Karl Otto Mühl

geboren 1923 in Nürnberg. Soldat in Afrika, Gefangenschaft in Ägypten, Südafrika, USA, England. Rückkehr nach Wuppertal 1947. Verkaufsleiter in einer Metallwarenfabrik – Stationen eines Arbeitslebens. Mühl hat früh angefangen zu schreiben, aber erst spät veröffentlicht: 1973 sein erstes Stück RHEINPROMENADE, das ihn mit einem Schlag bekannt machte. Seither insgesamt ein Dutzend Stücke, auch als Hör- und Fernsehspiele gesendet, »Volkstheater, das sich mit Außenseitern befasst, an denen die... weiterlesen »

geboren 1923 in Nürnberg. Soldat in Afrika, Gefangenschaft in Ägypten, Südafrika, USA, England. Rückkehr nach Wuppertal 1947. Verkaufsleiter in einer Metallwarenfabrik – Stationen eines Arbeitslebens. Mühl hat früh angefangen zu schreiben, aber erst spät veröffentlicht: 1973 sein erstes Stück RHEINPROMENADE, das ihn mit einem Schlag bekannt machte. Seither insgesamt ein Dutzend Stücke, auch als Hör- und Fernsehspiele gesendet, »Volkstheater, das sich mit Außenseitern befasst, an denen die Gesellschaft ihre lautlosen Ab- und Hinrichtungen vollstreckt« (Hellmuth Karasek). Karl Otto Mühl lebt als freier Schriftsteller in Wuppertal.

Auszeichnungen:

1976 Eduard-von-der-Heydt-Kulturpreis der Stadt Wuppertal
2006 Literaturpreis der Enno und Christa Springmann-Stiftung
2015 Rheinlandtaler
 
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Theaterstücke (12)
Am Abend kommt Crispin
von Karl Otto Mühl
UA: Städtische Bühnen Münster, 24.2.1988. R: Ingrid Ernst
Bis vor kurzem galt Schirmer in seiner Firma, wo er jahrzehntelang in leitender Position gearbeitet hat, als unentbehrlich. Nun, da er kurz vor der Pensionierung steht und nicht mehr gesund ist, muss er befürchten, dass die Auflösung seines Arbeitsverhältnisses bevorsteht. Am Abend kommt Crispin, ein junger Mann, der einmal, in nicht allzu ferner Zukunft, sein Nachfolger werden soll. Während sich die Arbeitsstrukturen in der Firma langsam, fast unmerklich, verändern, während Lotte, Schirmers Sekretärin und alte Freundin, ihren letzten Kampf für den Mann kämpft, der sie eigentlich immer enttäuscht hat, nähert sich Schirmer einem Grenzbereich: Das Ende seiner Arbeit wird das Ende seines Lebens sein.
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Das Privileg
von Karl Otto Mühl
UA: Wuppertaler Bühnen, 2.6.2001. R: Elmar Fulda
Kurz nach dem Bauernkrieg, im 16. Jahrhundert, entschließen sich auch die Bürger von Elberfeld und Barmen zur Flucht nach vorn. Im harten Konkurrenzkampf der properierenden Tuchindustrie bezahlen sie ihren Landesherren eine horrende Summe, um das verbriefte Recht zur alleinigen Herstellung des begehrten Garns zu erwirken. Im Jahr 1527 erhalten sie das sogenannte "Bleicherprivileg".
Karl Otto Mühls Volksstück erzählt die Gründungsgeschichte der Bergischen Textilindustrie.
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Die Reise der alten Männer
von Karl Otto Mühl
UA: Wuppertaler Bühnen, 15.11.1980. R: Horst Siede
Zwei alte Männer, beide Witwer, wollen ihre Sorgen vergessen und noch einmal etwas erleben. Auf der Suche nach Spannung und Abwechslung unternehmen sie eine "Lustreise". Sie wird eine einzige Pleite – aber die Männer entdecken ihre Freundschaft füreinander. Auch für Seniorentheater geeignet.
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Das Werk ist in folgenden Mundartfassungen erhältlich:
1. Die Reise der alten Männer.
2. Twee ole Mannslüd op Reisen. Niederdeutsch von Heide Tietjen




Ein Neger zum Tee
von Karl Otto Mühl
UA: Wuppertaler Bühnen, 22.1.1995. R: Jürgen Kloth
Die Dramatisierung einer wahren Geschichte: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam der Schwarzafrikaner Jean Baptiste, genannt Kangafu, über Umwege in den Besitz eines Sklavenhändlers in Wuppertal. Zur Volksbelustigung wurde er auf Jahrmärkten vorgeführt, bis sich ein Kreis von Missionsfreunden um ihn zu kümmern begann... Das Stück verbindet historische Szenen mit Szenen aus der heutigen Zeit, so dass die damaligen Verhältnisse zugleich kommentiert und weiterentwickelt werden.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




Fremder Gast
von Karl Otto Mühl
UA: Deutsches Theater Göttingen, 16.12.1995. R: Andreas Nathusius
Heinrich Kühn, pensionierter Abteilungsleiter einer Bank in Bad Godesberg, lebt allein in seinem Einfamilienhaus. Kuhn hat eine Krebsuntersuchung vor sich, und er denkt über sein Leben nach. Vor allem über eine nur wenige Wochen dauernde Liebesbeziehung, die damals nicht ohne Folgen blieb: er hat eine Tochter, von der er zwar weiß, die er aber nie gesehen hat. Jetzt bittet er sie, ihn zu besuchen. Dieses leise und zärtliche Kammerspiel erzählt, wie das späte Zusammentreffen zwischen Vater und Tochter verläuft und wie aus ihm eine Art neues Leben für beide erwächst.
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Hoffmanns Geschenke
von Karl Otto Mühl
UA: Schauspielhaus Bochum, 3.12.1978. R: Joachim Preen
Eine kleine Firma, die im großen Stil mit Geschenkartikeln und Bürobedarf handelt, ist der Schauplatz für einen Kampf "aller gegen alle" zwischen einem Chef, seiner Sekretärin und den drei Angestellten Es ist ein Kampf um Arbeits- und Liebesverhältnisse, um Rationalisierung des Unternehmens und die Emotionen seiner Mitarbeiter - eine Welt, in der man sich nichts schenkt.
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Kellermanns Prozess
von Karl Otto Mühl
UA: Städtische Bühnen Nürnberg, 18.4.1982. R: Raymund Richter
Kellermann ist Meister in einer Kartonagenfabrik, Mitte vierzig, verheiratet, ordentlich und rechtschaffen. Ihn kann nichts mehr aufregen, mit seinen Wünschen hat er abgeschlossen. Bis er an die kleine Marion gerät, eine 15jährige Hilfsarbeiterin, die ihm, aus Angst vor einer Kündigung, schöne Augen macht. Wenn sie ihn nach Feierabend in seinem Büro verführt, ist es für sie bedeutungslos, für Kellermann aber ist es ein Ausbruch. Und für Mühls Stück ist es der Beginn einer Liebesgeschichte, die sich zart und unsicher entwickelt, wo die Wünsche über den Rand schauen, sogleich aber bedroht werden durch Konventionen und Gesetze. So balanciert die Geschichte zwischen der Hoffnung, sich die eigenen Wünsche erfüllen zu können, und der Furcht vor ihrer Entdeckung. Einmal entdeckt aber bleibt für das ungleiche erotische Verhältnis wie auch für Kellermann selbst nur der Ausweg des Verschwindens, des Sichauslöschens...
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Kur in Bad Wiessee
von Karl Otto Mühl
UA: Wuppertaler Bühnen, 25.9.1976. R: Andreas Gerstenberg
Nach einem Kollaps lässt sich die Endvierzigerin Hella Angenendt in einem Sanatorium in Bad Wiessee wieder aufpäppeln. Diagnose: Asthma. Der medizinische Befund jedoch verdeckt nur die seelischen Ursachen: die vielen Verletzungen und Lieblosigkeiten einer seit dreißig Jahren zerfallenden Ehe. Die Kur hat ihre Kräfte wiederhergestellt, sie kann in die Ehe zurückkehren. Nun wartet sie auf den Besuch ihres Gatten Manfred, will mit ihm einen Neubeginn wagen. Der weiß noch gar nicht, dass die Ärzte ihr schon erlaubt haben, mit ihm nach Hause zu fahren. Hinzu kommt, dass Manfred in der Zwischenzeit für sich selbst die Weichen zu einem neuen Leben ganz anderer Art gestellt hat - an der Seite einer anderen Frau...
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Rheinpromenade
von Karl Otto Mühl
UA: Wuppertaler Bühnen, 9.9.1973. R: Arno Wüstenhöfer
Das Stück spielt in einer kleinen Stadt am Rhein. Zwischen einem alten Witwer und einem jungen Mädchen, Küchenhilfe in einem Krankenhaus und angeblich "nicht ganz richtig im Kopf", entwickelt sich eine zarte Freundschaft – sehr zum Ärger der Umgebung. Die Familie des Mannes, Tochter und Schwiegersohn, fürchten das Gerede und wollen den Alten in ein Heim stecken, das Mädchen wird zum Nervenarzt geschickt. Ein Stück mit vier gleichberechtigten Rollen jeden Alters und einer Reihe reizvoller Nebenrollen.
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Das Werk ist in folgenden Mundartfassungen erhältlich:
1. Rheinpromenade.
2. Alldagsabend. Niederdeutsch von Konrad Hansen
3. Rheinpromenade. Rheinisch-Westfälisch von Heinz Dieter Köhler
4. Babb, ma derf ned undangba sei!. Bayerisch von Martin Sperr
5. Seepromenade. Schweizerdeutsch von Hansjörg Schneider
6. Praterpromenade. Österreichisch von Harald Sommer




Rosenmontag
von Karl Otto Mühl
UA: Bühnen der Stadt Essen, 8.3.1975. R. Wolf Seesemann
Ein läppischer Vorfall in einer Fabrik wird aufgebauscht und bringt das Fabrikleben durcheinander. Putzfrauen haben in einem Papierkorb zwei Pornobilder gefunden; moralisch entrüstet, zugleich heimlich animiert, legen sie sie zur allgemeinen Kenntnisnahme offen hin: "Das muss angeprangert werden." Leidtragender wird der Packer Anton Bajorat, der mit den Bildern nichts zu tun hat, sie aber auf seinem Packtisch vorfindet. Sein Arbeitsplatz fängt bedenklich an zu wackeln, als sich herumspricht, dass er die Bilder (mit Minirock und Wackelpopo aufreizend trippelnden) minderjährigen Hilfsarbeiterinnen gezeigt hat. Weniger um der Moral willen, die allerdings vorgeschoben wird, sondern weil die Betriebsleitung um ihr Recht fürchtet, Lehrlinge auszubilden. Doch die Polizei nimmt die Sache als das, was sie ist, als harmlose Bagatelle. Bajorat wird nicht gekündigt, nur in die Expedition versetzt. Der Rosenmontag heilt alle Risse, die sich während der "Affäre" in der Belegschaft ergeben haben. Für einen Augenblick lösen sich, bei Transistormusik und unter Papierschlangen, alle Verklemmungen. Ein paar Tage weiter, und sie werden alle wieder vom Betriebsalltag aufgefressen werden, der sie allmählich und kaum spürbar, dafür aber unerbittlich deformiert.
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Das Werk ist in folgenden Mundartfassungen erhältlich:
1. Rosenmontag.
2. Rosenmontag. Rheinisch-Westfälisch von Heinz Dieter Köhler