Rosemarie Still
geboren 1942 in Karlsruhe. Buchhändlerlehre, danach 8 Jahre im Carl Hanser Verlag in München gearbeitet, von 1971 bis 1985 in Amsterdam, seit Herbst 1985 in Berlin. Sie übersetzt Prosa, Lyrik, Theaterstücke aus dem Niederländischen ins Deutsche und betreut an Demenz erkrankte Menschen.
geboren 1942 in Karlsruhe. Buchhändlerlehre, danach 8 Jahre im Carl Hanser Verlag in München gearbeitet, von 1971 bis 1985 in Amsterdam, seit Herbst 1985 in Berlin. Sie übersetzt Prosa, Lyrik, Theaterstücke aus dem Niederländischen ins Deutsche und betreut an Demenz erkrankte Menschen.
 
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Übersetzungen (13)
Ach ja ... nein wirklich (Ja ja maar nee nee; Ah oui ça alors la)
von Rudi Bekaert
Aus dem Niederländischen von Rosemarie Still
UA: Dito Dito/transquinquennal/Kaaitheater, Brüssel, 8.10.1997.
DE: Staatstheater Stuttgart, 7.12.2002. R: Stephan Kimmig
Rudi Bekaerts preisgekröntes Stück spielt im Eingangsbereich eines Sozialbau-Wohnsilos am Rande einer Großstadt. Zweiunddreißig Figuren bevölkern den Wohnblock. Nur zwei Kunststudenten finden das triste Ambiente cool. Die Nachbarn treffen sich derweil am Eingang, um ihre täglichen Schlachten auszufechten: um den Scheck vom Sozialamt, gegen den kläffenden Hund der Nachbarn, gegen Ausländer, Schwule, Kakerlaken und die Zeugen Jehovas. Hinter den Zufallsbegegnungen und den scheinbar belanglosen Phrasen verbergen sich Anteilnahme und Interesse ebenso wie Neugier, Selbstgefälligkeit und täglicher Rassismus. Als dann ein Mord geschieht, artet der Nachbarschaftsklatsch aus in üble Nachrede und tiefes Misstrauen.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




