© Alexander Paul Englert
Dea Loher

geboren 1964 in Traunstein. Studium der Philosophie und Germanistik in München. Lebt in Berlin.
Schon ihr zweites Stück TÄTOWIERUNG, setzte sich im Repertoire durch. Mit FREMDES HAUS begann 1995 am Staatstheater Hannover die Zusammenarbeit zwischen der Autorin und dem Regisseur Andreas Kriegenburg, der seither die meisten ihrer Theaterstücke uraufführt. Dea Lohers Dramen sind in über 15 Sprachen übersetzt und werden in aller Welt gespielt. Für ihr literarisches Schaffen erhielt sie... weiterlesen »

geboren 1964 in Traunstein. Studium der Philosophie und Germanistik in München. Lebt in Berlin.
Schon ihr zweites Stück TÄTOWIERUNG, setzte sich im Repertoire durch. Mit FREMDES HAUS begann 1995 am Staatstheater Hannover die Zusammenarbeit zwischen der Autorin und dem Regisseur Andreas Kriegenburg, der seither die meisten ihrer Theaterstücke uraufführt. Dea Lohers Dramen sind in über 15 Sprachen übersetzt und werden in aller Welt gespielt. Für ihr literarisches Schaffen erhielt sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen, unter anderem 2006 den Bertolt-Brecht-Preis der Stadt Augsburg: »Wer sich mit ihren Stücken beschäftigt, ist gezwungen, auf die handelsüblichen Etiketten zu verzichten. Vermutlich wird sich die Theaterwelt irgendwann darauf einigen, das Werk Dea Lohers schlicht ›loheresk‹ zu nennen, und damit den ultimativen Begriff gefunden haben für die außerordentliche Intelligenz, die Sprachmacht und emotionale Intensität der Stücke dieser Schriftstellerin.« (Uwe Wittstock in der Laudatio)

Auszeichnungen:

2017 Joseph-Breitbach-Preis
2014/15 Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim
2013 Ludwig Mülheims Preis
2013 Aufnahme in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung
2011 Preis des Deutschen Zentrums des Internationalen Theaterinstituts (ITI)
2010 Publikumspreis der Mülheimer Theatertage für "Diebe"
2009 Berliner Literaturpreis
2009 Marieluise-Fleißer-Preis
2008 Mülheimer Dramatikerpreis für "Das letzte Feuer"
2008 Auszeichnung Stück des Jahres für "Das letzte Feuer" in "Theater heute"
2006 Bertolt-Brecht-Preis der Stadt Augsburg
2005 Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis
1998 Mülheimer Dramatikerpreis für "Adam Geist"
1997 Gerrit Engelke-Preis der Stadt Hannover
1997 Jakob Michael Reinhold Lenz-Preis der Stadt Jena für "Adam Geist"
1995 Fördergabe des Schiller-Gedächtnispreises des Landes Baden-Württemberg
1994 Wahl zur Nachwuchsdramatikerin des Jahres in "Theater heute"
1993 Wahl zur Nachwuchsdramatikerin der Jahres in "Theater heute"
1993 Preis der Frankfurter Autorenstiftung
1993 Goethe-Preis der Mülheimer Theatertage
1992 Royal Court Theatre Playwrights Award
1991 Dramatikerpreis der Hamburger Volksbühne
 
Dea Loher »
Theaterstücke (21)
Gaunerstück
von Dea Loher
UA: Deutsches Theater Berlin/Ro-Theater Rotterdam, 15.1.2015. R: Alize Zandwiijk
Maria und Jesus Maria sind Zwillinge. Ihr Vater, ein Spanier, dem sie ihre Namen verdanken, verlässt die Mutter sehr früh. Sie wird Alkoholikerin im freien sozialen Fall. Irgendwann verlassen auch die Kinder ihre Mutter, fest entschlossen, sich auf eigene Faust ihren Teil vom Leben zu ergattern – zu ergaunern, wenn es sein muss. Als Nachbarn landen sie zwischen Madame Bonafide, der transsexuellen Wahrsagerin, und einem geräuschvollen Sex-Filmer. So groß wie der Lebenshunger von Maria und Jesus Maria ist auch ihr Lebensmut. Beide träumen sie von dem großen Coup. Als Maria das Terrain für einen Einbruch in einem Juwelierladen sondiert, bietet ihnen der Besitzer Herr Wunder ein ungewöhnliches Geschäft an. Ausgehend von einem wahren Fall erzählt Dea Loher eine Geschichte zwischen sozialer Tristesse und krimineller Energie, Lebensbejahung und Tod. GAUNERSTÜCK entstand für die "Frankfurter Positionen" der BHF-BANK-Stiftung.
1D-2H
1D-2H




Klaras Verhältnisse
von Dea Loher
UA: Burgtheater Wien, 31.3.2000. R: Christina Paulhofer
Klara weiß ganz genau, was sie nicht will. Sie will keine Gebrauchsanweisungen für Bügeleisen und ähnlich nützliche Haushaltsgegenstände mehr schreiben, sie will auch kein Fall für das soziale Netz werden. Sie sucht eine große, befriedigende Aufgabe, die Antworten liefern kann auf ihre drängenden Fragen: "Wo bin ich. Wer bin ich. Wofür bin ich. Und schließlich: Was tun…" Auf ihrer Suche nach einem ausgefüllten Leben scheint sie eine bloße Projektionsfläche für die Sehnsüchte und Begierden anderer zu sein. Da sind z.B. ihre ordentliche Schwester Irene, die ihre homosexuellen Neigungen entdeckt, ihr Schwager Gottfried, der zum Bankräuber wird und mit ihr nach Afrika reisen möchte, der Arzt Georg, der ihr beim Blutabzapfen an die Wäsche geht, der Trödler Tomas, der sie doch nicht heiraten möchte und schließlich der namenlose Chinese, dessen Frühlingsrolle ein Gedicht ist. Nur einen Platz im Leben scheint ihr niemand anbieten zu wollen.
Eine tragikomische Gratwanderung zwischen Realität und Traum, zwischen hochfliegenden Wünschen und banalen Abgründen.
3D-4H
3D-4H




Land ohne Worte
von Dea Loher
UA: Münchner Kammerspiele, 30.9.2007. R: Andreas Kriegenburg
LAND OHNE WORTE ist eine Reflexion über die Möglichkeit von Kunst in unserer heutigen Welt: In K., einer Stadt am Rande der Menschlichkeit, hat eine Malerin Krieg, Gewalt und Armut erlebt, die sich nicht mehr darstellen lassen. Seither weiß sie nicht mehr, was ihr Sujet in der Kunst noch sein könnte. Dea Loher hat ein eindrucksvolles Monodrama geschaffen, das die unbequeme Frage stellt, was Kunst in unserer Welt darstellen, bewirken, verändern kann.
1D
1D




Leviathan
von Dea Loher
UA: Staatstheater Hannover, 2.10.1993. R: Antje Lenkeit
Thomas Hobbes zufolge ist der "Leviathan", der Staat, "ein Kunstwerk oder ein künstlicher Mensch – obgleich an Umfang und Kraft weit größer als der natürliche Mensch, welcher dadurch geschützt und glücklich gemacht werden soll."
Dea Lohers LEVIATHAN ist ein Stück über die Anfänge der Roten Armee Fraktion. Die Hauptfigur hat ein reales Vorbild: Ulrike "Marie" Meinhof. Nach einer mißglückten Gefangenenbefreiung steht sie vor der Entscheidung, mit den anderen in den Untergrund zu gehen oder sich der Polizei zu stellen.
4D-3H
4D-3H




Magazin des Glücks
von Dea Loher
UA: Thalia Theater Hamburg, ab 2.10.2001. R: Andreas Kriegenburg
Sieben kleine Stücke, Texte, die in ungewöhnlichen, oft monologischen Formen der Definition Horváths folgen, die Stücke seien Tragödien, die komisch werden, weil sie unheimlich sind. Denn Dea Loher erzählt in MAGAZIN DES GLÜCKS unheimliche Geschichten von trostlosen Glückssuchern, die allesamt scheitern.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




