Werner Simon Vogler

geboren 1941 in Mainz. 1971 verzeichnet die Verlagschronik Vogler als »neuen Autor fürs Theater« mit seinem ersten Stück "Die Geschäftsreise zweier tyssländischer Persönlichkeiten nach Guardeloup", das, nie aufgeführt, längst in Vergessenheit geraten ist. Ganz anders DIE GRUSCHEL VON MAYNTZ, ein historisches Volksstück zur »Mainzer Republik« von 1792, das 1975 am Thalia Theater in Hamburg uraufgeführt wurde und den Gerhart-Hauptmann-Preis gewann. Der freie Kulturredakteur Werner Simon Vogler ist mit zehn Theaterstücken, Hörspielen und Drehbüchern im Verlag vertreten. Er lebt in Mainz.

Auszeichnungen (Auswahl):

1975 Gerhart-Hauptmann-Preis Berlin


Werke

3D-5H (Statisten)
UA: Thalia Theater, Hamburg, 27.9.1975. R: Peter Striebeck
1792 besetzten französische Revolutionstruppen zehn Wochen lang die Stadt Mainz. Die Mainzer Republik wird ausgerufen. Doch der Traum von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit währt nicht lange. Nach Abzug der Franzosen erstarken die alten Kräfte wieder: Wer wie die Wirtstochter Gruschel an die neuen bürgerlichen Ideale glaubte und dafür eintrat, muss nun büßen. Auch für Freilichttheater geeignet.
3D-5H (Statisten)
2D-5H
UA der Fassung: Stadttheater Konstanz, 22.4.1989. R: Klaus Kusenberg
In Werner Simon Voglers Fassung wurde Labiches Einakter WAHRER MENSCHENFEIND erstmals dem deutschen Theater zugänglich gemacht. Eine Paraphrase des "Misanthropen" von Molière - mit den Mitteln des bürgerlichen Lachtheaters. Das Ergebnis ist eine mitreißende Farce, ein Glanzstück der Labiche'schen Theaterkunst.
Wie bei Molière leidet ein einsamer Mensch - hier ein wohlhabender Aktionär - unter der Heuchelei und den Lügen seiner Umwelt. Hinter jedem Wort vermutet er Verrat, hinter jedem Blick Falschheit. In jedweder Beteuerung der Unschuld erblickt er lediglich den Beweis des Gegenteils. Unsäglich leidet der Misanthrop unter der Last der Verworfenheit, die diese Welt beschwert und das Leben unerträglich macht. Niemandem traut er über den Weg, am wenigsten seinem Dienstpersonal. So verdächtigt er eine Köchin der Untreue und des Diebstahls.
Ein Kohlenträger verirrt sich in den Salon. An ihm entdeckt der Menschenfeind eine Eigenschaft, die er bisher so sehr vermisste: Dieser Mann sagt, was er denkt. Der Misanthrop jubelt, weil er endlich jemanden gefunden hat, der die Wahrheit sagt. Hocherfreut lässt er sich "Faulpelz", "Geldabschneider", "Miesepeter" schimpfen. Für viel Geld engagiert er den "Wahrheitsfanatiker". Doch damit beginnen die Katastrophen:
Der Menschenfeind muss erkennen, dass seine geschäftlichen und privaten Interessen offene Worte nicht vertragen. Sie stempeln ihn zum Betrüger, Lügner, Ehebrecher - nur weil sein neuer Freund offen, ehrlich und vor allem laut sagt, was er sagen soll. An den Rand seiner psychischen und ökonomischen Existenz getrieben, gelingt es dem düpierten Misanthropen nur mit Mühe, einen Ausweg zu finden - nicht zuletzt dank der zuvor so verleumdeten Köchin.
"Le Misanthrope et l'Auvergnat", so der Originaltitel, hat Werner Simon Vogler übersetzt und behutsam bearbeitet. Seine Eingriffe betreffen lediglich die Figur des Kohlenträgers, den er von seiner ursprünglich landsmannschaftlichen Charakterisierung befreit hat, weil sie in Deutschland unverständlich wäre. In dieser Figur karikiert Labiche übrigens ein weiteres Molière'sches Vorbild: den Tartuffe. Labiche verdreht ihn ins Groteske und zeigt einen Arbeiter, der sich vor lauter Gerechtigkeitssinn gezwungen sieht zu heucheln. Ein Tartuffe und ein Misanthrop begegnen sich - was dabei geschieht, vermag wohl nur Labiche zu schildern.
2D-5H
3D-7H
UA der Übersetzung: Stadttheater Pforzheim, 5.1.1976. R: Hartmut Baum
PLUTOS ist sicherlich die aktuellste Komödie des Aristophanes. "Aristophanes' Komödie erhebt sich über Elende und Not, über Untergangsstimmung und Katzenjammer im geschlagenen Athen. Der Peloponnesische Krieg ist endgültig verloren, in der einst so stolzen Stadt herrschen Korruption und Willkür. Das ist der historische Hintergrund – auf der Bühne aber bricht sich befreiendes Lachen Bahn. Die Menschen träumen vom Reichtum, und haben sie ihn erlangt, verändert sich ihr Leben gründlich." (Volker Trauth)
3D-7H
3D-4H
Hätte Molière nicht gelebt, Alain-René Lesage (1668-1747) stünde wohl an seiner Stelle. Als einer der ersten unabhängigen Berufsschriftsteller gab er die Gesellschaft der Satire preis. So hat Lesage zwar im französischen Theater seinen Platz, in Deutschland jedoch gilt es ihn, einen Dario Fo, des frühen 18. Jahrhunderts, noch zu entdecken.

CRISPIN, DER RIVALE SEINES HERRN ist ein aufsässiger, anarchischer Spaß, eine handfeste barocke Farce, ein spontanes, subversives Volksstück, das bis heute nichts von seiner Lebendigkeit und Unmittelbarkeit verloren hat:
Der Titelheld Crispin, Diener eines reichen Jüngelchens, verrät seinen Herrn, indem er dessen Rolle spielt: die des Frauenhelden und Mitgiftjägers. Er gibt diesen Part mit solch schamloser Virtuosität und betrügerischer Eleganz, dass er ans Ziel zu gelangen scheint, nämlich ins Bett der vornehmen jungen Dame und an ihr Geld. Doch er geht das Spiel von der falschen Seite an – von unten.
Anders als Molières oder Goldonis Schurken und Spitzbuben, deren Eskapaden der Ziele ihrer Herrschaften dienen, richtet sich Crispin bewusst gegen die Interessen seines Herrn. Lange vor Beaumarchais’ Figaro zeigt Lesages CRISPIN auf, wie sehr die bestehende Ordnung bereits unterhöhlt und von Auflösung geprägt ist.
Werner Simon Voglers Übersetzung dieser Trouvaille erhellt Lesages Kraft und Charme und offenbart die Frische und Nähe dieses Stücks.
3D-4H
UNBEKANNT WOHIN?
Produktion: SWF Mainz 1988
Erstsendung: 29.12.1988
55 Min.
DER FEUERSALAMANDER
Produktion: SWF/RB/WDR 1977
Erstsendung: 23.06.1977
54 Min.
GIFT IN SANSSOUSSI
Produktion: SWF 1976
Erstsendung: 20.06.1976
48 Min.
DER TOLLE INVALIDE VON RATONNEAU
Produktion: SWF 1975
Erstsendung: 24.04.1975
79 Min.

Newsletter

Regelmäßig – aktuell und kompakt – informiert über neue Stücke und Inszenierungen, über Personen und Projekte und vieles mehr.

Hier abmelden »