Simon Werle

geboren 1957 in Freisen/Saarland. Studium der Romanistik und Philosophie in München und Paris. Seit 1985 freier Übersetzer und Autor von Erzählungen, Romanen und Theaterstücken. Lebt in München.
»Für seine Übertragungen müsste man ihm die Versfüße küssen«, schrieb die Süddeutsche Zeitung über Werles Erfindung eines deutschen Verses für den klassischen französischen Alexandriner von Racine und Corneille, die die französischen Klassiker nicht nur auf deutschen Bühnen spielbar machte; sie... weiterlesen »

geboren 1957 in Freisen/Saarland. Studium der Romanistik und Philosophie in München und Paris. Seit 1985 freier Übersetzer und Autor von Erzählungen, Romanen und Theaterstücken. Lebt in München.
»Für seine Übertragungen müsste man ihm die Versfüße küssen«, schrieb die Süddeutsche Zeitung über Werles Erfindung eines deutschen Verses für den klassischen französischen Alexandriner von Racine und Corneille, die die französischen Klassiker nicht nur auf deutschen Bühnen spielbar machte; sie bescherte dem Übersetzer 1992 auch den Johann-Heinrich-Voß-Preis der Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung. Werles Spezialität sind Fassungen unbekannter Werke von Klassikern wie Molière, Marivaux, Voltaire, Ben Johnson und Torquato Tasso. 1994 wurde der Übersetzer mit seinem ersten Stück DER WEICHSELZOPF zu einem ganz eigenen Autor, der inzwischen neben Prosa ein halbes Dutzend weiterer Stücke geschrieben hat, in letzten Jahren poetisch-philosophisches Theater mit Stoffen aus dem Umkreis der Antike.

Auszeichnungen:

2017 Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis
2003 Tukan-Preis
1992 Johann-Heinrich-Voss-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung
1988 Paul-Celan-Preis des Deutschen Literaturfonds
1985 Preis der Frankfurter Autorenstiftung

 
Theaterstücke (18)
Aktaion. Die Verwandlung
von Simon Werle
Es ist wohl das erste Mal, dass diese berühmte Legende aus Ovids "Metamorphosen" zu einem Theaterstück wird: Aktaion, Prinz von Theben und leidenschaftlicher Jäger, wird von der beim Baden überraschten Artemis in einen Hirschen verwandelt und von seinen Hunden zerrissen. In Werles Fassung versucht Aktaion die erzürnte Göttin zunächst noch zu versöhnen, gerät aber durch falschen Rat in desto größere Schwierigkeiten. Aus Theben verbannt, flieht er mit seiner Geliebten, der Trakerin Melanto. Alle Rettungsversuche, auch das Selbstopfer der Melanto, sind vergeblich. Ein antikes Märchen.
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Apelles und Kampaspe. Das Vexierbild
von Simon Werle
Alexander der Große begehrt die schöne Kriegsgefangene Kampaspe, der berühmte Maler Apelles soll sie als Inbild des besiegten Theben malen. Doch auch Apelles verliebt sich in Kampaspe, verzögert wiederholt die Ablieferung des Bildes. Ein leidenschaftliches Denk-und Liebesdrama nach Motiven des frühen elisabethanischen Dramas "Campaspe" (1584) von John Lyly.

"Es geht um eine Kunstreflexion: um die Frage nach der dem mimetischen Abbilden des Schönen wie des Schreckens selbst innwohnenden Gewalt, um das Thema der Kunst zwischen Wahrheitsanspruch und Indienstnahme durch die Mächtigen." (Hans-Thies Lehmann)
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Buch der Könige
Szenen aus Firdausis "Shaname"
von Simon Werle
Im persischen Nationalepos "Shahname" entfaltet Persiens berühmtester Dichter Firdausi eine Chronik der Könige seines Landes von der mythischen Erschaffung der Welt bis zu der islamischen Invasion im achten Jahrhundert. Wie keine andere Figur hält die ins Titanische gesteigerte, Generationen überdauernde Heldenfigur Rostam diesen gewaltigen epischen Bogen zusammen. Rostam rettet Iran vor äußeren Feinden, innerem Zwist und vor der Schwäche seiner eigenen Könige. Aber im Spannungsfeld mythischer Kräfte von Licht und Finsternis tötet er im Zweikampf auch seinen Sohn und fällt schließlich den Widersprüchen seiner eigenen Größe zum Opfer.
Simon Werle hat aus der ausufernden Fülle der Episoden und Gestalten dieses Riesenwerkes einen Kern zentraler Leitmotive destilliert und das Epos einer ganzen Nation zu einem Drama verdichtet.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




Das Blut des Falken
von Simon Werle
UA: Städtische Bühnen Münster, 20.9.2006. R: Katharina Rupp
Das Stück spielt in einer Kleinstadt in der Nähe von Bordeaux, wo Jakob, ein deutscher Maler, als Stipendiat lebt. Er gibt auch Kunstunterricht in den Schulen der Stadt. Eine seiner Schülerinnen ist Catherine, die mit dem Berufsschüler Jean-Luc verbunden ist. Jakob hat in seinem Auto einen fremdländischen älteren Mann mitgenommen, Diego, der vor 18 Jahren schon einmal hier lebte, und der sich als der verschwundene Vater von Catherine herausstellt. In dem strengen Rahmen des Vier-Personen-Spiels mit seinen nahezu klassischen Einheiten von Ort, Zeit und Handlung vollzieht sich (wie in einem Ibsen-Stück) die Aufdeckung der Vorgeschichte – damit verbunden Catherines Suche nach ihrer Identität und die Tragödie Diegos, der zwischen den Kulturen Paraguays und Frankreichs zerbrochen ist. Unvereinbar scheint das Weltverständnis von Vater und Tochter, das nichteuropäische und das französische, das sich noch einmal spiegelt in dem deutschen Maler. Das Werben des Vaters um die Tochter kann vordergründig nur misslingen, aber in der Vergegenwärtigung von Catherines Trauma vollzieht sich vielleicht auch eine Heilung mit den Kräften von Diegos Ursprüngen, mit denen er – dafür steht das Bild des Falken – noch punktuell verbunden ist, die ihn jedoch selbst auch nicht mehr retten können. Simon Werles Kammerspiel ist eine subtile Erkundung unserer zivilisatorischen Verstörungen und zeigt zugleich die (vergeblichen?) Versuche, wenn nicht sie zu heilen, so doch ein Überleben zu ermöglichen.
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Der Knallkopf (L´Etourdi / L'Innavertito)
Nach Molière und Niccolò Barbieri
Nach Molière und Beltrame
Deutsche Fassung von Simon Werle
Eine frühe Komödie Molières, von Simon Werle zugespitzt, bearbeitet und übersetzt. Der Knallkopf steht noch ganz unter dem Einfluss der italienischen Typenkomödie, der commedia dell’arte. Lelio liebt die in Sklaverei geratene junge, schöne Sizilianerin Celia. Sein Vater allerdings möchte, dass er eine andere Frau heiratet, und will ihm deshalb kein Geld geben, um Celia freizukaufen. Zum Glück hat der unbedarfte Lelio einen listigen, mit allen Wassern gewaschenen Diener, Mascarille, der ihm gerne helfen will. Das Dumme ist nur: Lelio, dieser Knallkopf, durchschaut die Intrigen seines Dieners nicht und durchkreuzt dessen gute Absichten immer wieder. Damit treibt er seinen Diener fast zur Verzweiflung. Trotzdem kommt es nach etlichen Wirren zu einem wunderbaren Happy End.
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Der Weichselzopf
von Simon Werle
UA: Vereinigte Städtische Bühnen Krefeld und Mönchengladbach, 24.3.2000. R: Bernarda Horres
DER WEICHSELZOPF entzieht sich der herkömmlichen Nacherzählung. Es gibt zwar eine Handlung, sogar eine Kriminalhandlung, die mit einer Liebesgeschichte verbunden ist - und doch vollzieht sich das dramatische Geschehen kaum in einer "realistischen" Aktion. Wie im Märchen entsteht innerhalb der realen Welt eine zweite Wirklichkeit der Phantasie:
Da sind Jale, das Mädchen mit dem Weichselzopf, und Juan, der junge Mann mit dem Herzen so groß wie ein Kuheuter: die beiden Liebenden. Da ist die böse Ziehmutter und Tante in ihrem Fischgeschäft, und der gute Onkel in seinen Rosenbüschen. Die Obrigkeit wacht im Zollhäuschen an der Grenze in Gestalt der beiden Zollbeamten Weyrauch und Braun.
Die beiden Liebenden sind anders als die anderen, sie erfinden sich ihre eigenen Wirklichkeit, ihre eigene Sprache. Juan wohnt in der großen Kastanie am stillgelegten Steinbruch, Jale hält sich Dohlen, sie verloben sich in einem verlassenen Viadukt, erwarten (oder erfinden?) sich ein Kind, das sie wieder verlieren.
Die Kriminalgeschichte geht um Drogen, Juan Knechtblock ist ihr möglicher Kurier, die Zollbeamten haben ihn im Visier, stellen ihm eine Falle. Kober ist der geheimnisvolle Mann im Hintergrund, der niemals auftritt. Die Geschichte bleibt im Dunkeln.
Das alles spielt in Hangard, einer Kleinstadt an der Grenze mit Zollstation und verlassenem Viadukt, unter dem die Rekruten grölen... eine kalte, unfrohe Gegend: "Wenn es dunkel wird, wird Hangar weiß."