Manhattan Medea
von Dea Loher
UA: Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin, 22.10.1999. R: Ernst M. Binder
Medea wohnt im heutigen New York. Sie und Jason haben als illegale Einwanderer im Untergrund gelebt, bis Jason die Tochter des reichen Sweatshop-Bosses kennen lernte und Medea und das Kind verließ, um die andere zu heiraten. Das Stück spielt in der Hochzeitsnacht. Medea wartet vor dem Elternhaus der Braut, entschlossen, Jason zurückzuholen. Der Doorman Velazquez, ein heimlicher Künstler und nachkomme seines berühmten Namensvetters, hütet das Haus. Medea bringt ihn dazu, Jason aus dem Haus zu holen und zu ihr zu bringen. Medea will Jason, und sie will ihr Kind – aber gegen Jasons Entscheidung gegen das Elend und für den Reichtum hat sie keine Chance. Der Versuch, den Sweatshop-Boss zu bestechen, bleibt ohne Erfolg. Sie bittet den tauben Transvestiten Deaf Daisy, ein Kind der Unterwelt, ihr aus den Abfällen der Gerbereien am Fluss ein Kleid zu holen – aus rotem Leder, von Säure durchtränkt.
1D-4H
1D-4H




Olgas Raum
von Dea Loher
UA: Ernst-Deutsch-Theater, Hamburg, 7.8.1992. R: Ives Janssen
Im Mittelpunkt des Dramas steht die 1942 von den Nazis in Ravensbrück ermordete jüdische Revolutionärin Olga Benario, die 1936 hochschwanger von Brasilien an Deutschland ausgeliefert wurde. Nach vierzehn Monaten nahm man ihr die Tochter weg, sechs Monate später starb Olga Benario in der Gaskammer.
OLGAS RAUM schildert auf beklemmende Weise ein historisches Schicksal, das unter die Haut geht; das klaustrophobische Ausgeliefertsein in der Zelle, die Ohnmacht der Opfer angesichts Gewalt und Folter.
3D-2H
3D-2H




Tätowierung
von Dea Loher
UA: Ensemble am Südstern, Berlin, 8.10.1992. R: Thomas Hollaender
TÄTOWIERUNG handelt von sexuellem Missbrauch in einer Familie, von den unauslöschlichen Spuren, die die Gewalt an Leib und Seele der Tochter hinterlässt. Auch ihre Flucht aus der Familie kann dem eintätowierten Schrecken kein Ende setzen - Misstrauen und Angst zerstören den Versuch der Tochter, ein neues Leben zu beginnen.
3D-2H
3D-2H




Unschuld
von Dea Loher
UA: Thalia Theater, Hamburg, 11.10.2003. R: Andreas Kriegenburg
In UNSCHULD versammelt Dea Loher eine kleine Gesellschaft von Verzweifelten und Verstrickten, von Schuld-, Tod- und Schicksalssuchern - 19 ebenso skurrile wie realistische Szenen vom Rand unserer Gesellschaft:

Eine Stadt am Meer in Europa: Elisio und Fadoul sind illegale schwarze Immigranten. Sie kommen aus der Wüste, deshalb können sie nicht schwimmen. Nun haben sie eine Frau ins Meer gehen sehen und ihr nicht geholfen. Fadoul findet eine Plastiktüte voller Geld und lernt die blinde Stripperin Absolut kennen, die nackt für Männer tanzt, die sie sehen können. Frau Habersatt bittet um Vergebung für Taten, die sie nicht begangen hat. Franz hat eine Aufgabe fürs Leben gefunden, nämlich das Versorgen der Toten in einem Bestattungsunternehmen. Seine Frau Rosa möchte ein Kind von ihm. Rosas Mutter, Frau Zucker, hat Zucker und übergibt die Verantwortung für sich an Franz und Rosa, bei denen sie einzieht. Ella, eine alternde Philosophin, hat ihre Bücher verbrannt und glaubt nur noch an die Unzuverlässigkeit der Welt.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




War Zone
von Dea Loher
US (als Hörspielproduktion): BBC, 24.11.2002.
UA (als Theaterproduktion): Maxim Gorki Theater, Berlin, 12.10.2006. R: Matthias Huhn
Das für die BBC entstandene Hörspiel WAR ZONE zeigt aus fünf Perspektiven die Auswirkungen struktureller Gewalt auf den Einzelnen. Das Material sind Eindrücke einer Reise in den Kosovo. Die Texte wagen sich vor in den innersten Kriegsbereich: Es geht um den in der Logik des Krieges gefangenen Menschen.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum