Aleksandr Vvedenskij

geboren 1904, gestorben 1941. Vvedenskij war in den zwanziger Jahren ein Vertreter des russischen Futurismus in Leningrad. Gemeinsam mit Daniil Charms wurde er Mitglied des literarischen Ordens DSO, beteiligte sich an der "linken Flanke" und nahm am philosophischen Dichterkreises "Tschinari" teil. 1927 wurde er zum wichtigen Mitglied der spätavantgardistisch-literarischen Vereinigung OBERIU ("Vereinigung realer Kunst"), die sich "die Provokation, den Kampf gegen den gesunden Menschenverstand... weiterlesen »

geboren 1904, gestorben 1941. Vvedenskij war in den zwanziger Jahren ein Vertreter des russischen Futurismus in Leningrad. Gemeinsam mit Daniil Charms wurde er Mitglied des literarischen Ordens DSO, beteiligte sich an der "linken Flanke" und nahm am philosophischen Dichterkreises "Tschinari" teil. 1927 wurde er zum wichtigen Mitglied der spätavantgardistisch-literarischen Vereinigung OBERIU ("Vereinigung realer Kunst"), die sich "die Provokation, den Kampf gegen den gesunden Menschenverstand und das Mittelmass" auf die Fahnen schrieb. Aus politischen Gründen wurde er 1932 nach Kursk verbannt, konnte aber nach einigen Monaten nach Leningrad zurückkehren. 1941 erfolgte eine zweite Verhaftung. Aleksandr Vvedesnkij starb 1941 auf einem Gefangenentransport bei Charkov.
 
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Theaterstücke (3)
Eine gewisse Anzahl Gespräche oder Das vollständig umgearbeitete Stundenbuch (Nekotoroe kolišestvo razgovorov)
Deutsch von Peter Urban
von Aleksandr Vvedenskij
Aus dem Russischen von Peter Urban
Das Stück thematisiert die Atmosphäre der Angst und des Grauens der Zeit der "Säuberungen", die die Kommunistische Partei auf Befehl Stalins in allen Bereichen der sowjetischen Gesellschaft vollzog. Diese Atmosphäre beherrschte die gesamte sowjetische Bevölkerung und insbesondere die Künstler. Vvedenskij entwirft, in der Tradition mittelalterlicher Stundenbücher, die mit religiösen Bildern und Texten zur Meditation anregen sollten, gleichnishafte, oft verrätselte Szenen. Drei Protagonisten ("Erster"; "Zweiter"; "Dritter"), ohne, dass der Autor ihnen die klare Kontur erkennbarer Charaktere verleiht. Manchmal verschwimmen die Grenzen zwischen ihnen und es scheint, als ob ein Gedankenfluss drei Stimmen enthielte. Das Stück verbreitet eine Stimmung, die zwischen lyrischer Schönheit und sarkastischem Witz, zwischen Abgeklärtheit und Hysterie schwankt.
3D-5H (auch größer besetzbar)
3D-5H (auch größer besetzbar)




Kuprijanov und Natasa
Deutsch von Peter Urban
Dialog in Versen von Aleksandr Vvedenskij
Aus dem Russischen von Peter Urban
Das an Beckett erinnernde Zweipersonenstück schildert am Beispiel eines Ehepaars, das zu Bett geht, die Zerstörung jeglicher Gemeinsamkeit und jedweden Verständnisses. Vvedenskij ist der Dichter der offenbaren Sinnlosigkeit – mit "Vernunft" ist diese zerrissene, sinnlos gewordene Welt nicht mehr zu begreifen.
1D-1H
1D-1H




Weihnachten bei Ivanovs (Elka u Ivanovych)
Deutsch von Peter Urban
Drama in vier Akten von Aleksandr Vvedenskij
Aus dem Russischen von Peter Urban
UA: Thalia Theater, Hamburg, 25.1.1992. R: Nicolai Sykosch
Weihnachtsabend bei den Ivanovs: Die Kinder werden gebadet, eine Kommode steht herum. Rechts der Tür schlachten die Köche Hühner und Ferkel. Ammen, Ammen, Ammen waschen die Kinder. Eines von Ihnen, Sonja (32), wird frech. Die Amme macht kurzen Prozess – und ab ist der Kopf. Die Tür wird sperrangelweit geöffnet, der Vater kommt, gefolgt von Fjodor und den Holzfällern, die den Tannenbaum tragen, herein. Sie sehen den Sarg und alle – bis auf den Tannenbaum, der von alldem nichts begreift – nehmen die Mütze ab. Auch wer kein Tannenbaum ist, wird aus diesen Bühnenanweisungen nicht schlau werden, geschweige denn aus der Welt, in der Vvedenskij lebte. Beidem ist mit kühler Vernunft nicht beizukommen... Eine Persiflage auf die traditionelle russische Familie.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum