Reinhard Lettau

geboren 1929 in Erfurt. Studierte Deutsch, Philosophie und Literatur in Heidelberg und an der Harvard University. Seine Dissertation in Harvard im Jahre 1960 trug den Titel „Utopie und Roman; Untersuchungen zur Form des deutschen utopischen Romans im zwanzigsten Jahrhundert“. Mitte der 1950er Jahre emigrierte er in die USA und war seit 1967 Professor für Deutsche Literatur an der University of California in San Diego (UCSD). Er war aktives Mitglied der Gruppe 47. In Reden an der Freien... weiterlesen »

geboren 1929 in Erfurt. Studierte Deutsch, Philosophie und Literatur in Heidelberg und an der Harvard University. Seine Dissertation in Harvard im Jahre 1960 trug den Titel „Utopie und Roman; Untersuchungen zur Form des deutschen utopischen Romans im zwanzigsten Jahrhundert“. Mitte der 1950er Jahre emigrierte er in die USA und war seit 1967 Professor für Deutsche Literatur an der University of California in San Diego (UCSD). Er war aktives Mitglied der Gruppe 47. In Reden an der Freien Universität Berlin prangerte er die Springer-Presse an und wurde daraufhin aus der BRD ausgewiesen. Ab 1991 lebte er wieder in Berlin. Reinhard Lettau starb 1996 in Karlsruhe.
 
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Theaterstücke (1)
Frühstücksgespräche in Miami
von Reinhard Lettau
UA: Stadttheater Gießen, 30.9.1978. R: Henri Hohenemser
In der Idylle eines alten Hotels in Miami mit Ausblick auf einen Park, in dem Vögel zwitschern, sitzen ein paar entlassene Militärdiktatoren lateinamerikanischer Länder beim Frühstück. Sie genießen Gastfreundschaft und Asyl des Landes, das die Staatsstreiche mit finanziert und organisiert hat, denen sie selbst Eroberung wie Verlust der Macht verdanken, an der sie so gehangen haben. In Miami warten sie auf den neuen Ruf zum erneuten Einsatz (der nicht kommen wird). Inzwischen vertreiben sie sich die Zeit mit dem Austauschen von Erinnerungen an ihre mit Lust gelebte Blütezeit, sie schwadronieren über ihren Umgang mit der Macht und erzählen sich die Erfindungen, mit denen sie sie erobert, gefestigt und über die ersten Krisen gerettet haben. Die Themen ihrer Gespräche reichen von "der Anziehungskraft auf Frauen" und "Beliebtheit im eigenen Lande" bis zu Fragen "der Anwesenheit von Bankiers in Kabinetten", des "künstlerischen Avantgardismus" und – "warum es keine Damen mehr gebe". Hinter dem Vergnügen an ihren naiven Prahlereien melden sich schnell die Fragen nach unserer eigenen Situation. Die Diktatur, diese Staatsform im Kindesalter, erweist sich dabei als der "erwachseneren" Demokratie erschreckend verwandt.
7H
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