Neue Stücke

Lorenz Hippe

BAM! ICH BIN GLÜCKLICH!

 

"'Theater muss sein wie ein Computerspiel!' Mit diesem Auftrag eines kindlichen Theatergängers hat sich Autor Lorenz Hippe zusammen mit dem Theater in Aalener Schulen auf den Weg gemacht, zahlreiche Interviews mit Schüler*innen geführt und auch mit Sozialarbeiter*innen und Suchtexperten gesprochen. In seinem Stück werden die Geschwister Max und Fine zusammen mit dem Publikum den 'welt-ersten Live-Theater-Channel' entdecken und entwickeln." (Ankündigung Theater Aalen)

 

Besetzung: 1D - 1H. Altersempfehlung: 8+

    

Marc Becker

KEINE PANIK!

 

"Früher, als die Menschen eigentlich noch Tiere waren, war Angst eine praktische Sache. Wenn etwa plötzlich ein Bär um die Ecke bog, fing das Herz rasend schnell zu schlagen an, die Atmung erhöhte sich und der Körper begann zu schwitzen. Mittels dieser Körperreaktionen entwickelten unsere Vorväter und -mütter ungeahnte Kräfte oder konnten blitzschnell davonrennen. War es dafür zu spät, verfielen sie mit bleichem Gesicht in Schockstarre, sodass der Bär denken musste, sie wären krank und hochansteckend. Ohne Angst wäre die Menschheit wahrscheinlich längst untergegangen.
Für Peter Panikakis ist Angst nur ein peinliches Relikt aus grauer Vorzeit. Überhaupt gibt es zahlreiche Aspekte der menschlichen Entwicklung, die ihm sehr fragwürdig erscheinen. Warum etwa kann sich Peter Panikakis bei Panflötenmusik entspannen, während dies für andere der reinste Horror ist? Am Beispiel von Gabi, der amtierenden Angstweltmeisterin, will er zeigen, wie man ein vollkommener Mensch werden kann. Doch noch hockt Gabi hinter der Bühne und traut sich nicht aufzutreten. Und daran ist nicht nur das Lampenfieber schuld. Denn, was keiner weiß: Gabi ist gar kein Mensch. Sie ist ein Hase. Oder besser gesagt: Ein Angsthase. Dabei wäre sie nur zu gerne ein echter und vor allem angstfreier Mensch. Ob Waldi ihr helfen kann? Waldi war mal ein Hund und hat sich noch nie vor irgendwem oder irgendwas gefürchtet.
In seinem neuen Stück lotet Marc Becker die verschiedenen Aspekte der Angst aus. In einer Art theatraler Verhaltenstherapie konfrontiert er Figuren wie Publikum mit den Auslösern der Angst. Abhauen gilt nicht, Augen auf und durch ist die Devise."
(Ankündigung Oldenburgisches Staatstheater)

 

Besetzung: 1D - 2H. Altersempfehlung: 9+

    

Arend Agthe / Bettina Kupfer

DORNRÖSCHEN

 

100 Jahre sind es bekanntlich, die Dornröschen schlafen muss, nachdem sie sich an einer Spindel gestochen hat. In ihrer Adaption des Grimm-Märchens machen Arend Agthe und Bettina Kupfer diese Zeitspanne dramaturgisch fruchtbar: Sie markiert bei ihnen zugleich eine Zeitenwende vor bzw. nach großen technologischen Neuerungen. So ist der Prinz, der Dornröschen schließlich "rettet", hier ein leidenschaftlicher Erfinder, der vom Fliegen träumt. Er hat einen kleinen Fotoapparat entwickelt, mit dessen Hilfe Tauben Luftaufnahmen für ihn anfertigen. Eines der so entstandenen Bilder zeigt ein wunderschönes, schlafendes Mädchen. Mit einem selbstgebauten Ballon, und mit der Unterstüzung seines Lehrers, will der Prinz die Dornenhecke überwinden, um das Mädchen zu finden. Doch der Ballon bleibt an den Dornen hängen, und so muss - allem wissenschaftlichen Fortschritt zum Trotz - ein Zufallen herhalten, dass alles gewohnt glücklich endet.
Die Bühnenfassung beruht auf dem Drehbuch zu einem Märchenfilm, das Agthe/Kupfer für das ZDF geschrieben haben.

