Karlheinz Braun

geboren am 4.7.1932 in Frankfurt am Main, wo er noch heute lebt. Studium der Germanistik, Romanistik und Philosophie in Frankfurt am Main und Paris, Promotion mit einer Arbeit über Romantheorie. Von 1953 bis 1959 Leiter und Regisseur der "neuen bühne" an der Goethe-Universität Frankfurt mit Ur- und Erstaufführungen von Stücken von Günter Grass, Michel Vinaver, Michel de Ghelderode, Nelly Sachs u.a. Von 1959 bis 1969 Leiter des Theaterverlags Suhrkamp. Zusammen mit Peter Iden Leiter der Internationalen Theaterfestivals "experimenta 1-5" in Frankfurt. Mitbegründer und Geschäftsführer des Verlags der Autoren von 1969 bis 1976. Geschäftsführender Intendant von Schauspiel Frankfurt von 1976 bis 1979. Anschließend wieder Geschäftsführer im... Verlag der Autoren bis 1998 und weiterhin dort tätig bis 2003.

Auszeichnungen (Auswahl):

2007 Ehrenplakette der Stadt Frankfurt
1995 Hessischer Kulturpreis


Werke

Von Suhrkamp zum Verlag der Autoren
Fünf Autoren, die einmal Lektoren im Suhrkamp Verlag waren, schreiben über die Konflikte mit dem Verleger Siegfried Unseld, die sie veranlassten, gemeinsam diesen Verlag zu verlassen und einen neuen zu gründen. Es geht in diesem Buch also noch einmal um den sogenannten "Aufstand der Lektoren" von 1968. Der "Chronik" 1970 des Verlegers, die letztes Jahr erschien, folgt nun die "Chronik der Lektoren". Sie sieht die Ereignisse aus ihrer deutlich anderen Sicht und verweist damit auf die Subjektivität von Unselds Chronik.

Die Lektoren erinnern sich an einen Kampf um Demokratisierung in einem Verlag, dessen Programm 1968 in einem offensichtlichen Widerspruch zum Verleger stand, der – nach Walter Boehlich – Besitzverhältnisse mit persönlichen Leistungen verwechselte. Dass dieser Konflikt sich in einem Verlag entwickelte, der wie kein anderer die "progressive" Literatur vertrat, war bezeichnend für die Schwierigkeiten einer linken Theorie mit der Praxis. Es war ein Konflikt, der "exemplarische Bedeutung für die Struktur des Verlagswesens, die Abhängigkeits- und Mitbestimmungsverhältnisse in geistigen Berufen" (Wolfram Schütte, Frankfurter Rundschau) hatte.

Fünf Lektoren rekapitulieren die Ereignisse. Der spätere Anglistik-Professor und heutige Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Klaus Reichert, schreibt seine eigene "Chronik eines Lektors". Peter Urban, der Übersetzer und Neuentdecker slawischer Literatur, erzählt von einer Verlagsarbeit mit Folgen, an die Urs Widmer, der Schriftsteller wurde, in dem gemeinsamen "Traum vom herrschaftsfreien Arbeiten" erinnert. Karlheinz Braun, langjähriger "Delegierter" der Autoren, interpretiert und kommentiert den "Aufstand". Und vom damaligen Cheflektor Walter Boehlich, der im September 2011 seinen 90. Geburtstag feiern würde, gibt es aus dem Nachlass ein Kapitel mit bislang unveröffentlichten Briefen an Ingeborg Bachmann, Max Frisch, Uwe Johnson, Siegfried Lenz, Siegfried Unseld u.a., die seinen jahrelangen Schwierigkeiten mit dem so ungleichen Verleger und dem Schmerz über das Nichterreichte Ausdruck geben. Und der dann umso engagierter an der Verwirklichung des "Traums" von einem "Verlag der Autoren", der seinen Autoren und Mitarbeitern gehört, arbeitete, von dessen Gründungsgeschichte das letzte Kapitel des Buches erzählt.

216 Seiten. broschiert. 18€
ISBN: 978-3-88661-345-8