DER WEICHSELZOPF ist ein Stück poetisches Theater - und eine Herausforderung an das Theater, an seine Möglichkeiten zu zaubern und zu verzaubern.
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Hillside Avenue
von Simon Werle
Hillside Avenue, Berkeley/California. Ein etwas heruntergekommenes Anwesen mit Blick auf die San Francisco Bay. Es ist heiß. Seit 37 Wochen bleibt der Regen aus. Die Waschbären betteln nicht mehr, sie räubern. Der Student Laurence baut einen Zaun um das Anwesen, der Arbeiter Fred versucht, mit seinen Baumaschinen einen Erdrutsch auf der Baustelle gegenüber aufzuhalten. Ein älterer Mann, Saz, treibt sich herum, trinkt und fährt die Textilien aus, die Arlene, eine attraktive ehemalige Prostituierte, in ihrem Nähzimmer herstellt. Dora ist die mütterliche Chefin der kleinen Kommune, die wie zufällig zusammengekommen wirkt, aber doch durch eine gemeinsame Suche verbunden ist.
Denn im Hintergrund wirkt der japanische Heilslehrer Kamamura, für den man arbeitet und zu dem man im Dojo betet. Dabei ist die Suche nach einem Partner (oder nach Gott) für die einzelnen Bewohner der Hillside Avenue höchst unterschiedlich...
Ein Stück um Lebensangst und Pseudoreligiosität, um die Vermengung von Gott- und Partnersuche und um die Konflikte einer kleinen Gemeinschaft auf Realitätsflucht.
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Hippolytos. Der Menschenbaum
von Simon Werle
Hippolytos, Sohn des Theseus, ist Gegenstand eines Bildes, das der berühmte Maler Parrhasios im Auftrag von Theseus' Frau Phädra angefertigt hat. In deren Schlafzimmer hängt das Porträt, bei seinem Anblick verzehrt sich Phädra nach dem Stiefsohn. Den lange verschollenen Theseus lässt sie für tot erklären; Hippolytos soll nach ihrem Willen die Krone von Troizen erben.
Aber auch Theseus und seine berühmten Heldentaten wurden von Parrhasios gemalt. Und so sucht Hippolytos bei ihm und den Bildern die Begegnung mit dem Vater. Die Bilder werfen für den jungen Königssohn aber nicht nur die Frage auf, wie ein Staat zu führen sei, mit Kriegs- oder mit Staatskunst, sie werden für den kunstsinnigen Hippolytos selber Gegenstand des ästhetischen Interesses: Wie ist Wirklichkeit abbildbar?
Am Beispiel des von Parrhasios gemalten Prokustes, für den – um realistisch dargestellt werden zu können – im Auftrag von Theseus ein Sklave als Modell gefoltert wird, entwickelt sich ein Dialog über Kunst und Wirklichkeit. Verhandelt wird auch die Verantwortung des Künstlers: Die Schuld, die Parrhasios mit dem Foltertod seines Modells auf sich geladen hat, veranlasst ihn, den Leichnam in seinem Garten zu begraben und über der Grube einen Feigenbaum zu pflanzen. Doch die Natur lässt sich nicht versöhnen...