 

Besetzung: mind. 3D - 3H. Altersempfehlung: 6+

    

Dea Loher

BÄR IM UNIVERSUM

 

Benny der Eisbär kommt aus dem Ewigen Eis: "Na ja, ewig... Meine Eisscholle ist mir unter dem Hintern weggeschmolzen." Also hat der gutmütige Benny sich ein Floß gebaut. Es trägt ihn weit übers Meer, an die unbekannte Küste Pollinesiens, wo ihm alles fremd ist. Hier begegnet er dem forschen Huhn Polly, Namensgeberin von und Herrin über Pollinesien mit einem Faible für Sternbilder. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach einem zweiten 'Bär im Universum' für den einsamen Benny. Zu diesem Zweck gibt Polly eine Kontaktanzeige auf. Und die Antworten lassen auch nicht lange auf sich warten. Doch fallen sie anders aus, als erwartet...
In ihrem ersten Kinderstück erzählt Dea Loher mit leichter Hand von Verlust und Fremdsein, aber auch von Neuanfang, von Neugier auf das Unbekannte und Unerwartete, von Freundschaft. Ein Stück für mindestens 3 Spieler/innen, ideal auch für Inszenierungen mit Video.

 

Besetzung: mind. 3D/H. Altersempfehlung: 5+

    

Christophe Pellet

APHRODISIA

Deutsch von Gerhard Willert

 

In Zeitsprüngen und poetisch dichter Sprache zeigt Christophe Pellet in APHRODISIA sechs Figuren auf der Suche nach einem authentischen, ursprünglichen Leben inmitten einer von Funktionalität und Effizienz geprägten Gesellschaft:

Mit seinem Diplom in der Tasche unternimmt der junge Nimrod nicht nur seine ersten Schritte in die Arbeitswelt. In den Armen seiner Kollegin Kléa versucht er darüber hinaus eine andere Frau zu vergessen: Yo, eine elfenhafte Verführerin mit einem tätowierten "WEITER!"-Schriftzug auf dem Bauch.
Etwa zwanzig Jahre später: Léo, der Sohn von Nimrod und Kléa, will seine Liebe zu Kaspar leben. Doch während er davon träumt, sich in die Natur zurückzuziehen, glaubt Kaspar gerade umgekehrt, dass ihrer beider Liebe nur dann Bestand hat, wenn sie sich im öffentlichen Raum der social media und des world wide web dokumentiert findet. Nach der Trennung von Léo zeugt Kaspar zusammen mit einem lesbischen Paar eine Tochter: Lia.
Nochmals rund zwanzig Jahre später: Anlässlich von Kaspars Beerdigung folgt Lia der flüchtigen Spur ihres Vaters und seiner Liebe.

"APHRODISIA ist Bestandsaufnahme einer heutigen Gesellschaft, die auf Effizienz beruht und in der Wesen zu funktionalen, nützlichen Objekten geworden sind, die sich blindlings in ihren Objektstatus fügen. Isolation und Rückzug werden durch neue Arbeits- oder Beziehungsformen verhindert, die erforderlich machen, dass Individuen keine Individuen mehr sind, sondern sich im Netz offener Räume, in sozialen Netzwerken verfangen, bei optimierter Sichtbarkeit. Gefragt nur, wenn die Zustimmung anderer und die Anerkennung durch andere gefragt sind: angepasste, gemeinsame, übereinstimmende Wesen. (...) Wie kann Liebe in dieser sozialen Logik existieren, wenn Liebe und Begehren unbrauchbar sind, keinen nützlichen Zweck verfolgen, wenn der oder die Geliebte Nichtsnutze sind?" (Jean-Philippe Cazier)

Für APHRODISIA erhielt Christophe Pellet 2017 den Grand Prix der Académie Française.

 

Besetzung: mind. 1D - 3H

      

Milena Baisch

ANTON TAUCHT AB

 

Zugegeben, Campingurlaub mit Oma und Opa ist nicht gerade das Coolste. Doch erst als Anton entdeckt, dass es keinen Swimmingpool gibt, sondern nur einen See, werden diese Ferien zum Gau (größtmöglich anzunehmender Unfall). Arschbomben und Köpper vom Badesteg machen wie all die anderen Kinder? In diese Ekelbrühe? Niemals! Zum Eigenbrödlerdasein verdammt und vor Langeweile vergehend, macht Anton schließlich eine Bekanntschaft der besonderen Art: mit einem Fisch. Und damit beginnt ein Ferienabenteuer, wie es sich Anton in seinen kühnsten Heldenfantasien nicht ausgemalt hat.

Milena Baisch hat eine Bühnenfassung ihres gleichnamigen Kinderbuchs geschrieben: "eine amüsante Geschichte über einen Jungen, der seine Schüchternheit und Ängste mit viel Coolness überdecken möchte." (Augsburger Allgemeine)

 

Besetzung: mind. 1D - 2H. Altersempfehlung: 6+

     

Elke Heidenreich / Bernd Schroeder

ALTE LIEBE

Bühnenfassung von Elke Heidenreich

 

2009 erschien ALTE LIEBE von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder im Hanser Verlag. Seither ist der Bestseller auch auf zahlreichen Bühnen zu sehen gewesen. Nun, zehn Jahre nach Erscheinen des Buches, hat Elke Heidenreich eine eigene Bühnenfassung vorgelegt: 20 umwerfend komische 'Szenen einer Ehe' mit Lore und Harry, zwei Alt-Achtundsechzigern, in denen sich eine ganze Generation wiedererkennen kann.

 

Besetzung: 1D - 1H

    

Fanny Britt

DER TAG, AN DEM ICH EIN GUTER MENSCH SEIN WOLLTE

Deutsch von Frank Weigand

 

DER TAG, AN DEM ICH EIN GUTER MENSCH SEIN WOLLTE erzählt die Geschichte von zwei Freunden aus Kindheitstagen, Bruno und Gilles, die sich nach 17 Jahren wieder treffen. Gilles hat eine erfolgreiche Karriere als Anwalt in der Stadt hinter sich, während Bruno in Bienveillance geblieben ist, dem Dorf, in dem beide aufgewachsen sind und wo er später geheiratet hat.
Die Umstände des Wiedersehens sind jedoch keine gewöhnlichen. Denn Brunos 9-jähriger Sohn Zachary schwebt nach einem Unfall zwischen Leben und Tod. Nicht ganz unschuldig daran scheint das Unternehmen zu sein, das den Krankentransport (mutmaßlich nicht schnell genug) organisiert hat. Bruno ist deswegen vor Gericht gezogen. Das verklagte Unternehmen beauftragt eine Anwaltskanzlei, und die wiederum setzt ausgerechnet Gilles auf den Fall an.
Vor diesem Hintergrund nun ist Gilles also zurück in seinem Heimatort, umgeben von realen und imaginären Gestalten aus der Vergangenheit - angefangen bei seiner schrillen Mutter, über die Geister seiner verstorbenenen Brüder bis hin zum Vater, den er nie gekannt hat. Und eigentlich würde Gilles seinem Kindheitsfreund gerne erzählen, dass er das Mandat für den Fall unter den gegebenen Umständen natürlich sofort und ohne zu zögern niedergelegt hat. Aber - ganz so ist es nicht gewesen, auch wenn es zunächst den Anschein hat.
Fanny Britt ist ein tragikomisches Stück gelungen über unseren starken Wunsch, "gut" zu sein, dem immer wieder kleine Feigheiten und große Widersprüche in die Quere kommen.

 

Besetzung: 2D - 3H

    

Tim Krohn

TREDESCHIN REX

 

Tredeschin ist die Geschichte eines 13. Sohnes, der sich auf die Suche nach dem großen Glück begibt. Indem er dem König hilft, gestohlenen Besitz zurückzuerobern, bekommt er am Schluss das Königreich und die schöne Prinzessin. So die Kurzfassung des bekannten Engadiner Märchens, doch das Stück TREDESCHIN REX spürt der Geschichte hinter der Geschichte nach:  

"Das alte Märchen 'Tredeschin', oft erzählt, viel geliebt: Der Nachzügler einer mausarmen Grossfamilie gewinnt eine Prinzessin für sich, indem er für den König von Frankreich ein Pferd, eine Brokatdecke und einen Papagei aus den Fängen der Türken rettet. Einige Fragen blieben allerdings bis heute unbeantwortet: Woher kann Tredeschin Türkisch und Französisch? Trinken Türken Wein? Woher weiss Tredeschin jeweils, dass er in einem Jahr zurückkehren wird, und wenn er es schon grosspurig verkündet, weshalb schaut in der Türkei keiner auf den Kalender? Wie verwendet man eine Strickleiter, wenn man ein Haus nicht hinunterklettern soll, sondern hinauf? Was hält der sprechende Papagei davon, dass der französische König erst den Schimmel und eine schnöde Decke reimportieren lässt und an ihn zuletzt denkt? Und weshalb darf Tredeschin nach all den überstandenen Abenteuern nicht frei entscheiden, ob er lieber die Prinzessin oder das Vermögen haben möchte, sondern ungefragt verheiratet? Diesen und anderen Fragen geht das Stück nach, das daher auch heissen könnte: 'Die wahre Geschichte des Tredeschin Rex'." (Tim Krohn)

 

Besetzung: mind. 2D - 3H

   

Ingeborg von Zadow

ODA UND DAS PFERD DER GÖTTER

 

Wenn Odette groß ist, wird sie einmal Oda heißen und die mächtigste Göttin sein weit und breit. Aber bis dahin ist es noch ziemlich lange hin. Jetzt nämlich ist Odette klein und allein, und alles andere als mächtig. Nicht einmal ihre Eltern hat sie mehr. Immerhin haben die ihr hinterlassen, was man so braucht: einen Thron, einen Wunschmantel und zwei Raben, die sie mit Essen, Spielzeug und Tönen versorgen. Doch ist das wirklich alles, was man braucht? Bald schon hat Odette die Warterei und Langeweile satt. Sie wünscht sich einen Spielpartner, „das wunderschönste seltsamste Geschöpf“. Da erscheint Sleipnir, ein Pferd mit acht Hufen und einer Fülle von Ideen. Gemeinsam erkunden die beiden die Welt, begegnen Zwergen und Riesen, machen zusammen Musik und haben viel Spaß. Bis Sleipnir eines Tages die Koffer packt, um weiterzuziehen. Odette bleibt wieder allein zurück. Sie heißt nun Oda, ist groß und reich und mächtig. Aber auch unglücklich. Als ihr Besitz ihr im wahrsten Sinne über den Kopf wächst, erinnert sie sich an Sleipnir und dessen Musik, und beginnt zu singen...
Frei nach Motiven aus der Welt der nordischen Mythen und Sagen hat Ingeborg von Zadow ein Kinderstück für drei Schauspieler*innen und zwei Musiker*innen geschrieben. ODA UND DAS PFERD DER GÖTTER erzählt vom Großwerden, das immer länger dauert, als man will, und das dann doch viel zu schnell vorbei ist. Eine Hommage auch an die Kraft der Phantasie und der Musik.

 

Besetzung: 3D/H - 2 Musiker/innen. Altersempfehlung: 6+

   

Ulrich Hub

DAS LETZTE SCHAF

 

Was ist das nur für ein helles Licht, das die beiden Schafe inmitten einer Winternacht aus dem Schlaf reißt? Und wo sind eigentlich ihre Hirten geblieben? Wurden sie vielleicht von einem Ufo entführt? Oder hat das Ganze etwa mit diesem Mädchen zu tun, das in einem nahegelegenen Stall geboren worden sein soll? Um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen, begeben sie sich auf eine Nachtwanderung. Doch schon bald geht ein Schaf verloren.   
Die Weihnachtsgeschichte erzählt aus der Sicht zweier Schafe, hintersinnig und (g)rasend komisch.

