Kevin Rittberger

geboren 1977 in Stuttgart, lebt in Berlin. Nach dem Studium der Neueren Deutschen Literatur, Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der Freien Universität Berlin, folgten ab 2004 Arbeiten als Autor und Regisseur u.a. am Staatstheater Stuttgart, Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, Deutschen Theater Berlin, Schauspielhaus Wien und Schauspiel Frankfurt. weiterlesen »

geboren 1977 in Stuttgart, lebt in Berlin. Nach dem Studium der Neueren Deutschen Literatur, Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der Freien Universität Berlin, folgten ab 2004 Arbeiten als Autor und Regisseur u.a. am Staatstheater Stuttgart, Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, Deutschen Theater Berlin, Schauspielhaus Wien und Schauspiel Frankfurt.

Auszeichnungen:

2010 Kurt-Hübner-Regiepreis
2011 Nominierung für den Mülheimer Dramatikerpreis
2012 JÜRGEN BANSEMER & UTE NYSSEN DRAMATIKER PREIS

Stipendien:

2008 Kunststiftung Baden-Württemberg
2009 Deutscher Literaturfonds
2009 Hans-Gratzer-Stipendium
 
Kevin Rittberger »
Theaterstücke (10)
Candide. Acting in Concert
Sechs Neuanfänge nach Voltaire
von Kevin Rittberger
UA: Düsseldorfer Schauspielhaus, 1.3.2013. R: Kevin Rittberger
Am Ende seines Kurzromans "Candide" versammelt Voltaire seine Hauptfiguren als gestrandete Gestalten auf einem Bauernhof am Bosporus. Hinter ihnen liegt eine Odyssee durch die globalen Katastrophen des 18. Jahrhunderts. Und vor ihnen? Mit einem lapidaren "Wir müssen den Garten bestellen" lässt Voltaire seinen Helden den Roman beschließen und damit alle Fragen offen. In seiner Auseinandersetzung mit "Candide" setzt Kevin Rittberger bei diesen letzten Zeilen an und nimmt Voltaires vage Aufforderung zu einem Neuanfang ernst. Sein Stück untersucht in sechs Sequenzen Möglichkeiten, der Resignation zu entgehen und mit den Mitteln des Theaters, des Tanzes, der Kunst und der Musik gemeinsame Handlungsoptionen zu finden.
2D-3H (+ 1 Tänzer/in - 1 Musiker/in)
2D-3H (+ 1 Tänzer/in - 1 Musiker/in)




Fast Tracking oder Der Tod der Kunqu-Oper
von Kevin Rittberger
UA: Deutsches Schauspielhaus Hamburg, 09.11.2008. R: Kevin Rittberger
Was hat eine 500 Jahre alte Kunqu-Oper auf einer Kulturindustriemesse verloren – vor allem, wenn die 19-stündige Originalfassung auf fünf Minuten gekürzt werden soll. Politisch betrachtet handelt Kevin Rittbergers Stück von der Dynamik und Ungleichzeitigkeit der Globalisierung – theatralisch gesehen ist es eine sehr temporeiche Szenenfolge, die in China spielt, zwischen Kunqu-Darstellern, kanadischen Managern und chinesischen "Dreifachmädchen" – kühn, klug, witzig gedacht und geschrieben.
1D-2H (auch größer besetzbar)
1D-2H (auch größer besetzbar)




Kassandra oder Die Welt als Ende der Vorstellung
von Kevin Rittberger
UA: Schauspielhaus Wien, 1.4.2010. R: Felicitas Brucker
An Spaniens Küsten spielt sich ein alltägliches Drama ab: Halb verdurstete Flüchtlinge aus Afrika stranden in völlig überladenen Booten, in der Hoffnung, in Europa ein würdevolles Leben führen zu können. Viele haben eine jahrelange Odyssee hinter sich, nur um gleich wieder zurückgeschickt zu werden. Dabei haben sie noch Glück gehabt, denn sie leben noch. Die Zahl der Namenlosen, die unterwegs qualvoll sterben, kennt niemand. Davon handelt KASSANDRA ODER DIE WELT ALS ENDE DER VORSTELLUNG. Und zugleich handelt das Stück von der Schwierigkeit, diesem Thema als Europäer gerecht zu werden. Wie schreibt man darüber, wie berichtet man? Was weiß man überhaupt? Und was will man wissen? Kevin Rittberger sucht in seinem Stück die Antwort im Wechsel von Perspektiven und Erzählformen: Es gibt ein Brecht’sches Lehrstück über die bewegenden Umstände einer Flucht, verbürgte Interviews und fiktive Verhöre; und es gibt die Geschichte zweier Journalisten und einer Übersetzerin, die im Ringen um einen "neuen Blick" an ihre eigenen äußersten Grenzen gehen.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




Kimberlit. Ein Bestiarium
von Kevin Rittberger
Das Werk wurde gefördert von der BHF-Bank-Stiftung, Frankfurt am Main
UA: Schauspiel Frankfurt, 1.2.2013. R: Samuel Weiss
Ein geheimnisvoller Falke zieht am Himmel seine Kreise. Seine wachsamen Augen sind auf die Erde gerichtet, auf ein zerfallendes Europa, auf nordafrikanische Diamantenjäger, auf fliegende Tiger, rollende Füchse und Leoparden, die deutschen Exportschlager der Rüstungsindustrie. Und auf eine kleine Reisegruppe, die sich auf den abenteuerlichen Weg in die Wüste macht. Aber wer ist der Jäger, wer der Gejagte? Das Bestiarium führt durch einen globalen Zoo der Kampfmaschinen, durch eine Welt, in der durch die Jagd die maßlose Gier und Dekadenz des Menschen offenbart werden.
1D-3H (auch größer besetzbar)
1D-3H (auch größer besetzbar)




Lasst euch nicht umschlingen ihr 150 000 000!
Eine anarcho-kommunistische Spurensuche in trei (sic!) theatralen Teilen
von Kevin Rittberger
UA: Ruhrfestspiele Recklinghausen/Schauspiel Frankfurt, 26.5.2012/2.6.2012. R: Kevin Rittberger
Teil I: Hier und heute. Das Model, der Fotograf und die Assistentin wollen "on location" Robert Capras berühmtes (als gestellt entlarvtes) Foto vom "Fallenden Soldaten" nachstellen und landen in einer Bananenplantage. Die Uneigentlichkeit ist auf die Spitze getrieben in dieser slapstickartigen Szene; nicht der Politik, der Werbung gelten die Kampagnen unserer Zeit. Zur Besinnung kommen die drei erst, als sie sich vor einem Insektizidnebel blind, taub und sprachlos auf die Palmen flüchten. Gleichzeitig: Ein Steinalter Mann, der Losglück verkauft, räsoniert auf der Suche nach dem echten Glück über Revolution, Neuanfang und die ideale Lebensform. Aber: wer würde uns "auf Null setzen?" und würden wir "das wollen?"
Teil II: Ein anderer Planet. Vergangenheit oder Zukunft. Der Steinalte Mann landet als staunender Reisender in einer vollendeten kommunistischen Gesellschaft à la William Morris. Ist das das Glück?
Teil III: Sommer 2011, Tunesien im Aufbruch, im Umbruch. Ein Tagebuch beschreibt die Suche nach dem Keim der "neuen Zeit". Wie ist Demokratie möglich?
2D-3H (auch größer besetzbar)
2D-3H (auch größer besetzbar)




Mulian rescues Mother Earth
von Kevin Rittberger
UA: Sun Son Theatre Taipei/Taipei Arts Festival, 15.8.2014 (Wellspring Theater). R: Kevin Rittberger
"The performance contains nudity and acts of violence and explosion. Parental discretion is advised" – diese Warnung stellt das Taipei Arts Festival den Aufführungen von Kevin Rittbergers Stück MULIAN RESCUES MOTHER EARTH voran, das der Autor für das Sun Son Theatre geschrieben und inszeniert hat. Premiere war am 15.8.2014 im Wellspring Theater in Taipeh. In seinem Zukunftsmärchen nach einem alten buddhistischen Stoff fragt Rittberger nach den politischen und gesellschaftlichen Werten in einer veränderten Welt: Die Menschen leben in kleinen autarken Einheiten, die global vernetzt sind, alle Heilmittel für moderne Zivilationskrankheiten kennen und wissen, wie man burn-out, Überproduktion, Ungleichheit und Umweltverschmutzung begegnet. Mulian lebt in einer Gemeinschaft aus 30 Mitgliedern, im allabendlichen Schattentheater wird Mulians Heldengschichte der Rettung seiner Mutter, bei Rittberger metaphorisch: Mutter Erde, gespielt, doch das Spiel im Spiel wird für Mulian Realität und die Frage ist: Kann die neue Gemeinschaft damit umgehen? Wie geht sie überhaupt um mit Sonderlingen und Abweichlern?
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




