© Barbara Schlüter
Horst Wolf Müller
geboren 1935 in Langenbielau (Schlesien). Studium der Germanistik und Anglistik in München, Münster und Kansas (USA). Volontariate beim Süddeutschen Rundfunk und beim Deutschlandfunk. Mitarbeit bei einer Monatszeitschrift und beim Contra-Kreis-Theater in Bonn. Lebt in Bonn.
geboren 1935 in Langenbielau (Schlesien). Studium der Germanistik und Anglistik in München, Münster und Kansas (USA). Volontariate beim Süddeutschen Rundfunk und beim Deutschlandfunk. Mitarbeit bei einer Monatszeitschrift und beim Contra-Kreis-Theater in Bonn. Lebt in Bonn.
 
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Theaterstücke (6)
Doktor Potemkin
von Horst Wolf Müller
UA: Stadttheater Konstanz, 30.11.1988. R: Markwart Müller-Elmau
Der Einfall ist bestechend: Da ist einer ganz jung aus der DDR in die Bundesrepublik gekommen, studiert hier an der rheinischen Universität und hält den Vater über seine Westkarriere postalisch auf dem Laufenden. Und die verläuft, glaubt man seinen Briefen, stetig und steil. Der Vater, inzwischen im Rentenalter, wird seinen Sohn im Westen besuchen, stolz und voller Erwartungen, die nicht enttäuscht werden dürfen. Dies ist die Geburtsstunde des Doktor Potemkin: Der Sohn wird mit seinen Freunden aus seinem erfundenen, erfolgreichen Leben im Westen Wirklichkeit machen. Doktor Potemkin erfindet für den Vater ein Doppelleben mit geliehener Frau und gemietetem Wagen, zugleich aber erfinden Potemkin und seine Freunde für den DDR-Menschen eine West-Wirklichkeit, wie sie den Vorstellungen des Vaters nur allzu sehr entsprechen mag. Und wenn sich dann für den Zuschauer herausstellt, dass auch der väterliche Alt-Genosse nicht der ist, als der er sich immer dem Sohn gegenüber ausgegeben hat, dann ist diese Komödie auch eine über unsere Vorstellungen von Ost und West.
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Komarek
von Horst Wolf Müller
Staatstheater Karlsruhe, 04.10.1986. R: Hagen Mueller-Stahl
Eine Großstadtgeschichte, die um 1932/33 spielt und in deren Mittelpunkt die Familie Komarek steht. Die Komareks sind durchschnittliche Kleinbürger, die glauben, wenigstens zu Hause ohne Politik auskommen zu können. Am Ende werden aber auch sie vom Faschismus überrollt. Das Stück zeigt, wie Menschen, ohne ausdrücklich Befürworter zu sein, das Dritte Reich durch ihr Verhalten doch ermöglichten.
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Schedlhöfen
von Horst Wolf Müller
UA: Städtische Bühnen Regensburg, 13.03.1987. R: Volkmar Kamm
Eine unspektakuläre, eindringliche Geschichte aus der Nachkriegszeit: Flüchtlinge versuchen, in einem Oberpfälzer Dorf Fuß zu fassen, doch die Einheimischen begegnen ihnen mit Misstrauen und unverhohlener Abneigung. Wie durch ein Kaleidoskop macht der Autor Konflikte sichtbar, die gerade heute wieder aktuell sind.
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Stoapfalz
von Horst Wolf Müller
UA: Modernes Theater Tirschenreuth, 10.07.2003. R: Nikol Putz
Stoapfalz ("Steinpfalz") heißt die ländliche Gegend am Rande des Bayerischen Walds. Es ist 1945, die Amerikaner stehen bereits vor dem Nachbardorf. Doch der Krieg ist noch nicht vorüber und die Kapitulation in der Provinz kein leichtes Unterfangen, wenn man – fernab der großen Städte – nicht weiß, ob Hitler noch lebt. Unsicherheit und Zukunftsängste prägen die Atmosphäre in Horst Wolf Müllers Stück: Angst vor den Veränderungen; Angst auch vor allem Fremden. So muss sich der Bauer Rettlingshöfer nicht nur mit seiner Frau auseinandersetzen, die sich seit vielen Tagen in ihrem Zimmer eingeschlossen hat, sondern auch mit den Flüchtlingen und Heimatvertriebenen, die ins Dorf kommen. Seine Tochter Resl hat im Krieg ihre große Liebe verloren. Nun hat sie sich in den Polen Stefan Gutarski verliebt, der den Stoapfälzern zwar als billige Arbeitskraft willkommen ist, doch als Mensch ein Fremder bleibt. Es ist ein "g’schlampertes" und unziemliches Verhältnis zwischen Resl und Stefan, glücklich zwar, aber nicht duldbar in den Augen der Dorfbewohner. Deshalb hat Gusti, eine alte Jungfer aus dem Ort, leichtes Spiel. Mit Lügen und Verleumdungen weiß sie die bestehenden Ressentiments und Eifersüchteleien unter den Einheimischen zu nutzen und sorgt dafür, dass Stefan vom Hof gejagt wird.
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Und wie die Welt so weit
von Horst Wolf Müller
UA: Stadttheater Konstanz, 20.03.1985. R: Markwart Müller-Elmau
Ein talentierter junger Mann begrüßt den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in der Hoffnung, sich nun alle privaten Träume erfüllen zu können. Obwohl er nur gut und in Frieden leben möchte, akzeptiert er den Krieg als Möglichkeit für einen persönlichen Neuanfang. Müller beschäftigt sich in diesem Stück mit den psychischen Voraussetzungen und sozialen Bedingungen für die Bereitschaft zum Krieg.
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Westwind
von Horst Wolf Müller
1953 in einer bayerischen Kleinstadt: Eine Gruppe von ehemaligen Schlesiern und Sudetendeutschen baut in ihrer neuen Heimat eine große Holzbaracke zu einem schlesischen Jugendhaus aus. In der Gesellschaft, in ihren gemeinsamen Erinnerungen versuchen sie zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Und sie versuchen ihr Heimweh weiterzugeben an die Kinder, die eher in der Gegenwart leben als in die Vergangenheit träumen. Wenn nun diese Jungen und Mädchen in der Baracke ihr Frühlings-Erwachen erleben, ist das auch ein Bild für das Erwachen der noch jungen Republik, in der sie leben. Aber was kommt danach, wenn das Alte stirbt?
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