  

Besetzung: 2H. Altersempfehlung: 8+
UA: tjg.theater junge generation, Dresden, 17.11.2018. R: Ulrich Hub

 

 

Jan Friedrich

GUSTAVS GÄSTE

 

Ein junger Fotograf nimmt sich das Leben, seine Schwester und seine Oma quälen die Freundin des Verstorbenen auf der Suche nach Antworten. Eine junge Frau bekommt Besuch von der Mutter ihres Vergewaltigers, ihr Zwillingsbruder will der Fremden die Babys seiner Schwester verkaufen. Ein Mann bestellt sich einen mittellosen Stricher nach Hause, um sich in Frauenkleidern von ihm demütigen zu lassen. - Die drei Einakter von Jan Friedrich die Ursprünge und die stetige Wiederkehr von Gewalt, Menschen, die sich gegenseitig entwerten und sich entwerten lassen. Mit skurriler Komik stellt GUSTAVS GÄSTE die Frage nach Schuld, Abhängigkeiten und dem Wert von menschlichem Leben.

 

Besetzung: 5D - 3H

 

 

Lorenz Hippe

DORNRÖSCHEN

 

 

Lorenz Hippes Bühnenadaption bietet Seltenes: eine Spielvorlage für ein Generationen umspannendes und spartenübergreifendes Theaterprojekt. Sein DORNRÖSCHEN nimmt die Adoleszenzgeschichte des Grimm-Märchens beim Wort und folgt der Hauptfigur von der Kindheit bis in die Pubertät. Mit viel Humor und szenischem Witz, aber auch mit Anleihen bei Fantasy und Mythen erzählt Hippe vom überbehüteten Heranwachsen des "Wunschkindes" Röschen, von Konflikten mit Helikoptereltern und einer zweckbestimmten Erwachsenenwelt, von Pubertät und der Suche nach "dem Richtigen". Dabei vollzieht das Stück Dornröschens Entwicklung auch in der Besetzung mit und teilt die Titelrolle auf vier Darstellerinnen auf - von der 5-jährigen bis zur rückblickenden Erwachsenen. So eignet sich diese Fassung besonders für Generationentheater bzw. für Kooperationen von professionellen Schauspielensembles mit Jugendclubs oder Bürgerbühnen. Eine Variante für kleinere Ensembles ist in Vorbereitung.

 

Große Besetzung ad libitum. Altersempfehlung: 6+

 

 

Christophe Pellet

ERICH VON STROHEIM

Deutsch von Gerda Gensberger

 

"Sie", "der Eine" und "der Andere": Sie schlafen miteinander. Der Eine mit dem Anderen, Sie mit dem Einen, Sie mit dem Anderen. Der Eine stellt seine Schönheit und Jugend in den Dienst der Pornoindustrie, solange sein Körper dies mitmacht. Sie ist erfolgreiche Unternehmerin, die den Einen bzw. den Anderen zwischen zwei Geschäftsterminen einschiebt. Der Andere scheint durch alle Netze gefallen zu sein, nirgendwo Halt zu finden - weder bei dem Einen, noch bei Ihr, noch im Arbeitsleben.
In pointierten Szenen und Dialogen erkundet Christophe Pellets Dreiecksgeschichte die Grenze zwischen Außen- und Selbstwahrnehmung, Realität und Inszenierung, Körperlichkeit und Reflexion. Seine Figuren eint der Wunsch nach Selbstdefinition in einer kalten, abweisenden Welt. Zum Inbegriff dieses Wunsches wird ihnen Erich von Stroheim, auf den sie immer wieder zu sprechen kommen: einer der großen Filmemacher der 20er Jahre, und zugleich ein genialer Betrüger mit Hang zur Selbstinszenierung.

ERICH VON STROHEIM wurde 2017 am Nationaltheater Straßburg mit Emmanuelle Béart in der Hauptrolle von Stanislas Nordey inszeniert und ist seither international auf Tournee.

 

Besetzung: 1D - 3H

 

 

Svenja Viola Bungarten

BONN IST EINE STADT IM MEER

 

Das Bonner Ehepaar Vero und Uwe Schmitt reist in die Wüste, um am Himmel schwarze Löcher zu beobachten. Doch was als Forschungsreise beginnt, wird zu einer irrwitzigen Odyssee. So treffen sie auf Vega und Ulvi, GoldschürferInnen aus der Not, die Auto und Papiere der beiden Europäer stehlen und sich mit ihrer neuen Identität nach Bonn aufmachen wollen. Obwohl Uwe und Vero derweil zunehmend an Korruption und behördlicher Willkür verzweifeln, gelangen sie schließlich dank einer Schlepperin an die Küste, wo sich bereits eine Katastrophe ereignet hat. Doch steht eine weitere noch bevor. Davon berichtet eine Fregattenkapitänin vor Gericht, Zeugin und Angeklagte in einem.

Svenja Viola Bungartens zweites Theaterstück BONN IST EINE STADT IM MEER öffnet einen globalen Assoziationsraum. Vor dem Hintergrund des Khartum-Prozesses und der nicht abreißenden Migrationsbewegung stellt es die Frage nach Identität und thematisiert Fluchtursachen sowie deren angebliche Bekämpfung. Anhand vieler Schauplätze, Figuren, Geschichten und Begegnungen setzt das Stück die eurozentrische Weltsicht in Szene und erzählt von der Schwierigkeit kultureller Verständigung, von der Schwierigkeit, die Perspektive des Anderen einzunehmen und von der Unmöglichkeit authentisch darüber zu berichten. Eine traurig-komische Parabel über die Widersinnigkeit unserer Realität und eine Welt in Schieflage.

 

Besetzung: mind. 4 Darsteller/innen

 

Wajdi Mouawad

VÖGEL

Deutsch von Uli Menke

 

In einer New Yorker Universitätsbibliothek lernen Eitan und Wahida einander kennen und lieben. Er ist deutscher Jude aus Berlin, studiert Genetik und bezirzt seine Sitznachbarin mit schwindelerregenden Wahrscheinlichkeitsrechnungen über das Leben und die Liebe. Sie ist Amerikanerin arabischer Herkunft und schreibt ihre Doktorarbeit über eine grenzüberschreitende Gestalt aus dem 16. Jahrhundert.
Doch Eitans Vater verweigert der Beziehung seines Sohns mit einer "Araberin" den Segen. Wahida und Eitan dagegen wollen der Last des familiären und historischen Erbes entfliehen - und werden dennoch davon eingeholt. Denn als er Wahida auf eine Forschungsreise nach Israel begleitet, wird Eitan bei einem Terroranschlag schwer verletzt. Im Krankenhaus besuchen ihn seine Eltern und Großeltern. Und mit ihnen kehren auch die alten Konflikte zurück: Fragen nach religiöser, kultureller, nationaler Zugehörigkeit, die wie ein Schwarm Unglücksvögel über Familie und Gesellschaft kreisen…

Das Konzept der Uraufführung in der Regie von Wajdi Mouawad selbst sah vor, dass die Figuren alle in ihrer jeweiligen Muttersprache sprechen (Englisch, Deutsch, Hebräisch, Arabisch) und ggf. in eine Fremdsprache wechseln, wenn die Situation es erfordert. Der Stücktext liegt, außer in einer komplett deutschsprachigen Übersetzung, auch in dieser viersprachigen Fassung der Uraufführung vor.

 

Besetzung ad libitum.
DE: Staatstheater Stuttgart, 16.11.2018. R: Burkhard Kosminski

 

 

Georges Feydeau

KLOTZ AM BEIN

Deutsche Fassung von Claudius Lünstedt

 

"Lucette liebt Bois d’Enghien, und er liebt sie. Es könnte so einfach sein… Doch Bois d’Enghien drängt es zum Geld, daher will er reich heiraten. Lucettes Ex-Ehemann Cheneviette will Lucettes Geld und deshalb kann er die Beziehung zu ihr nicht abbrechen. General Irrigua wiederum hat Geld und damit will er sich Lucettes Zuneigung erkaufen… Georges Feydeau, Meister federleichter Gesellschaftsfarcen, hat ein feingliedriges Gebilde aus Lügen, Intrigen und Missverständnissen entworfen. Pointiert und bis in jede falsch aufspringende Tür hinein genau konstruiert, feiert er den Wahnwitz des bürgerlichen Lebens. Feydeaus Stücke sind mehr als reine Unterhaltung. Entstanden Ende des 19. Jahrhunderts am Übergang zur Moderne, offenbart sich in ihrem Irrsinn eine Welt, in der Gefühle einen klaren Preis haben und den Gesetzen des Marktes unterliegen. Die Ökonomisierung der Liebe entwertet jede Vorstellung von Integrität und Verbindlichkeit, so dass hier der geldgierige Lügner die größte erotische Ausstrahlung besitzt." (Ankündigung Schauspiel Frankfurt)

"Eine wunderbar gegenwärtige und sich doch niemals anbiedernde Übersetzung des Stücks" nachtkritik.de

 

Besetzung: 5D - 6H

 

 

Sarah Berthiaume

NYOTAIMORI

Deutsch von Frank Weigand

 

Für einen Beitrag über "Berufe der Zukunft" führt die Journalistin Maude eine Reihe von Interviews in Unternehmen durch. Sie selber ist freischaffend und damit ihre eigene Chefin. Aber bedeutet die fehlende Trennung von Privat- und Berufsleben nicht einfach nur eine andere Form der Entfremdung? Je mehr sich Maude in ihre Recherchen vertieft, desto stärker werden ihr Leben und ihre Arbeit durcheinander gewirbelt. Am Ende führen die unterschiedlichsten Spuren - der Kofferraum eines in Japan fabrizierten Autos, eine indische Fabrik für Damenunterwäsche und ein texanischer Ausdauerwettbewerb namens "Hands on a hard body" - auf wundersame Weise alle zu Maudes Wohnung, die zugleich ihr Büro ist.
Mit NYOTAIMORI hat Sarah Berthiaume ein kleines Stück über die großen Zusammenhänge der Globalisierung geschrieben, über Arbeitswelt und Müdigkeitsgesellschaft. Sie zeigt ein ökonomisches System, das die Menschen in Maschinen und die Frauen in Objekte verwandelt. Mit viel Humor überschreitet NYOTAIMORI die Grenzen von Raum und Zeit, von Wirklichkeit und Surrealem, um unser Arbeits- und Konsumverhalten spielerisch zu hinterfragen.

 

Besetzung: 2D - 1H

 

 

Maja Das Gupta

ELA FLIEGT AUF

 

Mitjas Mutter ist mit Miras Vater für ein Liebes-Wochenende nach Mallorca geflogen und hat den behinderten Jungen in der Obhut der minderjährigen Ela gelassen. Durch Zufall fliegt das auf, und prompt steht eine korpulente Fürsorgerin vor der Tür, die sich bis zur Rückkehr der Eltern um die Kinder kümmert. Doch sie hat so ihre Probleme mit der blühenden Phantasie ihrer Schützlinge. Erschwerend kommt hinzu, dass Ela gar nicht Mitjas "wirkliche" Schwester ist, sondern ein Flüchtlingskind, dem die Abschiebung droht. Was alle tuscheln, aber niemand laut zu sagen wagt. So wie auch niemand Mitja "behindert", oder die dicke Frau "fette Kuh" nennen darf. Niemand, außer Ela. Als Mitja und Mira schließlich Reißaus nehmen, um ihren Eltern nachzureisen, macht sie sich auf die Suche nach den 'Flüchtigen'...
In ihrem rasanten Kinderstück fragt Maja Das Gupta auf (sprach)spielerische Weise nach Normalität und Anderssein. In einer früheren Fassung unter dem Titel "Die dünne dicke Frau" wurde der Text bei Kaas & Kappes ausgezeichnet: "Das Stück lässt seine Protagonisten unerschrocken mit unserer zwanghaften Angst spielen, immer und unter allen Umständen politisch korrekt sein zu wollen. Es nimmt mit seiner amüsanten Geschichte deutlich Partei für die Schwächsten, die Opfer von komplizierten Verhältnissen werden." (aus der Jurybegründung)

 

Besetzung: 3D - 2H. Altersempfehlung: 9+
UA: Schauburg München, 22.6.2019. R: Grete Pagan

 

 

Joachim Robbrecht

BROMANCE

Deutsch von Christine Bais

 

Tim und Bo sind dicke Freunde. Noch nie sind sie aus der Provinz, einem unbestimmten Ort in einer "Scheißgegend", rausgekommen. Alles woran sie denken und womit sie großmäulig prahlen sind ihre vermeintlichen Annäherungen an das weibliche Geschlecht.
Dann ändert sich plötzlich vieles, denn Jonas taucht auf. Ein Junge aus der Stadt, der von unbegrenzten Möglichkeiten träumt und die Freunde mit völlig neuen Gedanken konfrontiert. Während des Sommerurlaubs in Polen entdecken Jonas und Tim noch dazu plötzlich ihre Gefühle füreinander und geben sich diesem irritierenden Glückszustand hin. Nach der Rückkehr ist dann nichts mehr wie es war, und die Freundschaft zwischen Tim und Bo wird auf eine harte Probe gestellt.
In schlaglichtartigen Szenen, mit hohem Tempo, Witz und jugendlichem Slang enthüllt der Niederländer Joachim Robbrecht in BROMANCE die komisch-tragische Gefühlswelt dreier pubertierender Jungs. Ausgezeichnet mit dem "Gouden Krekel" für die beste Jugendtheaterproduktion 2016 und dem Niederländisch-deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreis Kaas & Kappes 2017.

 

Besetzung: 3H. Altersempfehlung: 12+

 

 

Catherine Léger

DIE BABYSITTERIN

Deutsch von Sonja Finck

 

Nachdem der Macho Cédric vor laufender Kamera eine Sportreporterin sexistisch beleidigt hat, was sich im Netz viral verbreitet, ist er in Erklärungsnot: gegenüber seiner Freundin Nadine, die ihn analysiert, gegenüber seinem politisch linksdenkenden Bruder Jean-Michel, der ihm ins Gewissen redet, und gegenüber seinem Arbeitgeber, der ihn feuert. Cédric beschließt mit seinem Bruder ein Buch zu schreiben, eine Mischung aus persönlicher Selbstanklage und Entschuldigung an alle Frauen. Um sich von den Zumutungen alltäglicher Verpflichtungen zu befreien und Zeit für das Schreiben zu gewinnen, engagiert er die Babysitterin Émy. Allerdings hat er die Rechnung ohne die real existierenden Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts gemacht. Während das Schreibprojekt unfreiwillig immer sexistischer wird, erprobt Nadine, unterstützt von Émy, die einer Männerfantasie entsprungen scheint, ihre Träume von Autorität und Unterwerfung.
In ihrer Komödie im TV-Sitcom-Stil befragt die Kanadierin Catherine Léger gesellschaftliche Konventionen und jüngere Phänomene wie die sprachliche Verrohung im Netz und eine sich ausbreitende 'rape culture'. Sie nimmt Formen von Frauenfeindlichkeit ebenso aufs Korn wie gesellschaftliche Verunsicherungen, die mit Genderdiskussionen einhergehen: Was ist Sexismus, was nicht? Was ist politisch korrekt, was nicht? Was 'normal', was nicht?

 

Besetzung: 2D - 2H

 

 

Freek Mariën

WARTEN UND ANDERE HELDENTATEN

Deutsch von Barbara Buri

 

Am Anfang ist die Welt in Ordnung. Da steht eine riesige Mauer. Davor ein kleiner Turm und vier Wachleute, wahre Helden ohne Angst. Sie kommen aus dem Wachturm, einer nach dem andern, sie warten und bewachen, sie patrouillieren und skandieren, sie reden und schweigen. Haben sie genug, gehen sie wieder zurück. Einer nach dem andern. Tag für Tag. Eine geregelte Welt.
Doch plötzlich fehlt einer, sind sie nur noch zu dritt. Jetzt wackelt die Ordnung. Sie stolpern, stocken, fallen aus dem Takt. Und sind gezwungen, einander und ihre Situation wahrzunehmen, Fragen zu stellen. Warum ist der vierte fort? Was wäre, wenn er zurückkäme? Was befindet sich eigentlich hinter der Mauer? Sind nicht wir selbst die Bewachten? Und was ist das für ein seltsamer Punkt am Horizont?
Mit WARTEN UND ANDERE HELDENTATEN hat der flämische Theatermacher Freek Mariën ein kluges und herausforderndes Stück nicht nur für Kinder geschrieben. Mit dem Auflösen einer Ordnung erzählt es universell von den Herausforderungen, die Veränderungen im Leben mit sich bringen, und von typischen Verhaltensmustern in Notsituationen.
Ausgezeichnet mit dem Taalunie Toneelschrijfprijs 2015.

 

Besetzung: 1D - 3H. Altersempfehlung: 10+