Andrea Clemen
geboren in Prien/Chiemsee, studierte Slavistik und Osteuropäische Geschichte in München und Berlin, lebte anschließend drei Jahre in England, übersetzt seit 1971 aus dem Russischen (Maksim Gorkij, Lev Tolstoj, Aleksandr Ostrovskij, Evgenij Schwarz), aus dem Englischen (Brian Freel, D.H. Lawrence, David Mamet, Wallace Shawn) und aus dem Französischen (Eugène Labiche). Andrea Clemen lebt heute in München.
geboren in Prien/Chiemsee, studierte Slavistik und Osteuropäische Geschichte in München und Berlin, lebte anschließend drei Jahre in England, übersetzt seit 1971 aus dem Russischen (Maksim Gorkij, Lev Tolstoj, Aleksandr Ostrovskij, Evgenij Schwarz), aus dem Englischen (Brian Freel, D.H. Lawrence, David Mamet, Wallace Shawn) und aus dem Französischen (Eugène Labiche). Andrea Clemen lebt heute in München.
 
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Übersetzungen (10)
Die Letzten (Poslednie, 1908)
von Maksim Gorkij
Aus dem Russischen von Andrea Clemen
UA der Übersetzung: Staatliche Schauspielbühnen Berlin, 30.9.1973. R: Ernst Schroeder
Ein Drama vom Ende einer Familie in der zaristischen russischen Provinz: Verwirrt reagiert die Familie eines korrupten Polizeimeisters auf die ringsum aufwachsenden Zeichen einer bevorstehenden neuen Zeit: die einen blind-egoistisch, die anderen romantisch. Gorkij beschreibt die Krankheit eines absterbenden Systems mit dem Elan eines Pamphlets. Aber seine humane Kraft bewahrt ihn davor, ein simples Schwarz-Weiß-Gemälde zu malen.
Die von Andrea Clemen "in einem präzisen Alltagsjargon" (Neue Hannoversche Presse) angefertigte Übersetzung wurde für die Berliner Festwochen in Auftrag gegeben. Seither hat sich die Fassung in zahlreichen Nachinszenierungen bewährt.
7D-6H
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Die Macht der Finsternis (Vlast' t'my, 1886)
von Lev Tolstoj
Aus dem Russischen von Andrea Clemen
UA der Übersetzung: Düsseldorfer Schauspielhaus, 15.11.1975. R: Jörg Utzerath
Der Knecht Nikita verstrickt sich in eine Liebesaffäre mit Anisja, der Frau seines Herrn, und heiratet sie, nachdem sie ihren Mann vergiftet hat. Die frühere Geliebte Akulina verleugnet er zugunsten der besseren Partie. Sein Liebesverhältnis mit ihr kommt erst nach der Hochzeit mit Anisja ans Licht. Nikita tötet ihr gemeinsames Kind, damit er seine Geliebte heiraten kann. Am Ende erkennt er seine Schuld und gesteht alles.

"Die moderne realistische Kunst hat nichts Besseres und, trotzdem wir überall in Nacht blicken, nichts heilig Leuchtenderes aufzuweisen als dieses Stück. Wer über realistische Kunst und ihre Berechtigung oder Nichtberechtigung mitsprechen will, der darf ihre Art nicht an ihren Entartungen demonstrieren, an ein Stück wie dieses muss er herantreten, und dann wollen wir sehen, was er dagegen sagen kann." (Theodor Fontane, 1890)
12D-10H
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Ist das die Liebe?
von Lew Tolstoi und Sonja Tolstoj
Die Ehe von Lev Nikolaevič Tolstoj und seiner Frau Sonja.
Aus Tagebüchern und Briefen.
Aus dem Russischen von Andrea Clemen
Er kämpft für die Gleichheit aller, sie kämpft für ihre Liebe und die gemeinsamen Kinder. Sie möchte das Leben genießen, während er den völligen Verzicht auf Besitz fordert. Er will das Volk retten, und sie möchte von ihm gerettet werden. Andrea Clemen hat sich an Tagebucheinträgen und Briefen orientiert, um die 48 Jahre dauernde Ehe zwischen Sonja und Lev Tolstoj in ein Theaterstück zu fassen, das die durch unüberbrückbare Unterschiede hervorgerufenen Konflikte der anfänglich noch Glücklichen zeigt. Während all dieser Konflikte sprechen Lew und Sonja kaum miteinander, sondern vor allem übereinander – und meistens aneinander vorbei.
