Jochen Ziem

geboren 1932 in Magdeburg, gestorben 1994 in Berlin.
Nach dem Studium der Germanistik in Halle und Leipzig (u.a. bei Victor Klemperer und Hans Mayer), wurde Jochen Ziem zunächst Praktikant am Stadttheater Greiz in Thüringen und beim Berliner Ensemble. Auch arbeitete er als Reporter bei ADN in Halle. 1956 erfolgte seine Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland. Von 1961 - 1966 arbeitete an der Entwicklung und in der Chefredaktion der Zeitschrift "DM". Seit 1966 war Ziem als freier... weiterlesen »

geboren 1932 in Magdeburg, gestorben 1994 in Berlin.
Nach dem Studium der Germanistik in Halle und Leipzig (u.a. bei Victor Klemperer und Hans Mayer), wurde Jochen Ziem zunächst Praktikant am Stadttheater Greiz in Thüringen und beim Berliner Ensemble. Auch arbeitete er als Reporter bei ADN in Halle. 1956 erfolgte seine Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland. Von 1961 - 1966 arbeitete an der Entwicklung und in der Chefredaktion der Zeitschrift "DM". Seit 1966 war Ziem als freier Schriftsteller tätig und seit 1972 Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland.
 
Theaterstücke (3)
Die Einladung
von Jochen Ziem
UA: Schloßparktheater Berlin, 24.5.1967. R: Hans Schweikart
Das Stück spielt in Ost-Berlin. Gleich hinter der Mauer steht das Haus, in dem Franz, der Kleinbürger, seine Frau Hilde und auch sein Sohn und seine Schwiegertochter wohnen. Franz, der in wenigen Tagen 65 wird, steht vor der Entscheidung, ob er mit seiner Frau nach drüben, "zu den Kindern" im Westen ausreisen oder bei seinem Sohn Achim bleiben soll, der ihn braucht. Der Besuch der Tochter und des Schwiegersohnes aus Düsseldorf macht ihm die Entscheidung zunächst nicht leicht. Ein Familientreffen, gezeichnet mit allen Merkmalen bürgerlicher Häuslichkeit, findet statt und demontiert sich selbst aus der Unabdingbarkeit der Gegensätze, die im Ablauf der Nacht deutlich werden. Am Ende der Nacht stellt sich nicht nur bloß für die beiden Alten, die zurück bleiben, die bohrende Frage – ist es nur die Mauer, die uns trennt?
3D-3H
3D-3H




Die Versöhnung
von Jochen Ziem
UA: Städtische Bühnen Nürnberg, 16.5.1971. R: Peter Lüdi
In Düsseldorf trifft sich eine Familie: Die Eltern – seit einigen Jahren aus der DDR in die BRD übergesiedelt –, der Sohn Achim – aus der DDR geflohen, ohne seine Frau mitzunehmen – und die Tochter Hanna mit ihrem Mann Karl – einem cleveren westdeutschen Reiseunternehmer. Hanna will sich von Karl trennen. Die Eltern wollen die Ehe kitten. Zum Schluss scheitert nicht nur dieser Versuch, sondern auch die Ehe der Eltern zerbricht und der Vater will zurück in die DDR.
2D-3H
2D-3H




Warsteiner
von Jochen Ziem
Noch einmal nach Italien – Arthur Warsteiner hat sich diesen Wunsch erfüllt, obwohl er schwer krank ist, er eigentlich ins Krankenhaus und operiert gehört. Aber er will nicht mehr; er will sich nicht mehr von seiner Familie gängeln und von gutmeinenden Ärzten an Schläuche und Apparate festbinden lassen. Er ist jetzt achtzig und will sein Leben menschenwürdig beenden. Also hat er seine Koffer gepackt und ist abgehauen. Jetzt ist er da, auf der Terrasse des Bungalows von Antonio. Mit dessen Schwester Sofia verbindet ihn eine Freundschaft. Er kennt sie aus Berlin, wo sie ein Café besaß. Seit sie wieder nach Italien zurückgekehrt ist, steht sie unter der Fuchtel ihres Bruders Antonio. Für Warsteiner ist Italien ein Synonym für Sehnsucht, seine große, geheime Liebe zu Patricia; hier hat er sie kennen gelernt, hier treffen sie sich wieder. Eine traumhafte, gemeinsame Zukunft taucht am Horizont auf. Aber Warsteiners Familie gibt ihm keine Zeit. Seine drei Kinder kommen überraschend angebraust, überfallen ihn, wollen ihn zurück schleppen, über sein Leben, seinen Tod bestimmen. Warsteiner findet alle drei unerträglich. Er schmeißt sie raus – ein Befreiungsschlag. Noch im Hochgefühl dieser Tat überredet er Sofia, sich ebenfalls von ihren Familienfesseln loszureißen. Gemeinsam fahren sie ab.
4D-3H
4D-3H