Theresia Walser

geboren 1967 in Friedrichshafen/Bodensee. In den ersten beiden, theaterbezüglichen Stücken der gelernten Altenpflegerin und ausgebildeten Schauspielerin sind die Bretter der Bühne so morsch wie die Welt, die sie bedeuten. Auch ihr drittes Stück handelt auf seine Weise von Fäulnis und Untergang: KING KONGS TÖCHTER, 1998 uraufgeführt am Zürcher Theater am Neumarkt, machte sie quasi über Nacht berühmt und zur »Dramatikerin des Jahres«. Mit der Uraufführung von SO WILD IST ES IN UNSEREN WÄLDERN... weiterlesen »

geboren 1967 in Friedrichshafen/Bodensee. In den ersten beiden, theaterbezüglichen Stücken der gelernten Altenpflegerin und ausgebildeten Schauspielerin sind die Bretter der Bühne so morsch wie die Welt, die sie bedeuten. Auch ihr drittes Stück handelt auf seine Weise von Fäulnis und Untergang: KING KONGS TÖCHTER, 1998 uraufgeführt am Zürcher Theater am Neumarkt, machte sie quasi über Nacht berühmt und zur »Dramatikerin des Jahres«. Mit der Uraufführung von SO WILD IST ES IN UNSEREN WÄLDERN SCHON LANGE NICHT MEHR wurde 2000 das neue Haus der Münchner Kammerspiele eröffnet, »Walsers bisher schönstes, fremdestes, schwierigstes Stück« (Frankfurter Rundschau). Theresia Walser lebt in der Nähe von Freiburg.

Auszeichnungen:

2001 „Stücke“-Förderpreis des Goethe-Instituts
1999 “Autorin des Jahres” in der Zeitschrift "Theater heute"
1999 “Stücke“-Förderpreis des Goethe-Instituts
1999 Übersetzungspreis des Goethe-Instituts
1998 ”Nachwuchsautorin des Jahres” in der Zeitschrift "Theater heute"
1998 Fördergabe des Schiller-Gedächtnispreises des Landes Baden-Württemberg
 
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Theaterstücke (8)
Das Restpaar
von Theresia Walser
UA: Theater Rampe, Stuttgart, 27.9.1997. R: Daniel Call
DAS RESTPAAR ist eine bitter-süße Untergangskomödie und sanfte Parodie auf das Theater: Zwei Schauspielabsolventinnen auf der Suche nach einem Engagement, ein arbeitsloser Chemiker auf einer ABM-Stelle als Bühnenmaler, ein Intendant und ein Kulturreferent sind das Personal. Am Ende eines Spiels der tragikomischen Verwechslungen und Mißverständnisse ist das "Restpaar" - die beiden Schauspielschulabsolventinnen - zwar engagiert, doch das Theater geschlossen. Die Bretter der Bühne sind so morsch wie die Welt, die sie bedeuten.
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Die Heldin von Potsdam
von Theresia Walser
UA: Maxim Gorki Theater, Berlin, 15.9.2001. R: Volker Hesse
Theresia Walsers "Heldin" ist eine Frau, die von einer Lebensmisere in die nächste springt. Als sie behauptet, eine Türkin vor den Übergriffen einer Neonazi-Bande gerettet zu haben, steht sie zum ersten Mal im Rampenlicht und wird gefeiert von einer Öffentlichkeit, die sich nach Widerstand gegen ausländerfeindliche Anschläge sehnt.
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Die Kriegsberichterstatterin
von Theresia Walser
UA: Bayerisches Staatsschauspiel München, 26.2.2005. R: Florian Bösch.
DIE KRIEGSBERICHTERSTATTERIN spielt im Garten des Leiters eines Sprachinstituts. Bei schon sinkenden Temperaturen sind seine Mitarbeiter zum herbstlichen Gartenfest eingeladen. Beförderungen stehen an. Doch alle in der Vergangenheit ausgezeichneten Angestellten verschwanden kurz danach auf mysteriöse Weise. In die von Zukunftsängsten, nickeligen Machtkämpfen und Beziehungskriegen zerfressene Gesellschaft platzt ein junges Mädchen hinein. Sie kündet vom Krieg, der in den umliegenden Gärten tobt, von der Grausamkeit, die ganz nah ist.
"Obwohl sie damit provoziert", schreibt Theresia Walser über ihre Titelheldin, "ist das Mädchen für mich keine Provokateurin, sie ist involviert in einen wirklichen Kampf und sie bringt mit ihren puren Schilderungen das verkrustete Koordinatensystem diese Gartengesellschaft ins Wanken."
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Geierwally
Nach Wilhelmine von Hillern
Zusammen mit Karl-Heinz Ott
von Theresia Walser und Karl-Heinz Ott
Bühnenfassung nach dem gleichnamigen Roman von Wilhelmine
von Hillern
UA: Badisches Staatstheater Karlsruhe, 28.3.2003. R: Barbara Bilabel
Obwohl erst 1875 erschienen, hat sich der Mythos der GEIERWALLY, jener Außenseiterin, die mit den von ihr gezähmten Geiern in der Einsamkeit der Gletscher lebt, tief in unser kollektives Unterbewusstsein eingeschrieben. Ihre Geschichte scheint trivial: Da sie sich seinem patriachalischen Zwang verweigert, wird sie vom Vater in die kalten Gletscherhöhen verstoßen. In der Einsamkeit der Bergwelt hat sie wundersame Erlebnisse und Begegnungen - sie trifft auf die "Saligen Jungfrauen" und den Berggeist Murzoll. Verwandelt kehrt sie zurück: verwahrlost, aber stolz, mit ihrem Geier, mit kaltem Herzen und dem Bewusstsein von Macht. Das Unheil nimmt seinen Lauf in der Verstrickung von Schuld und Geschlechterkampf, Liebe und Hass, oben und unten, Natur und Zivilisation, Gemeinschaft und Außenseitertum. Was auf den ersten Blick als trivialmythische Kolportage aus den "Tyroler Bergen" daherkommt, stellt sich bei genauerer Betrachtung als unfreiwillig-scharfsinnige Analyse heutiger Befindlichkeiten dar. GEIERWALLY erzählt auch die Geschichte der modernen Frau, die durch den Zwang zum Opfer auf die Tiefenschicht unserer aufgeklärten Zivilisation verweist.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