1D-1H
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Kinder der Sonne (Deti solnca, 1906)
von Maksim Gorkij
Aus dem Russischen von Andrea Clemen
UA der Übersetzung: Wuppertaler Bühnen, 3.10.1973. R: Günter Ballhausen
Der abstrakte Humanismus in einer rohen Zeit als Komödienstoff: Gorkij sah dies Stück, das mit Selbstmord, Pogrom und Wahnsinn endet, dennoch als Lustspiel. Kühn vermischt er die tragischen und komischen Elemente. Der Verzweiflung stellt er Optimismus entgegen, den Auflösungen eine sich festigende Liebesbeziehung, und den komischen Figuren - das Stück spielt unter ganz auf sich selbst fixierten Künstlern und Wissenschaftlern - konfrontiert er die Vorwärtsweisenden. Ein Stück, im Gefängnis geschrieben, das grimmig auf die Gegenwart, aber lachend in die Zukunft blickt.
7D-9H
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Kleinbürger (Meščane, 1901)
von Maksim Gorkij
Aus dem Russischen von Andrea Clemen
UA der Übersetzung: Landestheater Linz, 12.10.1974. R: Ulrich Hoffmann
Gorkij entwirft in diesem Stück den Gegensatz zwischen der vermeintlichen Sicherheit eines kleinstädtischen Lebens und den Anforderungen der modernen (Arbeits-)Welt.
Die KLEINBÜRGER wurden in "der vorzüglichen Übersetzung von Andrea Clemen" (Neue Zeit) bereits an großen Theatern von Braunschweig bis Wien, von Mainz bis Berlin gespielt.
7D-8H
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Nachtasyl (Na dne, 1902)
von Maksim Gorkij
Aus dem Russischen von Andrea Clemen
UA der Übersetzung: Schauspiel Frankfurt, 26.3.1975. R: Hans Neuenfels
Gorkijs Sozialreportage geht dem Leben im zaristischen Russland auf den Grund, einer Welt der "gewesenen Leute", der zynisch Enttäuschten: der Lumpenproletarier, der Vagabunden und Bettler, der Hungernden, der Diebe und Falschspieler - aber auch einer abgesunkenen Intelligenz. Diese Welt verbindet sich in NACHTASYL mit einer melodramatischen Liebes- und Eifersuchtshandlung und einer inständigen, philosophisch räsonnierenden Suche nach Wahrheit, Menschlichkeit, Glauben. Das eine treibt das andere hervor: Die aussichtslose Lage der Asylbewohner verschärft die Gefühlsbeziehungen zwischen den Menschen bis zur Brutalität, bis ins Melodram; ihre Ohnmacht und Verzweiflung verlockt sie zum Rösonnement, zur philosophischen Tirade. Die Suche nach der Wahrheit als Zeitvertreibt derer, denen die Kraft zur Revolte fehlt.
Rund zwei Dutzend Inszenierungen des NACHTASYLS gab es bereits in der "auf Klarheit und Nüchternheit" (Giessener Allgemeine) setzenden Fassung von Andrea Clemen.
5D-12H
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Nachtasyl (Na dne, 1902)
von Maksim Gorkij
Fassung von Jürgen Gosch und Wolfgang Wiens
Nach der Übersetzung von Andrea Clemen
UA der Fassung: Schauspiel Köln, 25.10.1981. R: Jürgen Gosch
Gorkijs Sozialreportage geht dem Leben im zaristischen Russland auf den Grund, einer Welt der "gewesenen Leute", der zynisch Enttäuschten: der Lumpenproletarier, der Vagabunden und Bettler, der Hungernden, der Diebe und Falschspieler - aber auch einer abgesunkenen Intelligenz. Diese Welt verbindet sich in NACHTASYL mit einer melodramatischen Liebes- und Eifersuchtshandlung und einer inständigen, philosophisch räsonnierenden Suche nach Wahrheit, Menschlichkeit, Glauben. Das eine treibt das andere hervor: Die aussichtslose Lage der Asylbewohner verschärft die Gefühlsbeziehungen zwischen den Menschen bis zur Brutalität, bis ins Melodram; ihre Ohnmacht und Verzweiflung verlockt sie zum Rösonnement, zur philosophischen Tirade. Die Suche nach der Wahrheit als Zeitvertreibt derer, denen die Kraft zur Revolte fehlt.
5D-12H
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Sommergäste (Dačnìki, 1904)
von Maksim Gorkij
Aus dem Russischen von Andrea Clemen
UA der Übersetzung: Wuppertaler Bühnen, 9.10.1971. R: Günter Ballhausen
Maksim Gorkij breitet in seinen 1904 uraufgeführten "Szenen" ein Gesellschaftspanorama des entwurzelten, an Egoismus, Selbstentfremdung und Langeweile erstickenden Bürgertums aus. Drei Ehepaare verbringen mit ihren Freunden einige Sommertage auf dem Land. Alle Beziehungen sind gestört, nur noch von Gewohnheit, Hass und dem Leerlauf der Konventionen zusammengehalten. Zwischen den einzelnen Figuren spielen sich in wechselnder Partnerschaft Liebelei und Eifersüchteleien ab, Katzenjammer und Abrechnungen voller Selbstmitleid, Resignation und Komik. In lockerer Szenenfolge zeigt Gorkij die Entfremdung der Intellektuellen vom unruhig werdenden Volk.
7D-11H
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Vassa Zeleznova (Wassa Schelesnowa), Textfassung von 1936 (Vassa Železnova, 1935)
von Maksim Gorkij
Aus dem Russischen von Andrea Clemen
UA der Übersetzung: Wuppertaler Bühnen, 17.1.1976. R: Arno Wüstenhöfer
Gorkij überarbeitete die VASSA ZELEZNOVA, deren Urfassung er 1910 geschrieben hatte (auch sie liegt in einer Übersetzung von Andrea Clemen vor) 1936 noch einmal grundlegend, als das Moskauer Künstlertheater das Stück uraufführen wollte. Die beiden Fassungen haben außer dem Namen der Hauptfiguren und einzelnen Motiven nur eines gemeinsam: Sie erzählen die Geschichte des Zerfalls einer Kaufmannsfamilie. Die konkrete Handlung ist verschieden:
Während in der ersten Fassung das kapitalistische Wirtschaftssystem an seiner eigenen Krise erstickt, erwächst Vassa, deren Härte und Grausamkeit nun stärker akzentuiert wird, in der zweiten Fassung eine Antagonistin in Gestalt der Schwiegertochter Rachel. Sie verweist in idealistischer Form auf den neuen Menschen und verkörpert jenes utopische Moment, das in der ersten Fassung noch fehlte.
7D-6H
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Vassa Zeleznova (Wassa Schelesnowa), Urfassung (Vassa Železnova, 1910)
Schauspiel in 3 Akten
von Maksim Gorkij
Aus dem Russischen von Andrea Clemen
UA der Übersetzung: Landestheater Tübingen, 26.3.1986. R: Johannes Klaus
Gorkij schrieb die Urfassung der VASSA ŽELEZNOVA 1910 unter dem Eindruck der gescheiterten Revolution von 1905. Das Stück schildert den Untergang einer Kaufmannsfamilie. Indem Gorkij dem Untergang in dieser frühen Fassung keine Alternative oder Zukunftsperspektive entgegensetzt, werden die Verstrickungen und Unterlassungen der Figuren, die nicht weiterleben können wie bisher und die dennoch nicht handeln, umso deutlicher.
Als das Moskauer Künstlertheater das Stück uraufführen wollte, stoppte Gorkij die Inszenierung und überarbeitete VASSA ZELENOVA 1935 noch einmal grundlegend (auch diese Fassung liegt in einer Übersetzung von Andrea Clemen vor), wobei er Vassa mit deren Schwiegertochter Rachel eine Gegenspielerin zur Seite stellte, die die Utopie des Sozialismus verkörpert.
7D-4H
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