Cordoba oder Der neue Kalif oder In der Vergangenheit erzielte Resultate sind keine Garantie für die Zukunft (In het verleden behaalde resultaten bieden geen garantie voor de toekomst (of De nieuwe kalief of Co)
von Koos Terpstra
Aus dem Niederländischen von Rosemarie Still
UA: Noord Nederlands Toneel, Groningen, Juni 2004. R: Lotte van den Berg
CORDOBA ODER DER NEUE KALIF ODER IN DER VERGANGENHEIT ERZIELTE RESULTATE SIND KEINE GARANTIE FÜR DIE ZUKUNFT spielt im Jahr Tausend in Cordoba, seinerzeit ein Zentrum der islamischen Kultur:
Der Kalif ist müde, und sein Amt ist er leid. Um sich zurückziehen zu können, lässt er einen seiner Gefangenen holen, der seine Stelle einnehmen soll. Von den Frauen, Dienern und Ratgebern des Kalifen wird der "Nachfolger" auf sein Amt vorbereitet. Er lernt schnell – sehr bald bekommt er eine Vorstellung von der Reichweite seiner Macht, wählt seine Getreuen und regiert, wie man es ihm beigebracht hat. Doch bald wird er mit Problemen konfrontiert: "Fremdlinge", Andersgläubige sind in der Stadt; es kocht der Zorn des Volks, über das sich der Herrscher auf Anraten seiner Diener erhoben hat. Ist der Kalif in seiner angemaßten Allmacht auch dieser Herausforderung gewachsen?
Koos Terpstras Stück ist eine Parabel – in knappen Szenen und pointierten Dialogen skizziert der Autor das mittelalterliche Cordoba und zugleich unser Europa von heute.
2D-5H
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Die Eier des Kaimans (De Eieren van de Kaaiman)
von Hugo Claus
Aus dem Niederländischen von Rosemarie Still
UA: Staatstheater Cottbus, 26.11.2004. R: Wolf Bunge
Hugo Claus' "grelle Komödie" (Deutschlandfunk) erzählt die Geschichte von Ronnie, der eine Fernreise gewonnen hat und anstelle der Ehefrau seinen Freund Leo mitnimmt. Sie landen auf einer tropischen Halbinsel. Doch die paradiesische Exotik trügt: Das Hotel ist umzäunt, es gibt Ausgangssperren und verbotene Zonen, denn es herrscht Krieg auf der grünen Insel. In dieser gefahrvollen Atmosphäre in der das Hotel als eigentliches Exotarium erscheint, entwickelt sich unter den Touristen ein bedrohliches Spiel um Freundschaft und Verrat, dessen Hintergrund sich erst allmählich erhellt. Ronnie und Leo entpuppen sich als alte Rivalen, die ihren versteckten Kampf um eine Frau auch bei Nelly fortsetzen, einer ziellosen Weltenbummlerin in den vermeintlich besten Jahren. Als Nelly plötzlich mit dem jungen einheimischen Kellner Bambi verschwindet, scheint die Erklärung auf der Hand zu liegen: der Kaiman, ein grüner gefräßiger Drache, der - als Gottheit verehrt – in einem nahe gelegenem Schwimmbad gehalten wird. Ein Seismograph der Seelen und zugleich ein Tier aus mythischer Vergangenheit, dem Jungfrauen und Kinder zum Fraß vorgeworfen werden, und dessen Eier eine umkämpfte Spezialität sind.
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Die Erlösung (De Verlossing)
von Hugo Claus
Aus dem Niederländischen von Rosemarie Still
UA: Ulmer Theater, 25.2.1999. R: Jörn van Dyck
DIE ERLÖSUNG spielt wie frühere Theaterstücke von Hugo Claus im kleinbürgerlich-katholischen Milieu der flämischen Provinz: einer Welt der Sonderangebote und Schnäppchen, bevölkert von Kleintierzüchtern und Krämern, sentimentalen Exhibitionisten, zerstörten Frauen und kaputten Familien.
Ausgeburten dieses Infernos sind die sterbenskranke Magda, Ehemann Oscar und die einander verhassten Geschwister Julia und Karel. Im verschlissenen Wohnzimmer prallen die vier vor laufendem Fernseh-Apparat, aufeinander.
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Die Werkstatt der Schmetterlinge
von Gioconda Belli
In einer Fassung von Silvia Andringa
Nach dem gleichnamigen Roman von Gioconda Belli
Theaterfassung von Silvia Andringa
Aus dem Niederländischen von Rosemarie Still
UA: Schauspiel Essen, 19.9.2001. R: Natascha Kalmbach
Tiere sollen Tiere sein und Pflanzen Pflanzen. Der junge Gestalter Rodolfo träumt von einem Wesen, das "das fliegen kann wie ein Vogel und genauso schön ist wie eine Blume". Aber so eine Erfindung ist strengstens verboten. Damit Rodolfo seine dummen Gedanken vergisst, versetzt man ihn in die triste Insektenwerkstatt. Zwischen Spinnen und Krabbelgetier kommt ihm eines Tages trotzdem eine wunderbare Idee...
Nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Gioconda Belli und Wolf Erlbruch hat Silvia Andringa eine poetische Theaterfassung geschrieben: eine phantasievolle Geschichte für Kinder ab 5 Jahren über den Reichtum der Natur und die Kunst, sie mit anderen Augen zu sehen.
Besetzung ad libitum
Altersempfehlung: ab 5 Jahren
Besetzung ad libitum
Altersempfehlung: ab 5 Jahren




