Claudius Lünstedt

geboren 1973 in München. Studium der Dramaturgie an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. Längere Aufenthalte in Paris und Teheran. 2001-2002 Teilnahme an der Dramenwerkstatt der Bayerischen Theaterakademie München unter der Leitung von Tankred Dorst. 2003 Einladungen zum Wochenende der Jungen Dramatiker an den Münchner Kammerspielen, zu den Autorentheatertagen am Hamburger Thalia Theater und zu den Autorenwerkstatttagen am Wiener Burgtheater. Lebt in Berlin und unterrichtet dort auch... weiterlesen »

geboren 1973 in München. Studium der Dramaturgie an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. Längere Aufenthalte in Paris und Teheran. 2001-2002 Teilnahme an der Dramenwerkstatt der Bayerischen Theaterakademie München unter der Leitung von Tankred Dorst. 2003 Einladungen zum Wochenende der Jungen Dramatiker an den Münchner Kammerspielen, zu den Autorentheatertagen am Hamburger Thalia Theater und zu den Autorenwerkstatttagen am Wiener Burgtheater. Lebt in Berlin und unterrichtet dort auch „Szenisches Schreiben“ am Theaterwissenschaftlichen Institut der Freien Universität.

Auszeichnungen:

2011 Aufenthaltsstipendium an der Künstlerresidenz Villa Kamogawa des Goethe-Instituts in Kyoto, Japan
2005 Volkstheaterpreis des Landes Baden-Württemberg
2004 Niederländisch-Deutscher Jugenddramatikerpreis
2003 Lenz-Preis der Stadt Jena; Else-Lasker-Schüler-Stückepreis
 
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Theaterstücke (12)
Amy
von Claudius Lünstedt
UA: Schauspielhaus Wien, 24.3.2010. R: Sebastian Schug
Für die Spielreihe "Die X Gebote" am Schauspielhaus Wien hat Claudius Lünstedt einen Text geschrieben, der das Gebot "Du sollst nicht stehlen" von ungewohnter Seite beleuchtet. AMY ist ein Triptychon über gestohlenes Vertrauen und geraubte Kindheit, über verlorene Heimat und Liebesbetrug.
Kaum erwachsen, wandert Amy nach dem Krieg aus Löhne in Westfalen in die Schweiz aus, beginnt eine Schneiderlehre, heiratet und wird schwanger. Doch die Ehe geht in die Brüche. Ihr Mann schlägt und betrügt sie. Amy zieht aus, lässt sich scheiden und steckt später ihren Sohn Markus gegen dessen Willen ins Heim.
Jahrzehnte danach hat Amys Änderungsschneiderei ihr 50jähriges Jubiläum. Doch die Schatten der Vergangenheit holen sie ein: die nicht verwundene Scheidung; die Unselbständigkeit des Sohnes, der noch immer an ihrem Rockzipfel hängt.
Als Amy schließlich stirbt, vermacht sie Markus nicht nur ihren Hausrat, den er verhökert, um seine Schulden zu begleichen, sondern auch eine Familiengeschichte, die geprägt ist von Verlusten, von Schuld und Treuebrüchen.
mindestens 1D
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Bin ich jung
von Claudius Lünstedt
UA: Théâtre de la Place, Liège, 12.5.2011. R: Irène Bonnaud
Gleichermaßen humorvoll und poetisch zeichnet Claudius Lünstedt in seinem Kurzdrama BIN ICH JUNG das Porträt einer jungen Generation auf dem beschwerlichen Weg zwischen Jugend und Erwachsenenalter, zwischen Notwendigkeit und Rebellion, zwischen „man“ und „ich“.
Der Text entstand für das deutsch-französische Theaterprojekt „Irokesen / Les Iroquois“ und war eine Gemeinschaftsproduktion von NEST – CDN de Thionville-Lorraine, Staatstheater-Saarbrücken, Théâtre National du Luxembourg und Théâtre de la Place de Liège.
mindestens 3D/H
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Freiburg
von Claudius Lünstedt
UA: Schaubühne Berlin, 30.1.2008. R: Robert Borgmann.
Für das Projekt "Deutschlandsaga: 60 Jahre Deutschland" an der Berliner Schaubühne hat Claudius Lünstedt ein kleines Monodrama über die 70er Jahre geschrieben: In FREIBURG lässt er eine junge Frau im Erinnerungsmonolog nacherleben, wie sie einst aus der dumpfen Enge der badischen Provinz nach Paris flüchtete.
1D
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Heiliger Franz (Franziskus)
Libretto von Claudius Lünstedt
UA (als Libretto zur Kammeroper "Franziskus" von Sergej Newski): Klangspuren Festival / Franziskanerkirche Schwaz, 9.9.2010
Mit seinem wohlbehüteten Elternhaus hat Franz gebrochen, die bürgerlichen Zukunftspläne, die sein Vater für ihn geschmiedet hat, verworfen. Er sucht sich einen neuen "Vater" - Gott -, will die nackte Existenz spüren. Zurückgezogen, in Armut und Askese, empfindet er die größte Befriedigung, im Leiden den größten Triumph. Doch das vermeintlich "einfache Leben" erweist sich als schwieriger Kampf. Immer wieder wird Franz heimgesucht von ordinären Bedürfnissen, fühlt sich verfolgt von dem alten Wunsch nach Bequemlichkeit und Luxus. Neid auf diejenigen, die noch ärmer sind als er, plagt ihn; Größenwahn erfasst ihn. Und doch wird er schon wenige Stunden nach seinem Tod heilig gesprochen...
"Erlösung", schreibt Claudius Lünstedt über seinen Protagonisten, "verspürt er, sobald er ein süßes geistiges Gefühl (Glauben) erfahren kann – für Momente dieser Art ist er bereit, alles zu geben, den Körper zu zerstören. Die Heiligsprechung passiert mit einer nervösen Mystifizierung, die Wunder auflistet. Die Quantität der seltsamen Taten erschlägt jeden ungläubigen Gedanken (Zweifel)."
Claudius Lünstedts Text über Franz von Assisi entstand als Libretto für die Kammeroper FRANZISKUS des Komponisten Sergej Newski.
1H (auch größer besetzbar)
1H (auch größer besetzbar)




Krieger im Gelee
von Claudius Lünstedt
UA: Schauspielhaus Wien, 13.12.2008. R: Daniela Kranz
KRIEGER IM GELEE handelt von drei jungen Menschen, deren bedingungslose Suche nach Selbstverwirklichung sie auf tödliche Weise zusammenführt. Claudius Lünstedt lässt seine Protagonisten in drei Monologen zu Wort kommen, die einander ergänzen und widersprechen, und die sich letztlich zu einer gemeinsamen Geschichte, einem Kriminalfall, verdichten:
Mervin ist vierzehn. Wohnhaft in der besten aller Welten, einem reichen Elternhaus, erhält er eines Tages einen Brief von einem Unbekannten, der ihn mit auf eine Reise nehmen will. Mervin sieht darin die Chance, der großbürgerlichen, behüteten Welt seiner Eltern zu entrinnen…
Obwohl arbeitslos, führt Martin einen bis ins Kleinste geregelten Alltag. Die selbst auferlegte Strenge soll die unendlichen Möglichkeiten des Handelns, die in seinem Kopf herumspuken wie "Krieger im Gelee", im Zaum halten. Doch die Selbstbeschränkung hält nicht lange vor, und so beschließt Martin eines Tages, eine ungeheuerliche Tat zu begehen. Er schreibt einen Brief an einen fremden Jungen…
Katrin studiert Jura und steht kurz vorm Staatsexamen, als sie eines Tages einen Hilferuf ihres Freundes Dieter erhält: sein Kumpel Martin habe ihm ein Verbrechen gestanden. Während Dieter über dieser Vorstellung zusammenbricht, glaubt Katrin die angebliche Mordtat nicht. Doch um der "Wahrheit und Gerechtigkeit" willen geht sie die verschiedenen Möglichkeiten des (Tat-)Hergangs durch…

In einer kraftvollen, fragmentarischen Sprache lässt Claudius Lünstedt die Gedanken und Handlungen seiner Figuren Revue passieren, bis hin zum überraschenden Ende. Die offene, multiperspektivische Form seines Stückes hinterfragt dabei wie nebenbei das Gegenwartsdrama auf seine Erzählformen hin.
1D-2H
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Kyoto.Protokoll
von Claudius Lünstedt
Mit dem stärksten Erdbeben in der Geschichte Japans nahm im März 2011 die Nuklearkatastrophe in Fukushima ihren Lauf, die hierzulande die Atompolitik der schwarz-gelben Regierung erschütterte. Claudius Lünstedt hat, mit Unterstützung des Goethe-Instituts, mehrere Monate in Japan recherchiert. In seinem Stück KYOTO.PROTOKOLL geht es um Fukushima und die Folgen. Entstanden ist jedoch kein Katastrophenstück, das in dem betroffenen Gebiet spielte. Sondern Lünstedt erzählt aus der Perspektive mehrerer junger Menschen, die im mehr als 500 Kilometer entfernten, vermeintlich sicheren Kyoto leben. Sie werden mit Nachrichten aus dem Sperrgebiet konfrontiert: durch Verwandte und Freunde, die dort leben, aber auch durch Medien und Politik. Immer wieder strömen Meldungen und Eindrücke von außen auf sie ein, mediale "Störfälle", die ihren gewohnten Alltag durchbrechen und zu denen sie sich verhalten und positionieren müssen. So finden sie erst allmählich in einen Dialog miteinander, zu Haltungen und Handlungen. KYOTO.PROTOKOLL beschreibt ein Stück politischer Bewusstseinsbildung der Generation der Twentysomethings, die auch in anderen Teilen der Welt auf die Straßen drängt.
mindestens 4 D/H
mindestens 4 D/H




Musst boxen
von Claudius Lünstedt
UA: Staatstheater Nürnberg, 10.12.2004. R: Stephanie Mohr
Svens Entschluss steht fest: Er will weg – weg von dem prügelnden Vater, weg von Freundin und Kind, weg aus der DDR, aus dem Osten, weg von sich selbst.
MUSST BOXEN erzählt vom Überlebenskampf Svens, der aufbricht, um im Westen sein Glück zu machen, aber feststellen muss, dass in anderen Verhältnissen sich die Menschen nicht zwangsläufig anders verhalten. Sätze sind nicht mehr intakt; Schweigen schlägt um in Handgreiflichkeit.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




Starkes Kind
von Claudius Lünstedt
STARKES KIND ist eine Bearbeitung des Herakles-Stoffes, den Claudius Lünstedt nach heute verlegt: Die Dreiecks-Konstellation um Zeus, Alkmene und Amphitryon findet sich in einer Elterngeneration gespiegelt, die mit dem Anspruch freier Liebe angetreten war, tatsächlich aber einen Nachkommen hinterlässt, der verzweifelt seinen Platz in Familie und Gesellschaft sucht.
"Es war einmal" – so beginnt das Eingeständnis von Anna, dass vermutlich gar nicht ihr Ehemann der Vater ihres Sohnes ist, sondern Gregor, ein Freund der Familie. Der Vorfall erzeugt unter den Erwachsenen eine Atmosphäre aus Misstrauen und unausgesprochenen Konflikten. Und für den betrogenen, schwachen Ehemann Leo wird sie zum Anlass, in das Kind die eigenen Sehnsüchte zu projizieren: Der Junge solle einmal der stärkste Mensch der Welt werden, und Herakles soll er heißen. Als der sechsjährige Herakles erfährt, dass er "zwei halbe Väter" hat, sucht er nach Orientierung und Halt, die ihm die zerfallene Familie und deren Diktum "absoluter Freiheit" nicht bieten können. Rat- und ziellos nimmt Herakles immer häufiger Zuflucht zur Gewalt. Erst in seiner Liebe zu Hanna deutet sich eine mögliche Zukunft für ihn an. Doch was Herakles nicht weiß: Auch diese Hoffnung ist trügerisch, denn Hanna ist seine Halbschwester...
3D-3H
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Teheran 1386
von Claudius Lünstedt
Zwischen monologischen, dialogischen und epischen Passagen wechselnd, erzählt Claudius Lünstedt in TEHERAN 1386 aus dem Leben von sieben jungen Menschen in der iranischen Hauptstadt – von den Brüchen in ihrem beruflichen und privaten Leben wie auch von den Brüchen in der Gesellschaft, in der sie leben. Wie nebenbei fängt Lünstedt dabei den pulsierenden Rhythmus einer Großstadt ein, die an der Schwelle zwischen Tradition und Moderne steht. Und entdeckt zugleich verblüffende Ähnlichkeiten zur Situation Gleichaltriger im sogenannten Westen.
Der Text basiert auf Recherchen und Interviews, die Claudius Lünstedt während eines mehrmonatigen Aufenthalts in Teheran gemacht hat.
3D-4H
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Vaterlos
von Claudius Lünstedt
UA: Theaterhaus Jena/TiF Dresden/sophiensaele Berlin, 28.3.2004. R: Stephanie Sewella
In VATERLOS ist der junge Felix auf der Flucht. Er begehrt gegen seine Umwelt auf, glaubt, der Sohn des Sonnengotts zu sein. Felix macht sich auf die Suche nach seinem Vater, findet aber nur Überreste einer patriarchalischen Gesellschaft. Gräulich-absurde Vater-Figuren stellen sich ihm in den Weg und müssen dafür mit dem Leben bezahlen.
2D-5H
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