© Stephan Vanfleteren
Tom Lanoye

geboren 1958 in Sint-Niklaas (Belgien), studierte der Flame Tom Lanoye, dessen Nachname französisch ausgesprochen wird, Niederlandistik, Anglistik und Soziologie an der Universität Gent. Mit seinen Theaterstücken, Romanen und Gedichten, seinen Kolumnen, Kommentaren und Kurzgeschichten prägt er das kulturelle Leben Belgiens. Er erhielt zahllose Preise und Auszeichnungen, u.a. 2007 – als erster Belgier überhaupt – De Gouden Ganzenveer (»Die goldene Gänsefeder«), eine der wichtigsten literarischen... weiterlesen »

geboren 1958 in Sint-Niklaas (Belgien), studierte der Flame Tom Lanoye, dessen Nachname französisch ausgesprochen wird, Niederlandistik, Anglistik und Soziologie an der Universität Gent. Mit seinen Theaterstücken, Romanen und Gedichten, seinen Kolumnen, Kommentaren und Kurzgeschichten prägt er das kulturelle Leben Belgiens. Er erhielt zahllose Preise und Auszeichnungen, u.a. 2007 – als erster Belgier überhaupt – De Gouden Ganzenveer (»Die goldene Gänsefeder«), eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen der Niederlande. In Deutschland ist er seit seinem spektakulären Einstand mit dem zwölfstündigen opus magnum SCHLACHTEN!, einer Adaption von Shakespeare Königsdramen, und seit dem Bühnenerfolg seiner Theaterstücke MAMMA MEDEA und ATROPA vor allem als Dramatiker bekannt. Tom Lanoye lebt in Antwerpen und Kapstadt.

Auszeichnungen:

2012 "Fünfjahrespreis für das beste Theaterstück" der Königlichen Akademie für Niederländische Sprache und Dichtung
 
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Theaterstücke (9)
Atropa. Die Rache des Friedens (Atropa. De wraak van de vrede)
Deutsch von Rainer Kersten
von Tom Lanoye
Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten
UA: Toneelhuis Antwerpen, 12.5.2008. R: Guy Cassiers.
DE: Staatstheater Nürnberg, 24.10.2009. R: Georg Schmiedleitner
ATROPA. DIE RACHE DES FRIEDENS stellt die Stimmen und Erzählungen der Opfer von hemmungslosem Machtmissbrauch und uneingeschränkter Machtfülle ins Zentrum. Tom Lanoye nimmt den Trojanischen Krieg, die "Mutter aller Kriege", als konkrete Ausgangssituation seines Stückes. In Agamemnons Kriegsrhetorik hat das Individuum keinen Platz mehr. Es geht um Größeres: ums Vaterland, kulturelles Erbe oder Wertesysteme. Gegen diese Kriegslogik, die ihr Leben zerstört hat, treten die Frauen an.
ATROPA bezieht sich auf die Tragödien von Aischylos und Euripides, aber auch auf die Reden des Irakkrieg-Duos George Bush und Donald Rumsfeld. Die UA-Inszenierung von Guy Cassiers (Toneelhuis/Antwerpen) 2008 war als Gastspiel zum Festival d'Avignon eingeladen.
5D-1H ((auch größer besetzbar))
5D-1H ((auch größer besetzbar))




Die Russen! (De Russen!)
Deutsch von Rainer Kersten
von Tom Lanoye
Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten
UA: Toneelgroep Ansterdam, 19.6.2011. R: Ivo van Hove
6-9 Stunden Spieldauer (je nach Kürzung) und 18 starke Rollen: Wenn Tom Lanoye die russischen Antihelden Ivanov und Platonov aufeinander treffen lässt, entsteht ein "großartiges Beziehungs-Opus von opernhaften Ausmaßen" (NRC). "Mit seinem blitzgescheiten analytischen Geschick macht Lanoye aus den beiden Theatertexten ein gut komponiertes Stück, das uns mit rasender Geschwindigkeit verschiedene Leben präsentiert, die unerbittlich ihrer Vernichtung entgegengehen" (De Morgen). Lanoyes Bearbeitung der Tschechow’schen Dramen entstand für die Toneelgroep Amsterdam.
7D-11H
7D-11H




Die Wolf-Gang (De Jossen)
Deutsch von Rainer Kersten
von Tom Lanoye
Aus dem Flämischen von Rainer Kersten
UA: Het Toneelhuis Antwerpen / Olympic Dramatique, 29.4.2004. R: Gruppe Olympic Dramatique.
DE: Stadttheater Gießen, 22.9.2005. R: Joanna Lewicka
Der belgische Autor Tom Lanoye hat mit DIE WOLF-GANG eine kleine, sehr komische Versuchsanordnung geschrieben. Es geht um "Niedergang und Revival der Zusammengehörigkeit" - wie es ursprünglich im Untertitel hieß. Es geht also: um Liebe, um Gemeinschaft und Freundschaft, um Loyalität und Verlässlichkeit und um deren Gegenteil. Die dramaturgische Raffinesse: Jeder, der im Stück spricht, hört auf den Namen Wolf. Welcher Wolf welchen Satz spricht und wie viele Wölfe es insgesamt gibt – das entscheidet die Regie.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




Festung Europa (Fort Europa)
Deutsch von Rainer Kersten
Hohelied der Zersplitterung
von Tom Lanoye
Aus dem Flämischen von Rainer Kersten
UA: Wiener Festwochen / ZT Hollandia, 8.5.2005. R: Johan Simons.
DE: Theater der Stadt Trier, 27.4.2008. R: Ali Abdullah
Tom Lanoyes Stück, bei den Wiener Festwochen unter dem Titel "Fort Europa" in einer stark gekürzten Fassung von Johan Simons durch ZT Hollandia uraufgeführt, liegt jetzt in der endgültigen Autorenfassung vor, mit vier neuen Szenen.
Es treffen sich Menschen unterschiedlicher Nationen, die zusammenwachsen sollen. Doch sie liefern sich aberwitzige, brüllkomische und absolut inkorrekte Wortgefechte über das sogenannte kulturelle Erbe Europas: Kathedralen und Schopenhauer, Russenhass und Parmaschinken. Die Frage, wie der vielbeschworene Zusammenhalt der Nationen gesteuert werden soll, wenn Angst vor Entindividualisierung und Vorurteile noch immer den Kontinent beherrschen, weiß jedoch keiner wirklich zu beantworten.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




Gas (Gaz. Pleidooi van een gedoemde moeder)
Deutsch von Rainer Kersten
Plädoyer einer verurteilten Mutter
von Tom Lanoye
Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten
UA: Theater Malpertuis, 17.4.2015. R: Piet Arfeuille.
DSE: Theater Bremen, 5.5.2017. R: Alize Zandwijk
GAS ist der Monolog der Mutter eines Attentäters, der einen Giftgasanschlag in der U-Bahn verübt und 184 Menschenleben auf dem Gewissen hat. Sie gibt Auskunft, über Geburt, Kindheit und Jugend, über die Talente und Eigenheiten ihres toten Kindes, ihre Beziehung zueinander und ihre Liebe zu ihm. Und sie vergegenwärtigt sich, wie der Sohn ihr langsam abhandenkam und trotzdem nichts auf das gewaltsame Ende hindeutete. "Ich suche ihn. Mein Kind." Doch sie findet nur das Unerklärliche – und man sieht sich mit der monströsen Frage konfrontiert: Könnte das auch mein Kind sein?
1D
1D




Königin Lear (Koningin Lear)
Deutsch von Rainer Kersten
von Tom Lanoye
nach Shakespeare
Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten
UA: Toneelgroep Amsterdam, 8.3.2015. R: Eric de Vroedt
DSE: Schauspiel Frankfurt, 9.9.2016. R: Kay Voges
KÖNIGIN LEAR handelt, frei nach Shakespeare, von einer erfolgreichen Firmenchefin, die beschließt, ihr weltumspannendes, „systemrelevantes“ Unternehmen unter ihren drei Söhnen aufzuteilen. Doch wie bei Shakespeare verweigert sich das jüngste Kind – mit weitreichenden, zerstörerischen Konsequenzen für die Familie, die Firma und auch die (Welt)Wirtschaft. Tom Lanoye zeichnet das Porträt einer "leading lady", die nicht begreift, dass ihre Familie nicht wie ein Geschäft zu führen ist, und mehr und mehr den Verstand verliert. Zu diesem Zweck hat er Shakespeares „Tragödie von König Lear“ in die heutige Zeit versetzt, ungewöhnlicherweise aber die neu geschriebene Sprache im Shakespeare’schen Gerüst von Vers und Rhythmus belassen. Aus dieser Spannung bezieht Lanoyes neuer Shakespeare seinen großen Reiz.
3D-6H
3D-6H




Mamma Medea (Mamma Medea)
Deutsch von Rainer Kersten
von Tom Lanoye
Aus dem Flämischen von Rainer Kersten
UA: Het Toneelhuis Antwerpen, 6.9.2001. R: Geradjan Rijnders.
DE: schauspielhannover, 25.1.2003, R: Sebastian Nübling / Theater Nürnberg, 25.1.2003. R: Georg Schmiedleitner
In seiner Bearbeitung lässt Tom Lanoye die Handlung viel früher einsetzen als bei Euripides: MAMMA MEDEA beginnt in Medeas Heimat, dem archaischen, streng patriarchisch regierten Kolchis, wo die Königstochter zwar Geborgenheit erfährt, aber wenige Freiheiten besitzt. Als die verwegenen Abenteurer aus dem fernen, fortschrittlichen Griechenland landen, öffnet sich für Medea eine neue Welt: Freiheit, Leidenschaft, Liebe, ein Leben jenseits der Konventionen. Der Liebe zu Jason und der Aussicht, mit ihm zu ziehen, opfert sie alle ihre Grundsätze und wird zur Mörderin von Vater und Bruder.
Der zweite Teil spielt Jahre später: In Griechenland angekommen, arrangiert sich Medea als Hausfrau und Mutter mit einem neuen Leben, von dem sie erkennen muss, dass es ihr übergroßes Opfer nicht wert war und ihre Erwartungen niemals erfüllen wird. Sie bleibt heimatlos, peu à peu erlischt die Liebe, Jason wendet sich ab, das tragische Ende ist nicht aufzuhalten. Ein moderner Geschlechterkampf, ein Ehekrieg, dem die Kinder zum Opfer fallen, aber in einer neuen Version, getötet von beiden Eltern, die sich in der Schuld wieder nahe sind.
Tom Lanoye schafft den Sprung in die Gegenwart, ohne die archaische Wucht der Vorlage preiszugeben: Er erzählt den ersten Teil der Medea auf Kolchis in Vers und Metrum, die Sprache spiegelt die archaische Strenge und Fremdartigkeit des Ortes, der zweite Teil ist sprachlich von heute, das Schicksal von Mamma Medea ist eines von hier und jetzt.
3D-7H (3D - 7H - 2 Kinder)
3D-7H (3D - 7H - 2 Kinder)




Mefisto Forever (Mefisto for ever)
Nach Klaus Mann
Deutsch von Rainer Kersten
Frei nach Klaus Mann
von Tom Lanoye
Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten
UA: Toneelhuis Antwerpen, 2007. R: Guy Cassiers.
DE: Maxim Gorki Theater, Berlin, 26.2.2008. R: Armin Petras
MEFISTO FOREVER wurde inspiriert von Klaus Manns berühmtem Roman "Mephisto". Der Wert, der Anspruch, die Verantwortung des Künstlers in der Gesellschaft - Kunst und Macht: darum geht es in Tom Lanoyes Stück, das nur auf der Bühne spielt, und zwar vor, während und nach Theaterproben.
Dem Starschauspieler Kurt Köpler tragen die neuen, totalitären Machthaber das Amt des Theaterintendanten an, nachdem sie den alten, missliebigen zum Rücktritt gedrängt haben. Er nimmt an, doch sein Vorsatz, aus dem Theater einen Hort des Widerstands zu machen, entpuppt sich als Selbsttäuschung. Anfällig für Schmeicheleien und unfähig, für eine Überzeugung einzustehen, gibt er sich den Rollen aus der Weltliteratur hin und sieht tatenlos zu, wie die Politiker die Bühne erobern. Während der Kriegslärm immer lauter wird und der Minister auf der Bühne aufpeitschende Reden hält, beschwört Kurt Köpler die Kunst um der Kunst willen und gibt sich seinen Rollen aus der Weltliteratur hin. Kaum ist der Krieg vorbei, erscheint ein neuer Machthaber und fordert ihn auf, gleich weiterzuspielen. Das passt: Etwas anderes als "spielen" kann er nicht mehr.

"Die zentrale Idee für 'Mefisto forever' war die Einheit des Raumes: Alle Szenen sollten sich im Theater ereignen, um ein doppelbödiges Spiel von Proben und ‚richtigem Leben’ zu erzeugen, in dem die unterschiedlichsten Dramen der Weltliteratur zitiert werden konnten, ein Patchwork aus Dramen-Zitaten und tatsächlichem Drama – ein Lied von Schein und Sein, ein Spiegelkabinett der Manipulation, Feigheit und Tapferkeit." (Tom Lanoye)
4D-4H
4D-4H




Schlachten! (Ten Oorlog!)
Zusammen mit Luk Perceval
Deutsch von Rainer Kersten und Klaus Reichert
Nach Shakespeare von Tom Lanoye und Luk Perceval
Aus dem Niederländischen/Flämischen
von Rainer Kersten und Klaus Reichert
UA: Blauwe Maandag Compagnie, Gent, 22.11.1997. R: Luk Perceval.
DE: Salzburger Festspiele, 25.7.1999/Deutsches Schauspielhaus Hamburg, 2.10.1999. R: Luk Perceval
Die Vorlage für SCHLACHTEN! liefern Shakespeares berühmte Königsdramen: "Richard II.", "Heinrich IV.", "Heinrich V.", Heinrich VI." und "Richard III.", die zusammen den Zyklus der Rosenkriege bilden. Der flämische Autor Tom Lanoye hat, gemeinsam mit dem Regisseur Luk Perceval, diese Dramen neu geschrieben: Mal nah am Original, mal weit von ihm entfernt. Er hat die Akzente anders gesetzt, das Riesenpersonal reduziert, Figuren umgeschrieben, bei Shakespeare schwach Angedeutetes krass ins Licht gezerrt. Aus acht abendfüllenden Stücken werden bei Lanoye und Perceval sechs, die in einem Zug zu spielen sind: ein Theatergedicht um Machtkriege und Überlebenskämpfe. Generationenkonflikt, Geschlechterkrieg und der selbstzerstörerische Kampf des Individuums mit sich selbst - das sind die zentralen universellen Themen dieses Werkes.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum