Lucie Vérot

Lucie Vérot wurde 1988 in Saint-Étienne, Frankreich geboren. Seit 2017 besitzt sie das Theaterdiplom ENSATT.
Geprägt von einem ersten Aufenthalt in Französisch-Guayana, war sie als Hausautorin in Kourou am Théâtre de l’Entonnoir tätig. Zudem leitet sie an der ENSATT ein Schreib- und Forschungsatelier, in dessen Rahmen MANGROVEN entstand.
Zwei ihrer Stücke hauptsächlich für junges Publikum wurden von der Comédie de Valence inszeniert. Als Librettistin der Oper L’OPÉRA VERT, Musik Emmanuel Bex, arbeitete sie mit dem Saint-Denis Jazz Club zusammen. Lucie Vérot schreibt Auftragsstücke für verschiedene Theater und den öffentlichen Raum.

Auszeichnungen (Auswahl):

2019 Hypolipo-Preis (Maison des Écritures et des Écritures Transmédias, M.E.E.T.) für MANGROVEN
2018 Förderpreis Artcena für MANGROVEN


Werke

Deutsch von Wolfgang Barth
5D-5H (Doppelbesetzungen möglich)
Ich hab noch nie gesehen, dass sich die Mangroven so ausbreiten. Derart beschreibt Cécé, die junge Bedienung in einer Strandbar, die Verdrängung des Meeres vor der Küste ihres Heimatortes Kourou in Französisch-Guayana. Der Legende nach bestehen diese Pflanzen aus dem Menschenfleisch der nicht begrabenen Toten vieler Generationen - und stehen somit nicht nur als Chiffre für die koloniale Vergangenheit der Region, sondern auch für den allgegenwärtigen Tod, die Schwermut, verfaulende Träume und einen Hang zur Selbstzerstörung.
Das muss auch Monsieur Gustel erfahren, ein ehemaliger Fremdenlegionär, der nun als Clochard gemieden wird und in einem heruntergekommenen Haus am Strand lebt. Dort kümmert er sich um den ehemaligen Raumfahrtingenieur Alban. Dieser spricht nicht mehr, hat seinen Namen vergessen und möchte nur noch eines: nie mehr von seiner Hängematte aufstehen.
So gemischt sich die Bevölkerung darstellt, so vielfältig sind die Sorgen der Menschen: die junge Raumfahrtingenieurin Karine verbringt mit ihrer Kollegin Malaï alkoholisiert eine Nacht am Strand, was deren Familie nie erfahren darf, der Legionär Aimé lässt sich von seinem Kameraden Rémi den Arm brechen, Éveline verlässt das Land wieder, nachdem der Dschungel ihr Fotolabor in Neongrün getaucht und die Fotografien zerstört hat. Die so genannte Chinesin erzählt als aufgebahrte Leiche ihre Lebensgeschichte, und Cécé lehrt ihren Freund Thomas derweil den Umgang mit den Toten.
Lucie Vérot hat mit MANGROVEN ein Stück geschrieben, das in Französisch-Guayana angesiedelt ist, aber mittels eines losen Figurengeflechts zugleich unsere Welt in den Blick nimmt: das bisweilen komplizierte Miteinander von Einheimischen und Fremden, die Einzigartigkeit einer jeden Biografie, die stete Sehnsucht nach einem besseren Leben – und dessen möglichem Scheitern.
5D-5H (Doppelbesetzungen möglich)

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