Ivan Turgenev (Turgenew)

geboren 1818 in Orjol, als Sohn einer adeligen Familie. Er studiert von 1833 bis 1837 Literatur in Moskau, dann in St. Petersburg. Von 1838 bis 1841 hält sich Turgenev in Berlin auf, um vor allem die Philosophie Hegels studieren, währenddessen erscheinen erste Gedichte in seiner Heimat. Nach seiner Rückkehr nach Russland 1842 ist Turgenev ein starker Befürworter einer Westorientierung des Landes. Nachdem er 1844 sein erstes Prosawerk veröffentlicht hat, wird er vor allem in literarischen... weiterlesen »

geboren 1818 in Orjol, als Sohn einer adeligen Familie. Er studiert von 1833 bis 1837 Literatur in Moskau, dann in St. Petersburg. Von 1838 bis 1841 hält sich Turgenev in Berlin auf, um vor allem die Philosophie Hegels studieren, währenddessen erscheinen erste Gedichte in seiner Heimat. Nach seiner Rückkehr nach Russland 1842 ist Turgenev ein starker Befürworter einer Westorientierung des Landes. Nachdem er 1844 sein erstes Prosawerk veröffentlicht hat, wird er vor allem in literarischen Kreisen hoch angesehen, gerät dort allerdings mit den nationalistisch orientierten Dostojewskij und Tolstoj aneinander. Mit der Veröffentlichung der Novelle "Aufzeichnungen eines Jägers" 1852 etabliert Turgenev einen vollkommen neuen Stil. Aufgrund der immer wieder aufflammenden Unruhen in seiner Heimat hält er sich ab 1855 weitgehend im Ausland auf. Er kehrt zwar immer wieder, aber nur für kurze Zeit nach Russland zurück. An seinen neuen Heimatorten, Baden-Baden und Paris, baut er einen illustrieren Freundeskreis auf, darunter Gustave Flaubert und Theodor Storm. Ivan Turgenev stirbt 1883 in Bougival bei Paris.
 
Ivan Turgenev (Turgenew) »
Theaterstücke (4)
Das Frühstück beim Adelsmarschall (Zavtrak u predvoditelja)
Deutsch von Peter Urban
von Ivan Turgenev
Aus dem Russischen von Peter Urban
Dieser lange Einakter ist eine Überraschung für jeden, der Turgenev nur als den Autor des MONATS AUF DEM LANDE kennt, als Vorläufer Èechovs und Begründer des psychologischen Theaters in Russland. DAS FRÜHSTÜCK BEIM ADELSMARSCHALL steht vielmehr in der Linie Gogol-Ostrovskij und ist, mit sechs prachtvollen Herren und einer nicht minder prachtvoll zickigen Alten, eine Sternstunde der russischen Charakterkomödie, die, 1849 uraufgeführt, nie aus dem Repertoire der klassischen russischen Dramatik verschwunden und oft mit Èechov-Einaktern kombiniert worden ist. Gezeigt wird ein Erbschaftsstreit, in dem jeder gegen jeden losgeht, aber alle an einer alten Tante scheitern, der keiner gewachsen ist: ein Glanzlicht der Gattung, "realistisch" und vollkommen absurd.
1D-10H
1D-10H




Ein Monat auf dem Lande (Mesjac v derevne)
Deutsch von Peter Urban
von Ivan Turgenev
Aus dem Russischen von Peter Urban
U der Übersetzung: Theater Baden-Baden 19. 4. 1984 R: Adam Hanuszkiewicz
Die trostlos-komische Geschichte einer reichen Gutsbesitzerin, die ein junger Hauslehrer in Verwirrung stürzt. Ivan Turgenev schrieb seine Tragikomödie mit 32 Jahren, 1850, gleich weit entfernt von der Blüte der klassisch-romantischen Dichtung und dem Realismus Cechovs oder Strindbergs.

"Eine Dramaturgie der realistischen Zeichnung seelischer Vorgänge und Bewegungen, innerer Spannungen findet hier ihren ersten und, auf Turgenevs Stücke bezogen, reifsten Ausdruck; sie bleibt in dieser Präzision in der russischen Bühnenliteratur jahrzehntelang unerreicht." (Peter Urban)
5D-8H
5D-8H




Eine Nacht im Gasthof Zum Dicken Wildschwein (Une Nuit à l'Auberge du Grand Sanglier)
Deutsch von Peter Urban
von Ivan Turgenev
Aus dem Französischen von Peter Urban
UA: Deutsches Theater Göttingen, 18.6.1993. R: Peter Kuhn
EINE NACHT IM GASTHOF ZUM DICKEN WILDSCHWEIN orientiert sich nicht nur stilistisch an den französischen Farcen und Vaudeville des 19. Jahrhunderts, es ist von Turgenev sogar in französischer Sprache geschrieben worden.
3D-8H
3D-8H




Gnadenbrot (Nachlebnik)
Deutsch von Peter Urban
von Ivan Turgenev
Aus dem Russischen von Peter Urban
U der Übersetzung: Deutsches Theater Göttingen, 11. 2. 1995. R: Michael Heicks
Turgenevs in Deutschland fast unbekannte Tragikomödie GNADENBROT changiert zwischen Ostrovskij und Cechov: zwei Akte, der eine Komödie, der andere fast Tragödie. Die Geschichte einer zynischen Demütigung als Unterhaltungsspiel ist erbarmungslose Kritik an einer Gesellschaft, die hinter den Privilegien des Reichtums ihre Leere versteckt.
Anlässlich der Uraufführung von Peter Urbans Übersetzung schrieb das Göttinger Tageblatt, es stelle sich "die Frage, wieso GNADENBROT (oder "Der Kostgänger", wie das Stück vor der Neuübersetzung durch Peter Urban hieß) eigentlich so selten auf deutschen Bühnen gespielt wird."
3D-10H
3D-10H