Jean Racine

geboren 1639 in La-Ferté-Milon. Nach dem Tod seiner Mutter, seines Vaters und seines Großvaters nahm ihn 1649 seine Großmutter in ein jansenitisches Kloster mit, wo er fortan lebte und zur Schule ging. Trotz eines erfolgreichen Studiums von 1653 bis 1659 war er von den Repressionen gegen die Janseniten betroffen. Racine machte die Bekanntschaft einiger einflussreicher Männer, darunter Jean de la Fontaine, die ihn in die literarische-höfische Welt einführten. Als seine Familie ihn auf das... weiterlesen »

geboren 1639 in La-Ferté-Milon. Nach dem Tod seiner Mutter, seines Vaters und seines Großvaters nahm ihn 1649 seine Großmutter in ein jansenitisches Kloster mit, wo er fortan lebte und zur Schule ging. Trotz eines erfolgreichen Studiums von 1653 bis 1659 war er von den Repressionen gegen die Janseniten betroffen. Racine machte die Bekanntschaft einiger einflussreicher Männer, darunter Jean de la Fontaine, die ihn in die literarische-höfische Welt einführten. Als seine Familie ihn auf das Priesteramt vorbereiten wollte, brach er aus und ging nach Paris. Durch ein Gedicht auf den König erlangte Racine 1664 eine Pension, die es ihm erlaubte, sich trotz zunächst nur mäßiger Erfolge dem Schreiben zu widmen. Mit ANDROMACHE gelang ihm 1667 der Durchbruch und er erlangte Zugang zum Hof. In der Zeit von 1668 bis 1676 befand sich Racine auf der Höhe seiner Schaffenskraft. Nach einem kleineren Misserfolg zog er sich in den Jahren von 1677 bis 1690 weitgehend von der Theaterarbeit zurück, diverse Ämter bei Hofe brachten ihm aber ein kleines Vermögen sowie den Adelsstand ein. Nachdem er sich öffentlich für den Jansenismus einsetzte, wurde er vom Hofe verbannt. Jean Racine starb 1699 in Paris.
 
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Theaterstücke (6)
Andromache
In einer Fassung von Luk Perceval und Peter Perceval
Deutsch von Rainer Kersten
Nach Racine von Luk und Peter Perceval
Aus dem Flämischen von Rainer Kersten
UA: Het Toneelhuis Antwerpen, 03.10.2002. R: Luk Perceval
DSE: Schaubühne am Lehniner Platz Berlin, 3.12.2003. R: Luk Perceval
Der Trojanische Krieg: der Kriegsheld Hektor wird von Pyrrhus, dem jungen König von Epirus, in der Schlacht getötet und die Stadt Troja von den Griechen restlos zerstört. Andromache, die Witwe Hektors, und ihr kleiner Sohn Astyanax werden von Pyrrhus, der sich unsterblich in die Trojanerin verliebt hat, nach Kriegsende gefangen genommen und nach Epirus verschleppt. Pyrrhus, seit langem der Griechin Hermione, die ihn innig liebt, versprochen, umwirbt Andromache hartnäckig. Es folgt ein jahrelanges, zermürbendes Ringen um ihre Liebe. Dann trifft der Grieche Orest, der Sohn Agamemnons, in Epirus ein. Er ist von seinem Volk beauftragt, Astyanax, den einzigen Erben Trojas, umzubringen und somit einer möglichen Blutrache vorzubeugen. Doch Orest hat auch einen privaten Grund für die Reise nach Epirus: Er sehnt sich nach Hermione, seiner Jugendliebe. Pyrrhus wittert seine Chance und bietet Andromache an, ihren Sohn zu beschützen, wenn sie ihn heiratet.

Mit Jutta Lampe in der Titelrolle kam die ANDROMACHE-Fassung von Peter und Luk Perceval (deutsch von Rainer Kersten) an der Berliner Schaubühne zur Deutschsprachigen Erstaufführung.
2D-3H (2 D - 3 H)
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Andromache (Andromaque)
Deutsch von Simon Werle
von Jean Racine
Übersetzung in Versen von Simon Werle
UA der Übersetzung: Bayerisches Staatsschauspiel München, 9.10.1994. R: Thomas Reichert
Für seine Racine-Übersetzungen erhielt Simon Werle den Celan-Preis, "weil seine Übertragung Racinescher Theaterstücke, die seit Lessing im deutschsprachigen Raum für nahezu unübersetzbar und unaufführbar galten, in eine angemessene deutsche Tragödiensprache hohe Maßstäbe setzt" (aus der Begründung der Jury).
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Berenike (Bérénice)
Deutsch von Simon Werle
von Jean Racine
Übersetzung in Versen von Simon Werle
UA der Übersetzung: Theater Neumarkt, Zürich, 26.11.1997. Regie: Jean-Francois Pesenti
Für seine Racine-Übersetzungen erhielt Simon Werle den Celan-Preis, "weil seine Übertragung Racinescher Theaterstücke, die seit Lessing im deutschsprachigen Raum für nahezu unübersetzbar und unaufführbar galten, in eine angemessene deutsche Tragödiensprache hohe Maßstäbe setzt" (aus der Begründung der Jury).
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Britannicus (Britannicus)
Deutsch von Simon Werle
von Jean Racine
Übersetzung in Versen von Simon Werle
UA der Übersetzung: Bayerisches Staatsschauspiel München, 26.09.1987. R. Volker Hesse
Für seine Racine-Übersetzungen erhielt Simon Werle den Celan-Preis, "weil seine Übertragung Racinescher Theaterstücke, die seit Lessing im deutschsprachigen Raum für nahezu unübersetzbar und unaufführbar galten, in eine angemessene deutsche Tragödiensprache hohe Maßstäbe setzt" (aus der Begründung der Jury).
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Mithridates (Mithridate)
Deutsch von Simon Werle
von Jean Racine
Übersetzung in Versen von Simon Werle
UA der Übersetzung: Stadttheater Gießen, Juni 2000. R: Julia Afifi
Für seine Racine-Übersetzungen erhielt Simon Werle den Celan-Preis, "weil seine Übertragung Racinescher Theaterstücke, die seit Lessing im deutschsprachigen Raum für nahezu unübersetzbar und unaufführbar galten, in eine angemessene deutsche Tragödiensprache hohe Maßstäbe setzt" (aus der Begründung der Jury).
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Phädra (Phèdre et Hippolyte)
Deutsch von Simon Werle
von Jean Racine
Übersetzung in Versen von Simon Werle
UA der Übersetzung: Münchner Kammerspiele, 28.03.1987. R: Alexander Lang
Eine brennende, verzehrende Liebe steht am Beginn der Geschichte, die von Verleumdung, Rache, Mord und überschäumenden Gefühlen erzählt. Phädra, Frau des Königs von Athen, ist verliebt in ihren Stiefsohn Hippolytos. Als sie erfährt, dass ihr Mann in der Fremde gestorben ist, gesteht sie dem Sohn diese verbotene Leidenschaft. Hippolytos aber weist sie zurück, seine Liebe gehört Aricia. Eine verbotene Liebe auch dies, denn Aricia besitzt Ansprüche auf den Thron und wird deshalb von Hippolytos’ Vater gefangen gehalten. Doch die Schraube dreht sich weiter, der tot geglaubte Vater und Ehemann kehrt zurück: Ein Feldzug der Vergeltung und des Sterbens beginnt.

Für seine Racine-Übersetzungen erhielt Simon Werle den Celan-Preis, "weil seine Übertragung Racinescher Theaterstücke, die seit Lessing im deutschsprachigen Raum für nahezu unübersetzbar und unaufführbar galten, in eine angemessene deutsche Tragödiensprache hohe Maßstäbe setzt" (aus der Begründung der Jury).

"Eine auf der Bühne lebensfähige deutsche Übertragung Racines muss darauf verzichten, in der sprachlichen Gestaltung die spezifische Regelhaftigkeit der französischen Klassik nachzubilden: der Alexandriner gerät in der akzentuierenden Metrik des Deutschen zu einer Zwangsjacke des Verses, die Verwendung des Paarreims streift gar zu schnell die Zone unfreiwilliger Parodie. In der hier vorliegenden deutschen Fassung der PHÄDRA tritt an die Stelle des Alexandriners ein vorwiegend jambischer, zwischen zehn und vierzehn Silben zählender Vers, der eher durch den Rhythmus als durch ein starres metrisches Schema geprägt ist. Die Flexibilität des Metrums und der Zäsuren ermöglicht es, in gebundener Rede eine Vielfalt von situationsunabhängigen Spannungsbögen zu schaffen, ohne durch formale Zwänge in die Künstelei archaisierender Sprachdressur zu verfallen. Dabei bedeutet die Lockerung des metrischen Schemas keinerlei Öffnung gegenüber (pseudo)poetischer Willkür; sie liefert vielmehr den unabdingbaren Freiraum, in dem sich in ihrer eigenen sprachlichen Konsequenz die Individualität der Übertragung entfalten kann, und die Chance, bei wortgetreuer Wiedergabe des Originals eine unmittelbare Evidenz des deutschen Höreindrucks zu erreichen." (Simon Werle)
5D-3H
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