma Medea)
von Tom Lanoye
Aus dem Flämischen von Rainer Kersten
UA: Het Toneelhuis Antwerpen, 6.9.2001. R: Geradjan Rijnders.
DE: schauspielhannover, 25.1.2003, R: Sebastian Nübling / Theater Nürnberg, 25.1.2003. R: Georg Schmiedleitner
In seiner Bearbeitung lässt Tom Lanoye die Handlung viel früher einsetzen als bei Euripides: MAMMA MEDEA beginnt in Medeas Heimat, dem archaischen, streng patriarchisch regierten Kolchis, wo die Königstochter zwar Geborgenheit erfährt, aber wenige Freiheiten besitzt. Als die verwegenen Abenteurer aus dem fernen, fortschrittlichen Griechenland landen, öffnet sich für Medea eine neue Welt: Freiheit, Leidenschaft, Liebe, ein Leben jenseits der Konventionen. Der Liebe zu Jason und der Aussicht, mit ihm zu ziehen, opfert sie alle ihre Grundsätze und wird zur Mörderin von Vater und Bruder.
Der zweite Teil spielt Jahre später: In Griechenland angekommen, arrangiert sich Medea als Hausfrau und Mutter mit einem neuen Leben, von dem sie erkennen muss, dass es ihr übergroßes Opfer nicht wert war und ihre Erwartungen niemals erfüllen wird. Sie bleibt heimatlos, peu à peu erlischt die Liebe, Jason wendet sich ab, das tragische Ende ist nicht aufzuhalten. Ein moderner Geschlechterkampf, ein Ehekrieg, dem die Kinder zum Opfer fallen, aber in einer neuen Version, getötet von beiden Eltern, die sich in der Schuld wieder nahe sind.
Tom Lanoye schafft den Sprung in die Gegenwart, ohne die archaische Wucht der Vorlage preiszugeben: Er erzählt den ersten Teil der Medea auf Kolchis in Vers und Metrum, die Sprache spiegelt die archaische Strenge und Fremdartigkeit des Ortes, der zweite Teil ist sprachlich von heute, das Schicksal von Mamma Medea ist eines von hier und jetzt.
3D-7H (3D - 7H - 2 Kinder)
3D-7H (3D - 7H - 2 Kinder)




Margaretha di Napoli
von Tom Lanoye und Luk Perceval
Deutsch von Rainer Kersten
MARGARETA DI NAPOLI ist als Shakespeare-Drama relativ unbekannt, als 2. Teil von Tom Lanoyes und Luk Percevals SCHLACHTEN! inzwischen europaweit berühmt. Der in sich abgeschlossene Teil mit einer fulminanten weiblichen Hauptrolle kann auch einzeln gespielt werden.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




Mefisto Forever (Mefisto for ever)
von Klaus Mann
In einer Fassung von Tom Lanoye
Frei nach Klaus Mann
von Tom Lanoye
Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten
UA: Toneelhuis Antwerpen, 2007. R: Guy Cassiers.
DE: Maxim Gorki Theater, Berlin, 26.2.2008. R: Armin Petras
MEFISTO FOREVER wurde inspiriert von Klaus Manns berühmtem Roman "Mephisto". Der Wert, der Anspruch, die Verantwortung des Künstlers in der Gesellschaft - Kunst und Macht: darum geht es in Tom Lanoyes Stück, das nur auf der Bühne spielt, und zwar vor, während und nach Theaterproben.
Dem Starschauspieler Kurt Köpler tragen die neuen, totalitären Machthaber das Amt des Theaterintendanten an, nachdem sie den alten, missliebigen zum Rücktritt gedrängt haben. Er nimmt an, doch sein Vorsatz, aus dem Theater einen Hort des Widerstands zu machen, entpuppt sich als Selbsttäuschung. Anfällig für Schmeicheleien und unfähig, für eine Überzeugung einzustehen, gibt er sich den Rollen aus der Weltliteratur hin und sieht tatenlos zu, wie die Politiker die Bühne erobern. Während der Kriegslärm immer lauter wird und der Minister auf der Bühne aufpeitschende Reden hält, beschwört Kurt Köpler die Kunst um der Kunst willen und gibt sich seinen Rollen aus der Weltliteratur hin. Kaum ist der Krieg vorbei, erscheint ein neuer Machthaber und fordert ihn auf, gleich weiterzuspielen. Das passt: Etwas anderes als "spielen" kann er nicht mehr.