Freitag (Vrijdag)
von Hugo Claus
Aus dem Niederländischen von Rosemarie Still
UA: Stadsschouwburg Amsterdam, 15.11.1969. R: Hugo Claus.
DE: Schauspiel Essen, 24.9.1972. R: Walter Tillemans.
DE der Neuübersetzung: Staatsschauspiel Dresden, 27.2.1998. R: Tatjana Rese
FREITAG ist das wohl berühmteste Theaterstück von Hugo Claus. Es handelt von den verhängnisvollen Spätfolgen eines Inzestes in einer kleinbürgerlichen, katholischen Familie. Der Autor schafft mit seiner Sprache eher ein Gedicht als einen Dialog in realistischer Manier, irreale Momente in einer Atmosphäre von Bigotterie und Verbrechen, so bedrängend furchtbar wie erschreckend aktuell.
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Heimreise (Thuis)
von Hugo Claus
Aus dem Niederländischen von Rosemarie Still
UA: Stadsschouwburg Amsterdam, 30.9.1975. R: Hugo Claus.
DE: Schauspiel Bonn, 30.5.1995. R: Ina-Kathrin Korff
Der Schauplatz in HEIMREISE ist von erstickender Enge und der Scheinheiligkeit frustrierter Menschen gezeichnet. Die Atmosphäre ist schwül, aufgeladen und voll unterschwelliger Erotik. Die Familie der Vanaeles ist in das Haus der alten Frau Vergote eingezogen. Für den Preis, dass sie sich um sie kümmern, sie pflegen, soll das Haus eines Tages ihnen gehören. Die Abhängigkeit von Frau Vergote wird für die Vanaeles immer unerträglicher. Der Gedanke, sich von ihr zu befreien, nimmt konkrete Formen an. Aber Frau Vergotes Lebensgier ist nicht zu ersticken, im Gegenteil – ihr gelingt es, Vandaele zu verführen.
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Ikarus (Icarus)
von Pauline Mol und Herman van de Wijdeven
Aus dem Niederländischen von Rosemarie Still
UA: Barre Weldaad, Messelbroek 2009. R: Barbara Vandendriessche
In ihrer Bearbeitung des antiken Mythos fokussieren Pauline Mol und Herman van de Wijdeven nicht auf das tragische Ende von Ikarus, sondern auf die Vorgeschichte: Daedalus und Ikarus, Vater und Sohn, die zusammen eingeschlossen sind, aufgrund einer unausgesprochenen Schuld des Vaters. Was wäre das Beste für die beiden: Bleiben oder Fliehen? Während sie beratschlagen, werden sie älter, und Ikarus beginnt immer drängendere Fragen zu stellen. Ein einfühlsames Stück über Reibungen und Liebe zwischen Vater und Sohn.
2H
Altersempfehlung: ab 8 Jahren
2H
Altersempfehlung: ab 8 Jahren




Menschenfleisch (Mensenvlees)
von Roel Adam
Aus dem Niederländischen von Rosemarie Still
UA: de Toneelmakerij, Amsterdam, 6.9.2013. R: Daniël van Klaveren / Paul Knieriem.
Der junge Thai Mini-Mini ist auf der Suche nach seiner Schwester Nok, die vom Vater verkauft wurde, um eine Krankenhausrechnung zu begleichen. Die Spur führt den Bruder zu einer alten Fabrik. Dort stellt Nok, die sich jetzt Destiny nennt, Produkte für den westlichen Markt her, zusammen mit einem gefesselten Schwarzen, der einen Aufseher getötet hat, und einer 300jährigen afrikanisch-surinamischen Sklavin. Sie alle werden überwacht von einem Weißen, Starek, der zwar boshaft, aber immerhin bestechlich ist. Die Fabrikbesitzerin, Economia, strebt eine möglichst effiziente Nutzung menschlicher Ressourcen an. Ihre Maximen: Es gibt für alles einen Markt und Von einem Lebenden kann man eine Niere verkaufen, von einem Toten zwei. Auch bereitet sie gerade eine Feier vor – der Anlass: 150 Jahre Abschaffung der Sklaverei...
Für MENSCHENFLEISCH ist Roel Adam mit dem Niederländisch-Deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreis 2014 ausgezeichnet worden. "In seiner komplexen Vielfalt erschütternd aktuell" sei das Stück, so die Jury, und doch "in all seiner Härte ein humorvoller Text" und "eine spannende Geschichte. Die Dialoge sind spitzfindig, die Rollen prägnant und die Sprache eingängig."
3D-3H
Altersempfehlung: ab 10 Jahren
3D-3H
Altersempfehlung: ab 10 Jahren




Serenade (Serenade)
von Hugo Claus
Aus dem Niederländischen von Rosemarie Still
UA: De Balie, Amsterdam, 4.4.1984. R: Lou Landré
SERENADE ist vielleicht das radikalste unter den Theaterstücken Hugo Claus. In 14 Szenen, die wie Sätze einer Serenade voneinander unabhängig sind, doch auf völlig subtile Weise ineinander greifen, entsteht das Bild einer libidinösen, von ungestillten Sehnsüchten beherrschten, tieftraurigen Gesellschaft. Was einmal heilig war, ist jetzt nur noch pervers. So sind die 14 Episoden ein enzyklopädischer Katalog sexueller Begierden und Perversionen: Päderastie, Inzest, Kastration, Nekrophilie, Sodomie, Kannibalismus, Sadismus, Masochismus. Parallel zu den verschiedenen Gelüsten bedient sich Claus in Serenade auch unterschiedlichen theatralischen Formen.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum