Urs Widmer

geboren 1938 in Basel. Von 1958 bis 1965 Studium der Germanistik, Romanistik und Geschichte an der Universität Basel – mit der Promotion zum Thema: 1945 oder die »Neue Sprache«. Studien zur Prosa der Jungen Generation. Von 1965 bis 1967 Lektor im Walter Verlag in Olten, von 1967-1968 Lektor für deutschsprachige Literatur im Suhrkamp Verlag Frankfurt. 1969 Mitbegründer des Verlags der Autoren in Frankfurt. Lebte als Freier Schriftsteller in Frankfurt, 1984 Rückkehr in die Schweiz. Urs Widmer... weiterlesen »

geboren 1938 in Basel. Von 1958 bis 1965 Studium der Germanistik, Romanistik und Geschichte an der Universität Basel – mit der Promotion zum Thema: 1945 oder die »Neue Sprache«. Studien zur Prosa der Jungen Generation. Von 1965 bis 1967 Lektor im Walter Verlag in Olten, von 1967-1968 Lektor für deutschsprachige Literatur im Suhrkamp Verlag Frankfurt. 1969 Mitbegründer des Verlags der Autoren in Frankfurt. Lebte als Freier Schriftsteller in Frankfurt, 1984 Rückkehr in die Schweiz. Urs Widmer starb 2014 in Zürich.

Über den Dramatiker Urs Widmer: "Das Theater von Urs Widmer", hg. von Peter Schweiger und Katrin Eckert, Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 2008.

Auszeichnungen:

2014 Jakob-Wassermann-Literaturpreis
2007 Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg
2007 Prix littéraire Lipp (Genf)
2006 Stiftungsgastdozentur Poetik an der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt
2006 Juror des Italo-Svevo-Preises
2004 Preis der Schweizerischen Schillerstiftung
2003 Stadtschreiber-Literaturpreis des ZDF/3sat und der Stadt Mainz
2002 Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
2001 Bertolt-Brecht-Literaturpreis der Stadt Augsburg
2001 Franz-Nabl-Preis
2000 Kulturpreis der Randgemeinde Riehen; Werkbeitrag der Pro Helvetia
1999 Kulturpreis der Gemeinde Riehen; Aufnahme in die Akademie der Künste Berlin-Brandenburg
1998 Heimito-von-Doderer-Preis
1997 Mülheimer Dramatikerpreis
1997 3sat-Innovationspreis
1997 Wahl zum Autor des Jahres von "Theater heute"
1997 Kunstpreis der Gemeinde Zollikon
1996 Grosser Literaturpreis der Stadt Zürich
1995 Kunstpreis der Stadt Zürich für Literatur
1995 Aufnahme in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung
1992 Literaturpreis des Südwestfunks
1989 Ehrengabe des Kantons Zürich
1989 Literaturpreis der Stadt Basel
1985 Preis der Schweizer Schillerstiftung
1983 Manuskripte-Preis für das Forum Stadtpark des Landes Steiermark
1976 Hörspielpreis der Kriegsblinden
1974 Karl Sczuka-Preis des Südwestfunks Baden-Baden
 