"Werle erfindet eine indirekte, eine schräge Perspektive auf den Stoff: das Thema des gequälten Körpers und der unaufhebbaren Schuld auch der Kunst spielt sich allein in Szenen zwischen Hippolytos und einem Maler ab, der in seines Vaters, des Königs Theseus‘ Auftrag ein Gemälde unsäglicher Folterqualen anfertigen musste." (Hans-Thies Lehmann)
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Kahnawake
Szenen aus Neufrankreich
von Simon Werle
Québec um 1700. In der Missionssiedlung Kahnawake versuchen französische Missionare und Ordensschwestern, den versprengten Angehörigen vormals verfeindeter indianischer Stämme mit dem Evangelium auch französische Kultur und Zivilisation nahezubringen. Die exemplarischen Bemühungen der Novizin Soeur Parousie um die verwaiste Häuptlingstochter Teswiona gelangen ebenso wie die des Jesuiten Pater Renaude über das Stadium äußerer Dressur nicht hinaus; zu stark ist der Widerstand ihres irokesischen Clans, zu tief die Fremdheit der jeweiligen Lebenswelten. Erst als der Krieg zwischen England und Frankreich um die Vorherrschaft in Kanada den prekären Frieden der Siedlung zerstört, zerbrechen im Kampf um das physische Überleben bislang unüberwindbare Barrieren nicht nur zwischen Territorien, sondern auch zwischen Bewusstseinswelten.
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Marsyas. Der Wettstreit
von Simon Werle
Sokrates, das allzeit wache Gewissen Athens, ist von seiner Vaterstadt wegen "Gottlosigkeit" zum Tode verurteilt worden. Die verbleibende Frist bis zur Urteilsvollstreckung darf der Philosoph auf dem Athener Friedhof verbringen - unter der Auflage, mit niemandem zu sprechen. Fernab der Menschen wird Sokrates' Schweigeverpflichtung dennoch auf die Probe gestellt: Am Grab seines Vaters, eines mittelmäßigen Steinmetzes, wird er von einer Statue angesprochen, die sein Vater einst schuf: Sie zeigt den legendären Satyr Marsyas, den Apoll nach verlorenem musikalischem Wettstreit bei lebendigem Leib gehäutet hat.
Zwischen Sokrates und dem Satyr entbrennt ein Wettstreit ganz anderer Art - geführt mit den Mitteln der Rhetorik, ungleich aber auch er. Denn während Marsyas mit immer stärkeren Argumenten und in sokratischen Denkfiguren versucht, Sokrates zum Reden zu bringen, ist dieser zum Schweigen verdammt.
MARSYAS. DER WETTSTREIT ist ein Monodrama für zwei Personen, davon eine stumm.
1H (+ 1 stumme Rolle)
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