Pierre Carlet de Marivaux

geboren 1688 in Paris. Aufgewachsen in Riom in der Auvergne, kehrte er 1710 an seinen Geburtsort Paris zurück, im Gepäck seinen ersten selbstverfassten Roman, der ihm die Türen zu den literarischen Salons der Stadt öffnet, so dass er das eigentlich geplante Jurastudium fallen lässt. Inzwischen verheiratet und Vater einer Tochter, investiert Marivaux um 1718 den größten Teil seines Besitzes in eine Bankengesellschaft, die 1720 zusammenbricht und Marivaux weitgehend mittellos zurücklässt.... weiterlesen »

geboren 1688 in Paris. Aufgewachsen in Riom in der Auvergne, kehrte er 1710 an seinen Geburtsort Paris zurück, im Gepäck seinen ersten selbstverfassten Roman, der ihm die Türen zu den literarischen Salons der Stadt öffnet, so dass er das eigentlich geplante Jurastudium fallen lässt. Inzwischen verheiratet und Vater einer Tochter, investiert Marivaux um 1718 den größten Teil seines Besitzes in eine Bankengesellschaft, die 1720 zusammenbricht und Marivaux weitgehend mittellos zurücklässt. Marivaux schließt sein Jurastudium ab, widmet sich dann aber doch zwischen 1721 und 1727 dem Verfassen von Dramen. Daneben betätigt er sich als Journalist, Feuilletonist und Herausgeber von Zeitungen. In der Zeit von 1727 bis 1741, als das Interesse an seinen Dramen nachlässt, versucht sich Marivaux als Romancier, scheitert aber. Seine Geldmittel gehen merklich zur Neige. 1742 wird er durch den Einfluss einiger Gönner in die Académie francaise aufgenommen. Marivaux stirbt 1763, inzwischen weitesgehend in Vergessenheit geraten, in Paris.
 
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Theaterstücke (8)
Das Spiel von Liebe und Zufall (Le jeu de l'amour et du hasard)
Deutsch von Anneliese Botond
von Marivaux
Aus dem Französischen von Anneliese Botond
UA der Übersetzung: Bühnen der Stadt Bielefeld. 04.10.1987. R: Bernd Rainer Krieger
Die füreinander bestimmten Silvia und Dorante kommen unabhängig voneinander auf die gleiche Idee: Um den anderen vor der Heirat auf die Charakter-Probe zu stellen, tauschen sie kurzerhand Rolle und Kleidung mit ihren Bediensteten. Doppelte Verwechslung, vierfache Verkleidung. Marivaux' wohl erfolgreichstes Stück.
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Das Vermächtnis (Le Legs)
Deutsch von Lou Gerstner
von Marivaux
Aus dem Französischen von Lou Gerstner
UA der Übersetzung: Staatliche Schauspielbühnen Berlin, 13.06.1991. R: Günther Gerstner
Ein extrem schüchterner Marquis in der Bredouille: Geld oder Liebe?
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Der Prinz als Abenteurer (Le prince travesti)
Deutsch von Gerda Scheffel
von Marivaux
Aus dem Französischen von Gerda Scheffel
UA der Übersetzung: Theater der Freien Hansestadt Bremen, 02.03.1977. R: Helmut Polixa
"Die erste überwiegend gelungene Übersetzung eines Marivaux", bemerkte Ernst Wendt zu Gerda Scheffels Übersetzung von DER PRINZ ALS ABENTEURER.

"Marivaux’ Sprache empfindet auch ein Durchschnittsfranzose als nicht veraltet. Sie ist ihm wesentlich näher als die Molières. Es war deshalb mein Bemühen, dem Original so eng wie möglich zu folgen und eine Sprache zu finden, die – ebenso wie die von Marivaux – modern ist, ohne jedoch in irgendwelche Modernismen zu verfallen." (Gerda Scheffel)
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Der Streit (La dispute)
Deutsch von Peter Stein
von Marivaux
Aus dem Französischen von Peter Stein
UA der Übersetzung: Schaubühne am Lehniner Platz Berlin, 03.11.1981. R: Peter Stein
Im Mittelpunkt des Einakters steht die Frage, welches der beiden Geschlechter die Untreue in die Welt gebracht hat. Folgerichtig beginnt das Stück mit einem Streit zwischen einem Prinzen und Hermiane, seiner adligen Begleiterin, die darüber diskutieren, ob eher die Männer oder die Frauen zur Untreue neigen. Die Streitfrage lässt sich nicht klären, allein mit theoretischen Gedankenspielen kann sie nicht beantwortet werden – nur ein praktischer Versuch kann Aufklärung bringen. Wie gut, dass bereits knapp 20 Jahre zuvor dieselbe Frage erörtert worden ist und der Vater des Prinzen deshalb ein Experiment begonnen hat: Drei Jungen, drei Mädchen, ein Raum - fernab menschlicher Sozialisation und Kommunikation sind sie Versuchskaninchen innerhalb eines Forschungsprojektes geworden, dessen Ziel die Ergründung der menschlichen Liebesfähigkeit ist.
5D-5H (+ Statisten)
5D-5H (+ Statisten)




Die doppelte Komödie (Les acteurs de bonne foi)
Deutsch von Gerda Scheffel
von Marivaux
Aus dem Französischen von Gerda Scheffel
Marivaux’ Komödie in einem Akt zeigt eine Gruppe von Bediensteten – bestehend aus zwei Paaren –, die zur Hochzeit ihrer Herrschaften ein Stegreifspiel einproben. Bald geraten sich die Paare in die Haare, weil sie in den kreuzweise angelegten Liebesszenen Fiktion und Wirklichkeit verwechseln.
Weitere Verwicklungen entstehen, als die humor- und mittellose Mutter der Braut von der geplanten Inszenierung erfährt und diese verhindern möchte. Das ruft wiederum die reiche Erbtante des Bräutigams auf den Plan, die als Komödienliebhaberin droht, die Hochzeit platzen zu lassen. Die Brautmutter setzt nun alles daran, das Stegreifspiel trotz der widrigen Umstände auf die Bühne zu bringen. Sie übernimmt selbst die Regie in der Komödie, die sie eben noch verbieten wollte.
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Die falsche Zofe (La Fausse Suivante ou le Fourbe puni)
Deutsch von Simon Werle
von Marivaux
Aus dem Französischen von Simon Werle
UA der Übersetzung: ensemble theater Erlangen, 15.3.2001. R: Winni Victor
Der Aristokrat Lelio hat sich in eine Gräfin verliebt und einen Ehevertrag geschlossen, möchte dann aber doch lieber eine junge Pariser Dame heiraten, weil von ihr eine höhere Mitgift zu erwarten steht. Diese junge Dame ist, verkleidet als Chevalier, Lelio auf das Landgut der Gräfin gefolgt, um sich ihren Zukünftigen insgeheim etwas genauer anzusehen. Und ausgerechnet diesem "neuen Freund" schlägt Lelio vor, er solle die Gräfin, die von seinem Charme entzückt sei, vollends in sich verliebt machen, dann müsste die Gräfin ein "Reuegeld" an Lelio zahlen, das die beiden im Trennungsfall für denjenigen vereinbart haben, dessen Liebe zuerst erlischt.
Durch seinen Diener Arlequin gewarnt, entdeckt Lelio den fraulichen Kern unter der männlichen Schale des Chevaliers. Dieser kontert geschickt, er sei die Zofe der jungen Dame aus Paris, beauftragt ihn auszuforschen. Er werde aber gegen Zahlung eines entsprechenden Honorars über seine Intrigen schweigen. So spielen drei Protagonisten scheinbar gegeneinander, doch in Wahrheit gegen sich selbst, sekundiert von drei durchtriebenen Dienern, die das gleiche Spiel treiben.
Marivaux' kühnes heiter-melancholisches Frühwerk fällt insofern aus der Reihe, als es ein Happy-End verweigert.
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Die Mutter als Vertraute (La mère confidente)
Deutsch von Gerda Scheffel
von Marivaux
Aus dem Französischen von Gerda Scheffel
Die wohlbehütete Angélique soll nach dem Willen ihrer Mutter den nicht mehr allzu jungen und nicht sonderlich charmanten Monsieur Ergaste heiraten, liebt aber dessen mittellosen Neffen Dorante. Verständlich, dass die Tochter ihre Gefühle vor der Mutter zu verbergen sucht. Als die Mutter die Geheimniskrämerei der Tochter bemerkt, macht sie ihr, um auch in ihre verborgenen Bereiche vorzustoßen, ein kurioses Angebot: Angélique soll in ihr nicht mehr die Mutter, sondern die Vertraute sehen; was sie der Mutter verheimlicht, soll sie der Freundin anvertrauen. Die sich daraus entwickelnden Gespräche zwischen Tochter und Mutter/Vertrauter sind in ihrem Changieren zwischen Verbergen und Enthüllen, Seelenstriptease und Sprachlosigkeit atemberaubend. Besondere Spannung erzeugt die Tatsache, dass die Mutter das neue Vertrauen der Tochter benutzt, um das Misstrauen gegen den Geliebten und die verbündete Zofe Lisette zu schüren.

Für ihre Marivaux-Übersetzungen ist Gerda Scheffel mit dem Orden der "Palmes académiques" der französischen Regierung ausgezeichnet worden. "Erst dank ihrer Vermittlung konnte die sprachpsychologische Komplexität des sogenannten ,marivaudage’ ein deutsches Publikum erreichen", schrieb die FAZ.
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Hannibals Tod (Annibal)
Deutsch von Gerda Scheffel
von Marivaux
Aus dem Französischen von Gerda Scheffel
Marivaux’ einzige Tragödie wurde zwar schon einmal von Lessing übersetzt, doch konnte sich diese Übertragung im 18. Jahrhundert nicht durchsetzen – heute sind davon nur einige kurze Passagen erhalten. Das Stück schildert die Konfrontation des in die Jahre gekommenen Hannibals mit dem übermächtigen und alles assimilierenden Rom. Eine Entdeckung: ein ganz anderer Marivaux, wie er noch nie in deutscher Sprache zu sehen war!
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