Elfriede Müller

geboren 1956 in Dippenweiler an der Saar. Ballettausbildung in Frankfurt, Schauspielausbildung an der Hochschule der Künste in Berlin. Mitbegründerin des Berliner »Theaters zum westlichen Stadthirschen«. Gastengagements am Schauspiel Frankfurt. Ab 1984 kontinuierliche Zusammenarbeit mit der Choreographin Vivienne Newport. Seit 1987 freie Autorin. Mit den BERGARBEITERINNEN machte sie 1988 auf sich aufmerksam. Das Erstlingswerk wurde in der Freiburger Ur-Inszenierung sogleich zu den Mülheimer... weiterlesen »

geboren 1956 in Dippenweiler an der Saar. Ballettausbildung in Frankfurt, Schauspielausbildung an der Hochschule der Künste in Berlin. Mitbegründerin des Berliner »Theaters zum westlichen Stadthirschen«. Gastengagements am Schauspiel Frankfurt. Ab 1984 kontinuierliche Zusammenarbeit mit der Choreographin Vivienne Newport. Seit 1987 freie Autorin. Mit den BERGARBEITERINNEN machte sie 1988 auf sich aufmerksam. Das Erstlingswerk wurde in der Freiburger Ur-Inszenierung sogleich zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen. In den darauffolgenden Jahren entstanden sieben weitere Theaterstücke.

Auszeichnungen:

1990 Preis der Frankfurter Autorenstiftung
 
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Theaterstücke (8)
Brautbitter
von Elfriede Müller
UA: Theater am Neumarkt, Zürich, 26.05.1993. R: Friederike Vielstich
In einem kleinen Saal eines Restaurants sitzen trübsinnig die beiden letzten Gäste eines Leichenmahls, der Psychiater Nemitz und sein alter Freund Sensheim, Makler von Beruf. Die Dame, die sie zu Grabe getragen haben, hielt es mit beiden gleichzeitig – diese neue Erkenntnis macht den Männern mächtig zu schaffen. Da erscheint eine buntgewürfelte Hochzeitsgesellschaft, die im Nebenraum feiern will: Türen fliegen, Musik dröhnt, Konfetti, Brautwalzer, Geschenke, Gedichte, Anzüglichkeiten, allgemeines Besäufnis. Nur der Braut wird inmitten der lärmenden Gesellschaft etwas wirr ums Herz, und sie verkriecht sich vor dem Getöse für ein Weilchen zu den beiden trauernden Männern. Bitter wird es der Braut bei den vielen Fragen – wer hier wen liebte und warum und wie lange, und was danach geschieht. Ein echtes Ensemblestück.
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Damenbrise
von Elfriede Müller
UA: Literaturhaus Berlin, 16.07.1989. R: Rolf Mautz/Elfriede Müller
"Es ist mit dem Theater wie mit der Liebe. Man muss sich nur weit genug hinein begeben, dann hinterlässt es auch Spuren", behauptet der Regisseur in DAMENBRISE, wo wir Zuschauer eines amüsanten Gesprächs übers Theater werden: jener Ort, der angefüllt ist von Täuschungen und Lügen, von Tricks und Eitelkeiten. Alfred Glanz scheint sich für die übrige Welt wenig zu interessieren, nur was sich davon mit seinem Denken und Fühlen vereinbaren lässt, wird von ihm wahrgenommen. Ein alter Theaterhase, ein Egozentriker, dem das eigene Gefühl zum Maßstab aller Dinge gerät. Wäre da nicht Gloria Anders: "Nur auf der Bühne wird man sich selber los. Nur die fremden Rollen, die fremden Worte rufen die Erinnerungen und dämpfen zugleich den Schmerz der Erinnerung. Nur auf der Bühne kann man die eigene Traurigkeit in fremdes Leben verwandeln, als wäre es nicht die eigene. Soll ich Ihnen sagen, warum die Menschen ins Theater gehen, egal, wie schlecht es ist: Weil sie sehen wollen, wie man Verzweiflung in eine große, starke Rolle verwandelt." Ist es so einfach oder doch ganz anders? Und am Ende sind wir mit dem Schlagabtausch übers Theater mitten im Theater selbst gelandet.
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Die Bergarbeiterinnen
von Elfriede Müller
UA: Städtische Bühnen Freiburg, 19.02.1988. R: Hagen Mueller-Stahl
DIE BERGARBEITERINNEN spielt auf einem Berg im Saarland. Dorthin, zu ihrer Familie, kehrt die junge Schauspielerin Kali auf der Suche nach ihrer Heimat zurück. Doch was sie findet, sind Frauen aus drei Generationen, die sich am Berg und in ihren Beziehungen abrackern, deren Alltag aus zögernden Versuchen sich aufzulehnen, aus einer Summer von kleinen Niederlagen besteht.
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Die Touristen
von Elfriede Müller
UA: Theater Oberhausen, 28.02.1997. R: Klaus Weise
Das Stück selbst befasst sich in grotesker Zuspitzung mit den Sehnsüchten, dem Hass und der Langeweile dreier Paare, die im Urlaub – Bretagne und Bali – aufeinander stoßen und sich dort, an exotischem Ort, in ihren verzweifelten Selbstinszenierungen gegenseitig heftig auf die Nerven gehen. Da muss es dann – naturgemäß – zum zwanghaften Flirten kommen, auch zu demonstrativen Seitensprüngen, nach dem allzu bewährten Motto "Hat ja gar nicht weh getan" – vermeintlich rauschhaft ausgeführt hinter der dünnen Badezimmerwand eines Mittelklassehotels.
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Glas
von Elfriede Müller
UA: Düsseldorfer Schauspielhaus, 12.06.1990. R: Fred Berndt
Eine Partygesellschaft muss Silvester hinter sich bringen – und zwar im Rahmen eines "Betriebsausflugs". Die Firma "Porzellan & Sanitär Prometas" feiert sich selbst. Es ist ihr gelungen, ihre Teller und Tassen zu "persönlichkeitsdefinierenden Produkten" hochzustilisieren, aber ihren Angestellten hat der Kampf um Erfolg und gutes Image heftig zugesetzt. Der Zeiger rückt unerbittlich vor, der Alkoholpegel steigt, und endlich ist die Zeit der großen Bekenntnisse gekommen. Im Make-up zeigen sich Sprünge, die sorgfältig konservierten Fassaden bröckeln. Erst wird die mit Lachs und Carpaccio lockende Tafel abgeräumt, dann fallen die Gäste übereinander her. Eine böse, traurige Komödie über die brüchige Oberflächlichkeit unserer Verwertungs-Gesellschaft. Mit acht gleichwertigen Rollen.
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Goldener Oktober
von Elfriede Müller
UA: Landestheater Tübingen, 20.04.1991. R: Dieter Bitterli
GOLDENER OKTOBER spielt 1990 in Berlin, an der Schnittstelle zwischen Ost und West, im ehemaligen Niemandsland. Dort jagen die Figuren Elfriede Müllers ihren Zukunftsträumen nach: ein Kaufhausdetektiv aus dem Westen, die Stripperin Silke Schnee aus dem Osten, der reiche Onkel aus Göttingen und ein bärbeißiger junger Mann aus dem Umfeld des Neuen Forum.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




Herrengedeck
von Elfriede Müller
UA: Staatstheater Darmstadt, 01.02.1992. R: Rolf Mautz
In HERRENGEDECK treffen wir auf zwei alte Schauspieler. Der Ort ist die Bühne, ein ziemlich öder Vorplatz des Theaters. Ihnen, den Schauspielern, wollen auf einmal die echten Worte, als wären sie die eigenen, nicht mehr gelingen. Aus ihren Rollen heraus gefallen, präsentieren sich die beiden Alten als private Existenzen. Und wir, die Zuschauer, blicken plötzlich ins Herz der alten Maschine Theater und in die Seelen derer, die sie am Laufen halten: Kampf, Ehrgeiz, Opportunismus, Abhängigkeit, aber auch die unbändige Lust am Spiel und die ewige Sehnsucht nach Freiheit. Hier stellen sich Lüge und Wahrheit, Wahn und Witklichkeit, Charge und Selbstentblößung gegenseitig Fallen, bis am Ende der Angang wieder auftaucht. Aber da ist Schluss mit dem "Theater" und Abgang.
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Lovekicks
von Elfriede Müller
UA: Theater der Stadt Heidelberg, 01.06.1996 R: Sylvia Richter
Vier ungewöhnliche "Paare" gibt es in dem Stück: die Möbelschreinerin Evelyn mit Kind; die junge Mara mit Kind, die im selben Haus wohnen; ein Maler und sein Mädchenmodell; ein Krokodil und ein Gnu. Das Geschlechtergleichgewicht wird von zwei denkbar ungleichen Männern hergestellt: von Timm, einem jungen Krankenpfleger, der mit Evelyn zusammen lebt; und von Sauter, einem "Foodbroker", der über Sinn und Unsinn seiner Profession abgeklärt und selbstkritisch nachdenkt. Wie diese Paare zusammenhängen, was sich zwischen den einzelnen Personen ereignet, wen in einer lauen Regennacht die "lovekicks" treffen, verwirren, umhauen oder kalt lassen – das ist unberechenbar und komplizierter, als es zunächst den Anschein hat. Dabei wird es mit großer Leichtigkeit, in unaufwendigen Dialogen und überraschenden Wechseln zwischen Szenen und Ebenen erzählt.
4D-4H (2 Kinder)
4D-4H (2 Kinder)