PEAK WHITE oder Wirr sinkt das Volk
von Kevin Rittberger
UA: Theater Heidelberg, R: Kevin Rittberger / Deutsches Theater Göttingen, R: Katharina Ramser, jeweils 30.9.2016
An fahrbaren Infusionsständern trippeln und schlurfen ein paar alte weiße Männer auf dem Gang eines Pflegeheims. Von wem oder was werden sie gepflegt, wenn die letzte Pflegerin ihren Dienst quittiert? Und wer pflegt die deutsche Kultur, wenn die letzte Burschenschaft der Vergangenheit angehört? Sind die alten weißen Männer die letzten ihrer Art? Ist das Schreckensszenario der Neuen Rechten eingetroffen, der "große Austausch" des Volkes längst vollzogen? PEAK WHITE geht Ängsten und Feindbildern nach und versucht, unsere Gegenwart aus der Zukunft zu betrachten. Auf der Suche nach Heimat, Identität und Versöhnung geraten die Figuren in einen Strudel, der kein Innen und Außen mehr kennt.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




PLEBS CORIOLAN. Eine Räuberpistole
von Kevin Rittberger
UA: Schauspielhaus Wien, 12.4.2013. R: Kevin Rittberger
In einem aristokratischen Salon unternehmen vier "Ausheger" den Versuch, die Dame des Hauses ohne größere Gewaltanwendung um ihren Besitz zu bringen. "Aushegen" also "Neuverteilen" ist das Stichwort. Die Dame des Hauses hegt unerwartete Sympathie für die "jungen Idealisten", ganz im Gegensatz zum Notar und "Freund des Hauses", und so wird das anfänglich harmlose Gewaltszenario unversehens zu einem ernsten Spiel um die Wahrheit der Besitzverhältnisse: "Man kann doch auch zuerst fragen und wenn es nicht klappt, kann man immer noch das Messer zücken, nein?"
Während William Shakespeare zu Beginn des 17. Jahrhunderts seinen "Coriolanus" schreibt, finden auf dem Land sogenannte "Enclosure Riots" statt - Bauernaufstände gegen die Einhegung von Allmende. PLEBS CORIOLAN - eine Auftragsarbeit für das Schauspielhaus Wien - ist keine "Aktualisierung", keine Adaption des berühmten Stücks, sondern eine Neuformulierung ohne Kriegsheroismus und Erobererpose. Kevin Rittberger lässt seine "Ausheger" ein heutiges Gegenmodell praktizieren. Es geht um die Eigentumsfrage und darum herauszufinden, ob ein Szenario der freiwilligen Kollektivierung denkbar erscheint. Wem gehört was? Wer braucht was? Und wer gibt etwas freiwillig aus der Hand? Ist es auf der anderen Seite unabwendbar, Gewalt anzuwenden, um die Besitzverhältnisse zu verteidigen?
3D-3H
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Puppen
von Kevin Rittberger
UA: Schauspielhaus Wien, 6.10.2011. R: Robert Borgmann.
DE: Düsseldorfer Schauspielhaus, 15.12.2011. R: Kevin Rittberger.
PUPPEN ist ein absurd-traumwandlerischer, polyphoner Stimmköper, in dem neben dem Klandestino auftreten: die Frau, die vom Schwindel überfallen wird, die Frisörin, die vollständig von der Sonne verbrannt ist, der Fleischer, der hinter der Auslage steht auch ohne Fleisch, und der Chor, der die Arbeit abschafft.
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Radio Cooperativa
von Kevin Rittberger
UA: Nationaltheater Weimar, 8.11.2014. R: Jakob Fedler
Im Jahr 2040 wird die Temperatur gestiegen sein. Angenommen, die deutsche Kultur- und Industrienation wird zu Grunde gegangen sein und nur noch einzelne transnationale Konzerne übrig gelassen haben. Würden die Menschen rebellieren, wenn ein chinesischer Konzern ihre Wälder abholzt und durch Plantagen ersetzt? Was bedeutet es in naher Zukunft, die Heimat zu verteidigen? Den Alten, den Jungen? Oder wird es einen neuen Fluchtpunkt geben? Wie könnte etwa ein neues, südamerikanisches Utopia auf die deutschen Verhältnisse zurückspiegeln? Wird die blindwütige Rebellion eines Jugendlichen genügen, um das Bild einer kommenden Gesellschaft hierzulande zu zeichnen? Werden Bilder, Räume und Zeiten ineinander stürzen oder zu einer neuen Klarheit führen? Was wird mit den Ewiggestrigen passieren, den Reaktionären und Zynikern, den von der Geschichte Enttäuschten und Abgewandten? Und wie werden sie mit den anderen ihr Auskommen haben, den Spirituellen, Arglosen und Unnachgiebigen?
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