© Felix Theissen

Fabienne Dür

Fabienne Dür ist Autorin und Theatermacherin. Sie studierte Theaterwissenschaft und Deutsche Philologie an der Freien Universität Berlin und Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. Ihr Debütstück "Gelbes Gold" wurde 2021 zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen und im Dezember 2022 am Staatstheater Kassel uraufgeführt. Es wurde mehrfach nachgespielt, zuletzt in einer Mundart-Übersetzung am Theater Matte in Bern. Mit "Luft nach oben oder Game over" schrieb sie 2022 ihr erstes Theaterstück für das Kindertheater. Es entstand als Auftrag für das Stadttheater Gießen und gewann 2023 bei den Mülheimer Theatertagen den Preis der Jugendjury. Für beide Theatertexte wurde sie 2023 im Theater Heute Jahrbuch als beste Nachwuchsautorin... nominiert.
Von 2020 bis 2024 war Fabienne Dramaturgin an der Vagantenbühne Berlin. Dort entstanden mehrere kollektive Arbeiten, u.a. das Theaterstück "Fliegende Eier von Sarajevo", das sie inszenierte und gemeinsam mit Senita Huskić schrieb. Im Februar 2024 folgte ihre zweite Regiearbeit "All Das Schöne" von Duncan Macmillan. 2025 hat sie den Retzhofer Dramapreis in der Kategorie für junges Publikum erhalten und ist in der Spielzeit 2024/25 Hausautorin am Institut für theatrale Zukunftsforschung im Zimmertheater Tübingen. Sie lebt in Berlin.




Auszeichnungen (Auswahl):

2025 Retzhofer Dramapreis für junges Publikum
2025 Nachspielpreis des Heidelberger Stückemarkts für GELBES GOLD in der Inszenierung von Malin Lamparter am stadttheater Gießen
2024/2025 Hausautorin am Institut für theatrale Zukunftsforschung (ITZ) im Tübinger Zimmertheater
2023 Preis der Jugend-Jury bei den Mülheimer Theatertagen für LUFT NACH OBEN ODER GAME OVER
2022 Nominierung als beste Nachwuchsautor*in (gemeinsam mit Senita Huskić) im Theater heute-Jahrbuch für "Fliegende Eier von Sarajevo"
2021 Nominierung für den berliner kindertheaterpreis mit WARTEN AUF SCHNEE
2021 Nominierung für den Autor*innenpreis des Heidelberger Stückemarkts mit GELBES GOLD
2019 Leonard-Frank-Stipendium des Mainfrankentheater Würzburg
2018 Sonderpreis des Deutschen Kinder- und Jugendtheaterpreises


Werke

2D-1H
UA: Zimmertheater Tübingen, 17.1.2026. R: Tobias Schilling
Ein Shoppingcenter, wie es in wirklich jeder Stadt stehen könnte, eine Geisterbahn, die ihre besten Jahre im Tourbetrieb hinter sich hat und drei Figuren, die weder vor noch zurück können: Das ist das 'Geisterhaus'. Hereinspaziert, hereinspaziert!
Marina möchte promovieren, findet kein Stipendium und landet so als Kartenabreißerin im Geisterhaus. Sunny, Live-Erschreckerin, steckt nicht nur in diesem Job fest, sondern auch in einer Ex-Beziehung. Boris, genannt Boss, betreibt das Geisterhaus – und versteht nicht, warum nur Schulklassen und Junggesellenabschiede vorbeikommen. Jeden Versuch von Marina, die Bahn zu verbessern, schlägt Boss aus – schließlich sei sie ein traditionsreiches Familienunternehmen. Ob das stimmt, wird schnell fraglich – ebenso wie andere Gewissheiten der Figuren. Stecken sie wirklich hier fest oder trauen sie sich einfach nicht, den Schritt ins Ungewisse zu wagen?
Mit skurrilem Humor, schrägen Figuren und einem feinen Gespür für Situationskomik erzählt Fabienne Dürs GEISTERSTÜCK von einem kollektiven Lähmungszustand: Lassen wir uns von unseren Ängsten leiten? Oder können wir den Mut aufbringen – trotz aller Krisen – hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken?
2D-1H
3D-1H
UA: Staatstheater Kassel, 2.12.2022. R: Tobias Schilling
Kurz vor ihrem Studienabschluss in der Großstadt kommt Ana zurück in ihren Heimatort in städtischer Randlage, ein Zwischenreich, das sich durch Stille und Weite, aber auch durch kleinbürgerliche Enge auszeichnet. Hier betreibt Anas Vater Fritz inmitten einer Plattensiedlung mit Hingabe und Leidenschaft eine mehr schlecht als recht gehende Pommesbude – auf der manischen Suche nach der perfekten Pommes-Zubereitung. Seine Lebensgefährtin Mimi, Aushilfe im Imbiss, zeigt für diese verzweifelte Goldsuche jedoch nur wenig Verständnis, hat sie sich doch ein anderes Leben erhofft. Ähnliches gilt für Juli, Anas alte Freundin, die nie rausgekommen ist und in der örtlichen Kita arbeitet.   
Und über alledem schwebt nicht nur provinzieller Fettgeruch, sondern auch eine existenzielle Bedrohung durch ein geplantes Outlet-Center und die Abrisskräne im Hintergrund. Mit großer Empathie für die Schrulligkeit und trotzige Tragik der Figuren erzählt "Gelbes Gold" voller Melancholie und leiser Komik von Krisen und geplatzten Träumen, von Lähmung und gescheiterten Lebensentwürfen - aber auch von Hoffnung, Aufbruch, Wille und Würde.
3D-1H
2 D/H
Liv hat eine Abmachung mit ihren Eltern: Wenn sie nachmittags auf ihre kleine Schwester mit Behinderung aufpasst, darf sie danach alleine raus. Allerdings nur in die unmittelbare Nachbarschaft. Aber das macht Liv nichts aus. Sie verbringt gerne Zeit mit ihrer Schwester Lea, und die Nachbarschaft eröffnet ihr eine eigene, wundersame Welt, ein Gewimmel von Vertrautem und Unbekanntem. Wie eine Löwin streift Liv unter der gleißenden Sommersonne durch ihr Revier und entdeckt eines Tages sogar einen Palast hinter einem Bauzaun. Alles könnte so fantastisch sein, wäre da nicht der Ärger mit ihrer Freundin Mira und den anstehenden Reiterferien. Als auch noch Kim aus der Parallelklasse am Palast auftaucht, ist Liv zunächst genervt, doch schnell freunden sich die beiden an.
Mit wunderbarer Selbstverständlichkeit erzählt LÖWENSCHWESTER vom Anderssein, von Geschwisterbeziehungen, Freundschaft und der Poesie und Magie der Kindheit.

"Die Stärke dieses Textes liegt nicht nur in seinem bemerkenswerten Umgang mit Sprache und Bildern – schlicht, klar, poetisch, ruhig und voller Details und Eigenheiten – sondern auch in seinem selbstverständlichen Umgang mit verschiedenen Lebensrealitäten und den Themen Inklusion und Diversität.“ Aus der Laudatio für den Retzhofer Dramapreis 2025.
2 D/H
Altersempfehlung: ab 8 Jahren.
3 D/H
UA: Stadttheater Gießen, 24.9.2022. R: Yeşim Nela Keim Schaub
Um Leistungsdruck, Noten, Sozialkompetenzen und Zukunftspläne an der Schwelle zur weiterführenden Schule geht es in Fabienne Dürs Kinderstück LUFT NACH OBEN ODER GAME OVER. Doch nicht nur das. Denn auch einem gefährlichen Gangsterboss, der im Begriff ist, die Welt auszutrocknen, muss in einer gefährlichen Mission dreier Held:innen das Handwerk gelegt werden.

"Es war einmal im September. So geht für Fri, Sop und Kar das Turnier ihres Lebens los. Das Spiel heißt ab sofort: Gewinnen oder Verlieren, und dann wird man Gewinner:in oder Verlierer:in im Leben, sagen Kars Eltern und dann soll er Hausaufgaben machen. Denn wenn man auf eine weiterführende Schule soll, geht es um alles: Um die Leistung, Noten, Sozialkompetenzen, um Zukunftspläne. Dabei sind die drei erst in der vierten Klasse und finden den Kampf ganz schön verrückt. Kar will später mal Gamedesigner werden, und Sop Torhüterin, und Fri – sie weiß es noch nicht. Aber sie spürt den Druck, sich jetzt schon für eine Zukunft entscheiden zu müssen. Wenn Kinder anfangen, sich damit zu beschäftigen, wer sie sein wollen, können sie an einer der wichtigsten Entscheidungen ihres Bildungswegs kaum teilhaben. Eltern und Lehrkräfte sollen bestimmen, welche weiterführende Schule sie besuchen. Eine gewaltige Herausforderung für alle Beteiligten." (Ankündigung Stadttheater Gießen)
3 D/H
Altersempfehlung: ab 9 Jahren.
4D
Wir sehen eine Urlaubsinsel. Die Sonne brennt, die Grillen zirpen, das Leben ist schön. Dort kommen sie zusammen: Biene, die in einem All inclusive-Paradies unter blauem Himmel den Neuanfang sucht und Geburtstag feiert, ihre eigens angereisten Töchter – unwillig Lydia, mit einem selbstgeschnittenen Familienvideo im Gepäck Hanna – sowie Katha, einst Freundin für viele Sommerurlaube, heute Hannas Partnerin.
In dieser besonderen Situation, auf sich selbst zurückgeworfen, zwischen den unscharfen Bildern der Vergangenheit und der ausgeleuchteten Gegenwart, versuchen die vier Frauen zu begreifen, was alles verdrängt, verschwiegen, verraten worden ist. Von wegen heile Welt – fürs Bild vielleicht. Denn im Schatten, abwesend zwar, doch stets präsent, ist Erik, Kathas Vater und Betreiber einer hippen Strandbar. Einen Sommer lang vor 15 Jahren, für viele Nächte in der Bar und eine Nacht am Steg, wäre er gern Lydias Traumprinz gewesen. Aber das ist ewig her und eigentlich ist nichts passiert. Oder doch?
Je mehr sich das Rauschen der Brandung mit dem Rauschen des Videos vermischt, wird aus Angst und Scham schließlich Wut, aus einem Flimmern ein leuchtendes Feuer.
4D
Fünf Theaterstücke über Zukunft
Gerade für Heranwachsende ist die Frage nach der Zukunft essenziell, wie die neueste Shell-Studie wieder gezeigt hat. Dass man über das, was kommen wird, so wenig weiß, ist dabei nicht nur Ursache für Hoffnungen und Ängste, sondern zugleich Sprungbrett für Phantasie und Kunst – am deutlichsten vielleicht im Science-Fiction-Genre. Doch wie wird Zukunft im Theater verhandelt? Auf der Bühne, die erklärtermaßen pure Gegenwart ist? Und für junge Menschen, die wir als unsere 'Zukunft' bezeichnen? SPIELPLATZ 38 wirft, mit Hilfe von fünf Stücken, einen Blick in die theatrale Glaskugel:

Zukunftsängste und Fragen, die damit zusammenhängen, verhandelt Carsten Brandau für Grundschulkinder in "Sagt der Walfisch zum Thunfisch" auf sprachspielerische Weise und entlang der Geschichte von der Arche Noah. Von der Schwierigkeit, richtungsweisende Entscheidungen zu treffen, erzählt Fabienne Dürs "Luft nach oben oder Game over": Ihre Figuren stehen vor der Wahl, auf welche weiterführende Schule sie gehen sollen. In "Jojo und die Daseinsagentur" nimmt Paula Fünfeck die Zukunftsfrage wörtlich: In ihrer Science-Fiction-Geschichte ist nicht mehr genug Zukunft für alle da, doch die Titelheldin nimmt den Kampf für mehr Zeit auf. Nicht weniger als eine ‚Versicherung gegen alles‘ verspricht der redegewandte Vertreter in Tino Kühns "Risiko" seinen jungen Zuhörerinnen und Zuhörern, um dann aber von den Erinnerungen an die Unsicherheiten seiner eigenen Jugend eingeholt zu werden. In Gwendoline Soublins preisgekröntem Jugendstück "Und alles" schließlich hat sich ein 12-Jähriger vor den Katastrophen dieser Welt scheinbar in dem familieneigenen Bunker verbarrikadiert; eine Gruppe Heranwachsender versucht ihn herauszulocken, mit vereinten Kräften – und mit positiven Nachrichten.

264 Seiten. broschiert. 22€
ISBN: 978-3-88661-433-2

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Zimmertheater Tübingen
Geisterstück
UA
R: Tobias Schilling