King Kongs Töchter
von Theresia Walser
UA: Theater Neumarkt, Zürich, 26.9.1998. R: Volker Hesse
Das Stück spielt in einem Altersheim. Eine kleine vergessene Gesellschaft in der End-Station. "King Kongs Töchter" sind die Pflegerinnen. Drei junge Frauen, die daran zweifeln, ob das wirklich ein Beruf sein kann, ein Beruf, in dem letztendlich nichts gelingt. Dieser Hilflosigkeit wollen sie sich nicht überlassen, was sie zu Ende bringen, soll glanzvoll sein. Sie betreiben den Tod als vitales Spiel, inszenieren die Alten in Todesszenen großer Stars... Gestorben wird an den Todestagen der Vorbilder. Der Tod ist ein Termin, sagen sie, wir sind die Chefdisponentinnen. Das Stück spielt in einer Nacht, einerseits beschreibt es den Vorgang einer solchen Inszenierung, eine alte Frau soll als Mae West auf dem Sofa sterben. Andererseits beschreibt es splitterhaft die Unruhe der alten Bewohner in ihrer schlaflosen Zeit. Doch mitten hinein stolpert Rolfi, ein junger Kerl von der Straße, ein Abenteurer...
6D-4H
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Kleine Zweifel
Monolog für eine Frau
von Theresia Walser
UA: Münchner Kammerspiele, 2.4.1997. R: Dieter Dorn
Wendla Teusch will an einem Gesangswettbewerb teilnehmen und flüchtet aus der von Konkurrenzneid und Spannung aufgeladenen Atmosphäre des Warteraumes auf die nächtliche Straße. Ihr Auftritt steht noch bevor, aber "…Bei mir sind noch kleine Zweifel aufgetaucht. So mir nichts dir nichts sind da Zweifel aufgetaucht, wie so ein kleines Gebiss am Horizont…". Verunsichert redet sich die junge Frau ihre Nervosität von der Seele und stellt die Eckpunkte ihres Lebens unter das scharfe Licht des Konkurrenz-Kriteriums, redet über Missgunst, Heuchelei und Sabotage, Bangen und Hoffen – und glaubt dennoch bis zuletzt, dass der Beginn ihrer glanzvollen Karriere unmittelbar bevorsteht.
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So wild ist es in unseren Wäldern schon lange nicht mehr
von Theresia Walser
UA: Münchner Kammerspiele, 4.11.2000. R: Jan Bosse
Leute auf einem Bahnsteig, Fremde unter Fremden. Ein russischer Förster ohne Gesicht, Luzi mit der dicken Brille und dem Traum von hauchdünnem Teegebäck, der undurchsichtige Brax, Irene mit dem Bärenfellmantel und den Sporenstiefeln, Kirk der Pole, der die Möbel für seinen Bruder zusammensucht, das Mädchen mit der Tischdecke, der Grieche mit Bauchladen-Restaurant, der malende Mörder Fred, Friedel und Marie und das sterbende Pferd aus dem Fernsehen – und immer wieder drei junge Männer ohne Haare und ohne Zukunft.
SO WILD IST ES IN UNSEREN WÄLDERN SCHON LANGE NICHT MEHR versammelt Schicksalsberichte von Alpträumern, Stadtindianern und Lebensakrobaten aus Plattenbauten und Nervenanstalten, die sich auf eine zugewiesene Identität nicht verpflichten lassen wollen. Das Dunkle und Schreckliche, das die Natur und besonders der Wald für die Menschen früher verkörpert hat, ist längst in ihre Körper eingedrungen, Gewalt und Schrecken brechen aus ihnen heraus, die Reste eines beschädigten Lebens, die ihnen geblieben sind und sich in wildem Gerede Luft machen.
2D-4H (auch größer besetzbar)
2D-4H (auch größer besetzbar)




Wandernutten
von Theresia Walser
UA: Staatstheater Stuttgart, 9.10.2004. R: Jacqueline Kornmüller
In WANDERNUTTEN beschreibt Theresia Walser mit leichter Hand und einem sicheren Gespür für Komik die Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Auf der einen Seite eine männliche Tischgesellschaft: Albert, dem es am Schönsten scheint, auf Frauen zu verzichten; Olaf, der froh ist, wenn er nicht rauchen darf; Rainer, der von Frauenfüßen träumt; und Georg, der jede Wette auf die Treue seiner Frau eingeht. Dieser Männerrunde stellt die Autorin vier Frauen in einer Hotelbar gegenüber. Drei von ihnen sind Kolleginnen: Leonie, die Wortführerin, Lydia, die Passwortknackerin, und Ines, die Leonie daran erinnern soll, an ihren Mann zu denken. Sie warten auf einen italienischen Partner, mit dem Leonie eine zweifache - geschäftliche wie geschlechtliche - Fusion anstrebt.
Männer und Frauen bleiben in Walsers Stück unter sich, mit ihren Problemen und Neurosen. Nur in den Zwischenszenen begegnen sich die Geschlechter, in Gestalt von Ute und Ronnie, dem Pornodarsteller-Pärchen, das auf einer Parkbank über "die schönste Nebensache der Welt" diskutiert.
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