Theaterstücke (18)
Alles klar
von Urs Widmer
UA: Theater am Neumarkt, Zürich, 31.12.1987. R: Rolf Lyssy
Schon mit dem Titel führt diese Farce den Zuschauer aufs Glatteis eines Verwirrspiels. Totschlag, Mord, Banküberfälle – das Leben spielt sich als Kriminalgroteske im Wohnzimmer der Familie Schmitt ab und spiegelt sich in Dialogen, in denen jeder den anderen zu verstehen meint, während sich die Missverständnisse zur Katastrophe auswachsen.
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Bankgeheimnisse
von Urs Widmer
UA: Vaudeville Theater Zürich, 11.5.2001. R: Stefan Viering
"BANKGEHEIMNISSE ist wohl das, was man ein kleines Stück nennt. Drei Herren, zwei Damen, eine Dekoration. Es ist auch ein leichtes Stück, ein Divertimento, eine Farce vielleicht gar. Wenn unser Publikum nicht lacht, haben wir das Ziel verfehlt. Man könnte auch sagen, dass BANKGEHEIMNISSE das Satyrspiel zu TOP DOGS sei und manches von dem enthält, was es neben und nach der politisch-aggressiven Analyse auch noch zu sagen gäbe. Unsere ökonomische Welt produziert bekanntlich einigen Nonsense. - Dazu ist BANKGEHEIMNISSE, das seltsamerweise im Verlauf des Stücks 'Mord im Theater' heißen wird, auch ein Stück übers Theater selber. - Inhalt hat das Stück auch, schwer zu verstehen wird es nicht sein. Aber warum alles erzählen. Immerhin können wir verraten, dass es mit dem nächsten Banken-Crash endet (die Banker springen aus den Fenstern), und dass ein Massenmord in letzter Sekunde verhindert werden kann." (Urs Widmer)
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Das Ende vom Geld
Ein Todes-Experiment
von Urs Widmer
UA: Staatstheater Darmstadt, 24.3.2012. R: Michael Helle
Geld regiert die Welt, und die Welt des Geldes trifft sich in Davos – beim Weltwirtschaftsforum. Die Konferenz ist beendet, da sind plötzlich die Akkus leer, die Netzwerkverbindung ist gekappt und das Mobilfunknetz zusammengebrochen. Die Teilnehmer sind eingeschneit, und die Milliarden liegen auf Eis. Der Banker, der Unternehmer, der Minister, der Professor, der Bischof, die NGO-Delegierte, die Geliebte des Bankers und der Chinese sitzen der Not gehorchend gemeinsam in der Hotelhalle. In den Stunden erst genervten, dann bangen Wartens beginnt ein absurder Streit um Hedgefonds, Handelsbeziehungen, um Steuersatz und Steuersünder, um Boni, Leitzins und Investments. Die Eingeschneiten geraten immer tiefer in einen Strudel aus Ratschlägen, Rechtfertigungen und wahnsinnigen Selbstbezichtigungen. Sie fiebern der drohenden finanziellen Apokalypse entgegen.
DAS ENDE VOM GELD ist wahres Wirtschaftstheater. Mit Lust und Genuss demaskiert Urs Widmer seine Protagonisten. Sein Blick auf die Wirtschaftselite ist der Blick in ein Gruselkabinett.
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Der neue Noah
von Urs Widmer
UA: Schauspielhaus Zürich, 11.2.1984. R: Urs Widmer
In DER NEUE NOAH treibt Widmer das Spiel mit der Katastrophe augenzwinkernd bis zum Schluss: Vor sintflutartigen Regenfällen, die von Weltuntergang zu künden scheinen, sucht ein Priester Zuflucht in dem etwas absonderlichen Haushalt eines Professors und seiner jungen Frau. Was dann geschieht, ist biblischer, als sich der gute Priester hätte träumen lassen. Das Wasser steigt und steigt. Ein neuer Noah muss her.
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Das Werk ist in folgenden Mundartfassungen erhältlich:
1. Der neue Noah.
2. Dr neu Noah. Schweizerdeutsch von Urs Widmer




Der Sprung in der Schüssel
von Urs Widmer
UA: TamS München, 24.10.1990. R: Annette Spola
Eine Familien-Komödie über die Revolte von 1968 und was aus ihr wurde, über Freud und Ödipus, Fernsehen und Theater, Utopie und Wirklichkeit. Dabei spielen die vier Hauptdarsteller acht Doppelrollen von 1968 (im 1. Akt) und von heute. Eine rasante Slapstick-Komödie.
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Die lange Nacht der Detektive
von Urs Widmer
UA: Basler Theater, 6.12.1973. R: Niels-Peter Rudolph
Zum 80. Geburtstag von Shylock Hoames treffen sich einige aus der Kriminalliteratur bekannte Detektive in dessen Wohnung an der Baker Street in London: Dr. Hudson, Miss Mupple, Paul Maigré, Jerry Corton, Hero Woolfe und Arsène Lupinescu. Und während die inzwischen alt und etwas unbeholfen gewordenen Detektive in längst vergangenen Geschichten herumkramen, wird Jerry Corton mit einem Krummdolch ermordet. Einer der anwesenden Kollegen muss der Mörder sein, doch wer? Ein Spiel von Vermutungen und Verdächtigungen, Kombinationen und Auf-der-Hut-sein beginnt. Auch für Seniorentheater geeignet.
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Die Rache der Marquise (Mademoiselle de Belle-Isle)
von Alexandre Dumas d. Ä.
Deutsche Fassung von Urs Widmer
Das Stück spielt im 18. Jahrhundert, in der Zeit der "Gefährlichen Liebschaften", mit denen es fast auch das Personal gemeinsam hat: eine Marquise (wie die Merteuil), den Duc de Richelieu (ein anderer Valmont), die junge Unschuld vom Lande und ihr Verlobter, ein Leutnant der königlichen Garde. Ausgangspunkt der Handlung ist ein Liebesarrangement zwischen der Marquise und dem Herzog, das, als es aufgelöst wird, zu einer frivolen Wette des Herzogs führt, die wiederum die Rache der Marquise herausfordert. Eine spannende Salonkolportage mit vielen unerwarteten Wendungen.

Theodor Fontane schrieb über das Stück am 15.3.1879: "Das Stück ist seit gerade 40 Jahren auf dem Theater und empfänden alle gleich mir, so würde ich ihm weitere 40 Jahre garantieren. Es zählt zu dem Reizendsten, was man sehen kann und berührte mich gestern wieder so recht wohltuend und erquicklich, als käm es frisch vom Quell."
So ist es noch 4 mal 40 Jahre später in Urs Widmers deutscher Fassung: zur Wiederentdeckung empfohlen.
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Die schwarze Spinne
von Urs Widmer
Musik von Patent Ochsner
Nach der Erzählung von Jeremias Gotthelf
UA: Theater Neumarkt, Zürich, 23.5.1998. R: Volker Hesse
Aus Jeremias Gotthelfs gleichnamiger Erzählung - einer hollywoodreifen Horrorstory um Teufel, Tod und Ungeziefer - hat Urs Widmer ein Rockdrama gemacht. Von Patent Ochsner stammt die in den gefühlvollen Passagen melodisch-liedhaften, in den drastischen Szenen schrill-dissonante Musik. Auch für Freilichttheater geeignet.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




Frölicher - ein Fest
von Urs Widmer
UA: Vaudeville-Theater Zürich, 3.4.1991. R: Stefan Viering
Hans Frölicher (1887-1961), während des "tausendjährigen Reiches" Schweizer Gesandter in Berlin, hatte das unzweifelhafte Verdienst, daran mitzuwirken, die Schweiz aus dem Zweiten Weltkrieg herauszuhalten. Aber an welchem Punkt wird die Anpassung zum Verrat, wird die hehre Schweizer Neutralitätspolitik zum Verbrechen?
FRÖLICHER - EIN FEST ist kein Historienstück, sondern eine bitterböse Antwort auf die Geschichte. Widmer springt von der Gegenwart in die Vergangenheit, von Deutschland in die Schweiz und wieder zurück und kommentiert das Geschehen durch die beiden Kellner Aron und Anton. Ein Stück Welttheater nicht nur für Eidgenossen. Denn die Schweiz konnte sich nur durch Anbiederung an Deutschland retten, bei Urs Widmer repräsentiert von Vater und Sohn, die mit Nachnamen von Weizsäcker heißen.
Das Stück entstand auf Anregung des Vaudeville-Theaters Zürich.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




Jeanmaire. Ein Stück Schweiz
von Urs Widmer
UA: Lukas Leuenberger Theaterproduktion Bern, 23.10.1992. R: Rolf Lyssy
Jean-Louis Jeanmaire, Einsternegeneral der Schweizer Armee, wurde in den siebziger Jahren wegen Spionage und Landesverrat zu achtzehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Von Medien und Politikern wurde Jeanmaire zu einem Volksfeind, einem "Jahrhundertspion", einem Monster stilisiert. Er selber beharrte bis zu seinem Tod auf seiner Unschuld.
"Obwohl die meisten Akten, die Klarheit schaffen könnten, weiterhin unter Verschluß liegen, sind doch so viele Bruchstücke der Jeanmaire-Geschichte bekannt geworden, daß ein Theaterstück mit guten Gründen fragen kann, ja fragen muß, ob hier nicht ein Sündenbock (für diese Rolle eignete sich Jeanmaire allerdings hervorragend) etwas ausbaden mußte, was wir genau nicht wissen und was gewiß mit Macht und Machterhaltung zu tun hatte." (Urs Widmer)
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum