Luise Rist

geboren 1970, schreibt Theaterstücke und Romane. Bereits während des Literatur-Studiums, in Heidelberg und Berlin, hat sie mit dem Schreiben und Inszenieren von Theaterstücken begonnen und eine freie Theatergruppe gegründet. Danach war sie acht Jahre lang Dramaturgin und Autorin am Deutschen Theater Göttingen, bevor sie 2009 das Freie Theater "boat people projekt" mitbegründete, ein Theater inmitten einer Unterkunft für Geflüchtete. Luise Rist leitet die Jugendgruppe MAHALA INTERNATIONAL an den Pfalzbau Bühnen Ludwigshafen und das "junge boat people projekt". Ihr freies Theater ist mehrfach ausgezeichnet worden, u.a. mit dem Friedenspreis der Universität Göttingen; nominiert war es für den George Tabori-Preis 2017. Der Film MORGENLAND... bekam den Deutschen Filmpreis für Menschenrecht in der Kategorie Jugendfilm.
Nach dem Debütroman ROSENWINKEL erschien auch ihr zweiter Roman MORGENLAND im cbt Verlag.

Auszeichnungen (Auswahl):

2010 Übersetzerpreis der 10. Theaterbiennale "Neue Stücke aus Europa" für BAB UND SANE


Werke

2D
UA: boat people projekt / Hotel Freizeit In, Göttingen, 13.6.2011. R: Nina de la Chevallerie
Ella und Kim, zwei Frauen in den Dreißigern, lernen sich während eines Marokko-Urlaubs kennen. "All inclusive" heißt das Angebot, das beide gebucht haben. Ella will sich eine Woche lang vom Stress daheim erholen, zum ersten Mal verreist sie ohne Mann und Kinder. Sie ist fasziniert von Kim, die alle Menschen in ihren Bann zieht. Schnell kommen sich die beiden näher, immer mehr lässt Ella sich von Kims Unabhängigkeit und Lebenslust anstecken – bis sie hinter das Geheimnis ihrer neuen Freundin gelangt. Denn Kim weiß, sie muss bald sterben.
Spielerisch-leicht, mit Humor und Phantasie vermittelt Luise Rist in ihrem Zweipersonenstück schwere Themen: Es geht um Leben und Tod, um Sterben und Abschied. Und um die ungewöhnliche Freundschaft zwischen zwei Frauen.
2D
2D-4H
UA: Neuköllner Oper, Berlin (mit der Musik von Jan Müller-Wieland), 20.1.2011, R: Gustav Rueb
Linn, ein Mädchen aus Berlin-Mitte, auf dem Weg in die Oper. Max, ein junger Mann aus Neukölln, der darauf wartet, dass etwas Neues beginnt in seinem Leben. Drei Minuten Wartezeit, bis die U-Bahn kommt. Drei Minuten sind genug, um sich zu verlieben. Zumindest für Max. Er ist keiner, der lange nachdenkt. Das, was er sieht, prägt sich ihm ein. Eine Geste, ein Blick, ein Wort. Und das, was er in Linn sieht, zieht ihn an. Seine Mutter hat er verloren, auf seine neue Freundin will er aufpassen. Max, der das Schießen auf der Straße gelernt hat, entschließt sich, Polizist zu werden. Doch dafür muss er sich von seiner Vergangenheit, vor allem von dem zwielichtigen Freund Tom lösen. Immer mehr distanziert sich Max von seinem früheren Leben, misstraut jedem, am meisten sich selbst. Er hat Angst, im neuen Leben zu versagen, klammert sich daran fest – bis er erkennt, dass er das, was er schützt, bekämpfen muss. Luise Rist verlegt Webers Freischütz vom Jäger- ins Polizeimilieu, vom Wald in das Dickicht der Großstadt.
DER FREISCHUSS entstand als Libretto für die Neuköllner Oper, Berlin, den Komponisten Jan Müller-Wieland und Regisseur Gustav Rueb.
2D-4H
1D-1H (+ 1 Musiker)
UA: Klecks-Theater, Hannover, 16.5.2010. R: Tomke Friemel
Paulines Vater möchte, dass seine phantasiesprudelnde Tochter endlich ihr Zimmer aufräumt. Doch an diesem Abend kommt alles anders: Der Mondkloß gibt sich die Ehre. Mit seiner Hilfe stiftet Pauline ihren allein erziehenden Vater zu einer abenteuerlichen Reise an.
Das Kinderstück "Der Mondkloß" ist eine Geschichte über Fantasie und die Zeit, die man sich dafür nehmen sollte. Es entstand im Auftrag des Klecks-Theaters in Hannover und erfordert - neben den beiden Darstellern des Vaters und der Tochter - noch einen Musiker, der den Mondkloß "spielt". Denn dieser verständigt sich nicht mit den Mitteln der Sprache, sondern der Musik...
1D-1H (+ 1 Musiker)
Altersempfehlung: ab 4 Jahren.
Besetzung ad libitum
UA: Theaterlabor Darmstadt / Staatstheater Darmstadt, 15.3.2008. R: Max Augenfeld
Manche leben hier, weil ein Elternteil in Deutschland Arbeit gefunden hat. Oder eine neue Liebe. Manche sind hier gelandet, weil die Familie aus der Heimat fliehen musste. Manche sind hier geboren und dennoch fremd. Andere haben ihren Geburtsort nie verlassen, ihre Heimat aber trotzdem verloren, im Zweiten Weltkrieg.
Für eine Koproduktion von Theaterlabor und Staatstheater Darmstadt (Regie: Max Augenfeld) hat Luise Rist einen Text geschrieben, der sich mit der Frage nach "Heimat" und "Fremde" auseinandersetzt: Das Stück entstand auf der Basis von Gesprächen mit ganz jungen, älteren und sehr alten Menschen, deren Gemeinsamkeit im Verlust zu finden ist; Verlust eines Gefühls, Verlust der Muttersprache, Verlust eines Ortes. Die Biographien verschmelzen mit Eindrücken, Gedanken und Erfahrungen. Der Text, der entstanden ist, versucht, den Menschen nahe zu kommen, ohne ihr Geheimnis zu verraten.
Nach der erfolgreichen Darmstädter Uraufführung hat Luise Rist eine Textfassung erstellt, die auch in anderen Städten - sei es mit Laiendarstellern, sei es mit professionellen Schauspielern - nachgespielt werden kann.
Besetzung ad libitum
1D-1H
UA: Deutsches Theater Göttingen, 12.11.2004. R: Tomke Friemel
Es war im Juni. Das erste Mal begegnete ich Harald im Hausflur in der Greifenhagenerstraße. Linda ist zum Studieren nach Berlin gezogen. Sie wohnt Tür an Tür mit Menschen, die hier geboren sind. Es ist ein Haus wie alle anderen in der Straße, aber es ist das einzige, das noch nicht saniert ist. Linda lebt mit dem, was sie vorfindet - ausgehöhlte Fernseher, eine Puppenküche, zurückgelassene Kunstwerke ihrer Vermieterin, ein Schrank mit fremden Kleidern, ein Nachbar, Harald, der eines Tages anklopft und ohne Umschweife verlangt, wonach ihm ist. Immer häufiger taucht er bei Linda auf, geht in ihrer Wohnung ein und aus, stellt ihr Leben auf den Kopf. Der Alltag in der neuen häuslichen Umgebung wird für Linda immer mehr zur allein bestimmenden Realität, der gegenüber alles andere unwichtig erscheint. In einer ganz eigenen Poesie beschreibt Luise Rist einen Sommer im Leben zweier junger Leute, die auf der Suche sind.
1D-1H
Zusammen mit Mark Zurmühle
Besetzung ad libitum
UA: Deutsches Theater Göttingen, 19.03.2005. R: Mark Zurmühle
MADE IN GERMANY ist eine "musikalischen Legende um Zarah Leander": Ein Stück über den "Mythos Zarah", mit 14 Liedern – von "Kann denn Liebe Sünde sein" über "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn" bis hin zu "Davon geht die Welt nicht unter".
In Goebbels’ Propaganda-Ministerium herrscht helle Aufregung: Zarah Leander, das Erfolgsprodukt "Made in Germany" schlechthin, ist den Herren abhanden gekommen. Eine Spionin Moskaus soll sie gewesen sein. Nun muss schnellstmöglich ein Double her. Es findet sich in der Putzfrau des Ministeriums. Noch singt sie viel zu hoch, und ihr Gang stimmt auch noch nicht. Doch die Zeit drängt: ein großer Auftritt beim Wunschkonzert für Wehrmacht und "Führer" steht bevor. Während sie zur neuen Zarah gemacht wird, gewinnt die Putzfrau zugleich immer mehr Einblicke hinter die Kulissen: Sie beginnt zu ahnen, welche Verbrechen die Nazis fernab der glamourösen Schlagerwelt begehen.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum
UA: Theater Basel, 7.5.2019. R: Bea Nichele / Martin Frank
Frida reist nach Serbien, um Flüchtlinge an der ungarischen Grenze zu unterstützen. Dort begegnet sie Ali, der keine Lust auf Mitleid hat. Sie ist fest entschlossen, gemeinsam mit ihm die Grenze zu überqueren und Richtung Westen zu reisen. «Too dangerous», meint Ali, «there is no room for love on the run.»
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum
Frida ist gerade mit der Schule fertig und weiß nicht, was sie mit sich anfangen soll. Bis sie Anita begegnet, mit der sie schnell eine besondere Freundschaft verbindet. Aber von einem Tag auf den anderen wird die neue Freundin mit ihrer Familie nach Bosnien, in die Heimat ihrer Mutter, abgeschoben. Auf der Suche nach ihr begibt sich Frida auf eine Reise in ein ihr unbekanntes Land, wo sie sich in einen jungen Bosnier verliebt und Anita schließlich mithilfe eines ehemaligen Kriegsreporters wiederfindet. Doch dann gibt es einen schrecklichen Anschlag.
Das Romandebüt der Theaterautorin, -dramaturgin und -macherin Luise Rist ist eine Geschichte über Freundschaft, Grenzen und Wege, sie zu überwinden – und ein hochaktuelles road movie über Flucht, Emigration und Abschiebung.

Der Verlag der Autoren vertritt die Stoffrechte für Bühnenumsetzungen von ROSENWINKEL. Jedes Theater kann sich eine eigene Spielfassung nach dem Roman einrichten.
Besetzung ad libitum
2D-3H
Bei einem Abendessen mit Kollegen verlässt die Gastgeberin, völlig überraschend für Freund und Gäste, die Wohnung. Mit einem rostigen Fahrrad, das im Flur auftaucht wie ein alter Gedanke, fährt Franziska durch die Nacht, bis sie im Morgengrauen in einer kleinen Ortschaft ankommt. Hier hat sie vor Jahren etwas zurückgelassen, ein Gefühl von Verantwortung - für jemanden, den sie sehr mochte. Die Erinnerungen des kleinen Mädchens, das sie einmal war, durchziehen Franziskas Tage der Suche nach dem Jungen von damals. Er, ein verwahrlostes, einsames Kind, steht unsichtbar im Zentrum des Stücks.
2D-3H
2H
UA: Théâtre Vidy-Lausanne, 2009. R: Jean-Yves Ruf.
DSE: Staatstheater Stuttgart, 2.2.2012. R: Markus Klemenz
Bab und Sane hüten die europäische Residenz eines afrikanischen Diktators, der in seinem Land der Macht enthoben wurde. Die beiden bleiben in der Villa zurück - allein und ohne Verbindung zur Außenwelt. Sie sprechen über ihre Vergangenheit und ihre Zukunft, imitieren den Diktator, erzählen und spielen die Geschichte der Revolution, die er geführt hat, sowie seiner tyrannischen Herrschaft bis zur Amtsenthebung.
Ein Stück absurdes Theater - über Revolutionen und das Vakuum, das sie hinterlassen.
2H
3D-1H (1 bis 6 Musiker)
UA: Great American History Theatre, St. Paul/Minnesota, April 2002. R: Ron Peluso. ML: Raymond Berg. Choreographie: Jan Puffer.
DSE: Deutsches Theater Göttingen, 23.02.2008. R: Tobias Bonn
SISTERS OF SWING von Beth Gilleland und Bob Beverage erzählt die Lebens-, Leidens- und Erfolgsgeschichte der Andrews Sisters, dem ersten "Girl Group-Phänomen" der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. In einer raschen, oft komischen, aber auch tragischen und immer sehr berührenden Szenenfolge spiegelt sich in der über dreißig Jahre andauernden Karriere der Schwestern ein Zeit- und Gesellschaftspanorama amerikanischer Geschichtsepochen: von der Großen Depression über den Zweiten Weltkrieg bis zu den umwälzenden gesellschaftlichen Reformen der sechziger Jahre. Die legendären Songs der Andrews Sisters markieren dabei – geschickt in die Handlung eingebunden – die entscheidenden Stationen.
3D-1H (1 bis 6 Musiker)
Jugendroman
cbt Verlag 2018

Morgenland
Rosenwinkel
Jugendroman
cbt Verlag 2015