"Die zentrale Idee für 'Mefisto forever' war die Einheit des Raumes: Alle Szenen sollten sich im Theater ereignen, um ein doppelbödiges Spiel von Proben und ‚richtigem Leben’ zu erzeugen, in dem die unterschiedlichsten Dramen der Weltliteratur zitiert werden konnten, ein Patchwork aus Dramen-Zitaten und tatsächlichem Drama – ein Lied von Schein und Sein, ein Spiegelkabinett der Manipulation, Feigheit und Tapferkeit." (Tom Lanoye)
4D-4H
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Nachspielzeit (Blessuretijd)
von Jeroen van den Berg
Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten
UA: Tryater, Leeuwarden (NL), 2003.
Jeroen van den Bergs NACHSPIELZEIT ist ein Stück über das Altsein und das unaufhaltsame Hinübergleiten in den Tod. In einem Pflegeheim verbringen die eher übellaunige Mevrouw van den Hoeven, der charmante, zu leichter Selbstüberschätzung neigende Meneer de Graaf, der optimistische, geistig sehr fitte Meneer de Boer und die freundlich-senile Mevrouv Kroes miteinander ihre letzten Tage. Nach und nach enthüllen sich im - durch allerlei Missverständnisse bedingten und teils recht fröhlichen - Durcheinander des Heimalltags immer mehr Bruchstücke aus der Vergangenheit der vier Alten.
NACHSPIELZEIT entstand im Auftrag der friesischen Theatergruppe Tryater.
3D-2H
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Red Rubber Balls (Red Rubber Balls (studie van hangend lichaam))
von Peter Verhelst
Aus dem Flämischen von Rainer Kersten
UA: Kaaitheater Brüssel, 16.9.1999. R: Thierry Smits.
DE: schauspielfrankfurt, 20.2.2004. R: Christiane Schneider
RED RUBBER BALLS setzt an, wo die Geschichte von Romeo und Julia endet, mit dem Tod des tragischen Liebespaars. Romeo und Julia sind wieder zusammen, post mortem vereint. Ihre Monologe und Dialoge lassen an ein Ritual der Leidenschaft denken - die Sehnsucht nach dem völligen Verschmelzen mit dem anderen Menschen ist das große Thema des Textes. Die Grenzen zwischen Personen, und die zwischen Mensch und Mechanik, Mensch und Ding verschwimmen - dramaturgische Mittel sind Perspektivwechsel, changierende Sprecherpositionen, Paradox und Rätsel: "Doch es ist nicht die Welt, der schwindelt, sondern das Bild/ Dem schwindelt vor der so genannten Welt." (Peter Verhelst)
2 D/H
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Richard III. (Richard III. Heb door moerassen gewaad al dan niet menselijte)
von William Shakespeare
In einer Fassung von Peter Verhelst
Bin durch Sümpfe gewatet, menschliche oder nicht
Nach Shakespeare von Peter Verhelst
Aus dem Flämischen von Rainer Kersten
UA: ZT Hollandia, Eindhoven, 23.4.2004. R: Johan Simons.
DSE: Landesbühne Niedersachsen Nord, Wilhelmshaven, 26.1.2019.
Mit RICHARD III. BIN DURCH SÜMPFE GEWATET, MENSCHLICHE ODER NICHT hat Peter Verhelst zum zweiten Mal nach seiner ROMEO UND JULIA-Adaption einen Shakespearschen Stoff bearbeitet. Verhelst nutzt seine kraftvolle Sprache zur Vivisektion der innigen Verknüpfung von Lust und Tod. Sein König Richard tritt nicht als blutiger Mörder in Erscheinung, sondern als manipulierender Psycho-Stratege. Omnipräsent ist im Stück Richards Mutter, die Herzogin, gezeichnet von einem Leben, das darin bestand, das Schlimmste zu verhindern. Peter Verhelsts Richard III. wurde 2004 in der Regie von Johan Simons an der Stadsschouwburg Eindhoven uraufgeführt; die Produktion eröffnete auch die Theaterformen 2005 in Braunschweig.
4D-6H
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Romeo und Julia - Studie eines ertrinkenden Körpers (Romeo en Julia (studie van een verdrinkend lichaam))
von William Shakespeare
In einer Fassung von Peter Verhelst
von Peter Verhelst nach William Shakespeare
Aus dem Flämischen von Rainer Kersten
UA: Holland Festival / Stadsschouwburg Amsterdam, 16.6.1998. R: Ivo van Hove.
DE: Staatstheater Stuttgart, 16.1.2004. R: Elias Perrig
In der Version von Peter Verhelst, geschrieben für die niederländische Theatergruppe Hollandia, herrscht das Chaos. Das Verlangen nach Harmonie und Einheit ist zugleich ein Verlangen nach dem Tod. Verhelst zeigt die Menschen als "sich selbst vernichtende Maschinen". Es gibt keinen Platz für Versöhnung und Läuterung. Romeos und Julias Liebe ist eine Leidenschaft, ein kurzes Aufblitzen, die kurze, vergebliche Hoffnung, dem Chaos des Lebens zu entgehen.
3D-9H
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Schlachten! (Ten Oorlog!)
von Tom Lanoye und Luk Perceval
Übersetzung zusammen mit Klaus Reichert
Nach Shakespeare von Tom Lanoye und Luk Perceval
Aus dem Niederländischen/Flämischen
von Rainer Kersten und Klaus Reichert
UA: Blauwe Maandag Compagnie, Gent, 22.11.1997. R: Luk Perceval.
DE: Salzburger Festspiele, 25.7.1999/Deutsches Schauspielhaus Hamburg, 2.10.1999. R: Luk Perceval
Die Vorlage für SCHLACHTEN! liefern Shakespeares berühmte Königsdramen: "Richard II.", "Heinrich IV.", "Heinrich V.", "Heinrich VI." und "Richard III.", die zusammen den Zyklus der Rosenkriege bilden. Der flämische Autor Tom Lanoye hat, gemeinsam mit dem Regisseur Luk Perceval, diese Dramen neu geschrieben: Mal nah am Original, mal weit von ihm entfernt. Er hat die Akzente anders gesetzt, das Riesenpersonal reduziert, Figuren umgeschrieben, bei Shakespeare schwach Angedeutetes krass ins Licht gezerrt. Aus acht abendfüllenden Stücken werden bei Lanoye und Perceval sechs, die in einem Zug zu spielen sind: ein Theatergedicht um Machtkriege und Überlebenskämpfe. Generationenkonflikt, Geschlechterkrieg und der selbstzerstörerische Kampf des Individuums mit sich selbst - das sind die zentralen universellen Themen dieses Werkes.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum