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Leben ist Traum (Das Leben ein Traum)

Leben ist Traum (Das Leben ein Traum)

Basilio, König von Polonien, entdeckt bei seinen astrologischen Forschungen, dass sein Sohn und Thronfolger Sigismund einst als Despot und Geißel des Reiches herrschen wird. Er beschließt, den Prinzen nach seiner Geburt für tot zu erklären und wegzusperren. Rund zwanzig Jahre später siegen die Zweifel an dieser Maßnahme: schließlich verfügt der Mensch über einen freien Willen, der es ihm erlaubt, die Macht der Sterne wo nicht zu besiegen, so doch einzugrenzen. Der König ordnet die Befreiung Sigismunds an. Im Schlaf wird der Prinz in den Palast gebracht, damit ihm, für den Fall, dass sein böses Horoskop sich bewahrheitet, eingeredet werden kann, er habe seine Befreiung lediglich geträumt.
Aus dem zweifachen Weltriss – zwischen Leben und Träumen, zwischen Vorbestimmung und Willen – steigen die Fragen des wohl berühmtesten Dramas des spanischen Barockdichters Calderón nach dem Bild des modernen Menschen und seiner moralischen Verantwortung auf. Die geschlossenen philosophischen und religiösen Weltmodelle beginnen sich zu zersetzen, mit ihnen die Gesellschaftsformationen, die sie geprägt haben. Was kann, was wird, was muss an ihre Stelle treten?

Nach seinen vielgerühmten Shakespeare-Übersetzungen legt Frank-Patrick Steckel eine vollständig neue Übertragung dieses komplexen Versdramas vor. Steckel, der ein großes Gespür für die Bühnensprache und Wirkungseffekte des Theaters des 16. und 17. Jahrhunderts besitzt, gelingt in Zusammenarbeit mit dem hispanologisch versierten Dramaturgen Dieter Welke ein seltenes Kunststück - eine Versübertragung, die dichterische Kraft mit inhaltlicher Präzision verbindet. Indem sie die poetische Autorität des Originals, dessen Reichtum an Reimformen, Metren und Sprachregistern bewahrt, entsteht eine faszinierende Sprachmelodie.
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