Hjalmar Söderberg
geboren 1869 in Stockholm. Nach einem kurzen Studienversuch an der Universität von Uppsala begann er als Journalist zuerst in Kristianstad und danach in Stockholm zu arbeiten, wo er 1897 eine feste Anstellung bei der Zeitung Svenska Dagbladet bekam. Sein erster Roman "Förvillelser" erschien 1895. Söderberg zog 1906 nach Kopenhagen, wo er sich vor allem der Religionsgeschichte und politischen Fragen widmete und 1941 starb.
geboren 1869 in Stockholm. Nach einem kurzen Studienversuch an der Universität von Uppsala begann er als Journalist zuerst in Kristianstad und danach in Stockholm zu arbeiten, wo er 1897 eine feste Anstellung bei der Zeitung Svenska Dagbladet bekam. Sein erster Roman "Förvillelser" erschien 1895. Söderberg zog 1906 nach Kopenhagen, wo er sich vor allem der Religionsgeschichte und politischen Fragen widmete und 1941 starb.
 
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Theaterstücke (2)
Abendstern (Aftonstjõrnan)
Deutsch von Walter Boehlich
von Hjalmar Söderberg
Aus dem Schwedischen von Walter Boehlich
"Abendstern" ist der Name eines Stockholmer Cafés. Die Gäste, ausschließlich wohlsituierte Bürger - dafür sorgt die Wirtin, Frau Dahlgren - vertreiben sich beim abendlichen Punsch die Zeit. Da ist der Doktor, der, den ehelichen Unstimmigkeiten ausweichend, seine Abende bei zahlreichen Gläsern Whisky und mit der Lektüre philosophischer Bücher verbringt; da sind der Fabrikant, der Apotheker und der Großhändler, die über ihre kleinen Geschichten in kleine Streitereien geraten; und da ist der alte Hofkämmerer, der ein Auge auf die Serviererin Vivan geworfen hat. Vivan, befreundet mit einem mittellosen Ingenieur, dem sie ab und zu Geld zusteckt und der ihr an diesem Abend als letztes, nicht verpfändetes Eigentum seinen Revolver zeigt, begegnet den Bemühungen des Hofkämmerers, sie mit hohen Trinkgeldern in sein Bett zu locken, mit müder Freundlichkeit. Nur seine Angebot eine Woche zuvor, ihr 50 Kronen zu geben, wenn sie mit ihm nach Hause käme, hat sie empört zurückgewiesen: "Der Herr Hofkämmerer sollte sich schämen." Er hat sich geschämt, versichert er ihr, als er am Abend ins Café kommt, und während der Doktor seinen Whisky trinkt und der Fabrikant wiederholt versucht, seine Geschichte zu Ende zu bringen, ordnet der Hofkämmerer Goldstücke in kleinen Stapeln auf den Tisch. Was das eigentlich war, weswegen er sich habe schämen sollen, fragt er Vivan, die die Goldstücke anstarrt und nichts Rechtes darauf zu antworten weiß und, als er bei 300 Kronen angelangt ist und sie ihr anbietet, einwilligt, mit ihm nach Hause zu gehen. Der Hofkämmerer triumphiert und belehrt Vivan, die hilflos auf seine Begleitung wartet, eines Besseren. "Hör zu, Vivan: Hast du dir wirklich einbilden können, daß du dreihundert Kronen für nichts bekommen solltest - für fast nichts? Nein, kleine Goldvivan! ..."
In der mitternächtlichen Caféhausatmosphäre wird dieses kleine schmutzige Spiel um Macht und Rache, um Verführbarkeit und Käuflichkeit zum hintergründigen Thema.
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Gertrud
Deutsch von Walter Boehlich
von Hjalmar Söderberg
Aus dem Schwedischen von Walter Boehlich
UA der Übersetzung: Deutsches Schauspielhaus Hamburg, 3.5.1980. R: Peter Palitzsch
Die ehemals gefeierte Sängerin Gertrud vereinsamt in der Vernunftehe mit einem Politiker. Leidenschaftslos leben sie, in der bürgerlichen Konvention erstarrt, dahin. Bis sie beschließt, ihren schon länger gefassten Entschluss in die Tat umzusetzen: sie will sich trennen und so ganz und gar zu ihrer tiefen Liebe zu einem jüngeren Dichter bekennen. Vom ihm jedoch naht Verrat: er prahlt in der Öffentlichkeit bereits mit der Eroberung der begehrten Dame. Die Schilderung eines Herrenabends, an dem ihr Liebhaber ihren Namen öffentlich nannte, stürzt sie in eine existentielle Krise. Auch von ihm wird sie sich trennen. Doch zu ihrer Empfindung steht sie - denn Gertrud ist entbrannt.

Unter den fesselnden Frauenfiguren der modernen skandinavischen Literatur, wie es auch Ibsens Nora oder Strindbergs Julie sind, ist Gertrud mit ihrem unermüdlichen und konsequenten Drang nach Selbstbestimmung die heutigste.
Botho Strauß schrieb über Söderbergs Stück:
"Man liest heute deutlicher die bittere Konsequenz, das Ende des Stücks von Anfang an. Das Resultat einer nicht bedingungslos verfolgten Leidenschaft. Das Drama, daß die Liebe kein Drama mehr ist. Sondern nur ein furioser Zwischenfall auf dem sicheren Weg in die Vereinzelung."
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