Rolf Kemnitzer

geboren 1964 in Langenfeld/Bayern. Regiestudium an der Theaterakademie Ulm. Er arbeitete als Schauspieler und Regisseur in Anklam, Bautzen und Rom, bevor er in Berlin die Jugendtheatergruppe »Die verstörten Wunschkinder« leitete, zusammen mit Adrian Kennedy »The Too Late Nite Show« erfand (heute als »Rolf und Adrian« u.a. auf der Couch unterwegs) und anfing Stücke zu schreiben. Mit der HERZSCHRITTMACHERIN, einer Liebesgeschichte zwischen todesresistenter Großmutter und lebensgefährdetem Enkel,... weiterlesen »

geboren 1964 in Langenfeld/Bayern. Regiestudium an der Theaterakademie Ulm. Er arbeitete als Schauspieler und Regisseur in Anklam, Bautzen und Rom, bevor er in Berlin die Jugendtheatergruppe »Die verstörten Wunschkinder« leitete, zusammen mit Adrian Kennedy »The Too Late Nite Show« erfand (heute als »Rolf und Adrian« u.a. auf der Couch unterwegs) und anfing Stücke zu schreiben. Mit der HERZSCHRITTMACHERIN, einer Liebesgeschichte zwischen todesresistenter Großmutter und lebensgefährdetem Enkel, wurde er bekannt. Mittlerweile Autor von einem halben Dutzend weiteren Stücken, macht er sich laut stark für einen verantwortungsvolleren Umgang der Theater mit den Autoren: mit gleichgesinnten »Battleautoren« verfasste er unter der Maxime »Uns pflegen heißt euch pflegen« die »10 Wünsche für ein künftiges Autorentheater«, gründete DramaTisch, den wohl ersten Dramatiker-Stammtisch der Literaturgeschichte, und rief das Autorenfestival DramaTischTage ins Leben. Rolf Kemnitzer lebt und arbeitet in Berlin.

Auszeichnungen:

2005 RadioJournal-Rundfunkpreis
2001 Stipendium des Stuttgarter Schriftstellerhauses; Stipendium des Deutschen Kulturfonds
2000 Stipendium der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen
1999 Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste, Berlin

 
Rolf Kemnitzer »
Theaterstücke (5)
Das Geschrei der Gartenzwerge im Traum
von Rolf Kemnitzer
Johnny, Krassja, Liz und Ron sind in einem spießigen Provinznest aufgewachsen, zwischen Schützenverein, Vorgärten mit Gartenzwergen und Nachbarn, die hinter den Gardinen lauern. Inmitten dieser dörflichen Erwachsenenwelt hatten sie sich als Jugendliche einen Rückzugsort geschaffen: den "Tempel", einen alten Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, einen Ort der Rituale, wo jeder die Wahrheit sagen und dasjenige ins Feuer werfen muss, was ihm am wichtigsten ist. Hier hatten sie auch eine "Schatzkammer" angelegt mit Blindgängern aus alten Munitionslagern. Einmal aber ist einer explodiert, als Johnny sich gerade im Bunker aufhielt. Danach war er für lange Zeit verschwunden. Nun, Jahre später, ist er überraschend zurück. Es kommt zum Wiedersehen der Jugendfreunde, die inzwischen an der Schwelle zum Erwachsensein stehen, die schon arbeiten oder in der Stadt leben. Nur was Johnny in all den Jahren getrieben hat, bleibt im Dunkeln. Als er auftaucht, kehrt mit ihm aber auch die alte Magie an den "Tempel" zurück. Denn Johnny hat ein Amulett dabei, von dem er behauptet, ein Indianerhäuptling habe es ihm überreicht. Denjenigen, der es um den Hals trägt, verwandelt es in eine Wunschgestalt. Alsbald geschehen daher seltsame Dinge, angefangen damit, dass Liz’ Hund Whisky auf einmal in menschlicher Gestalt erscheint.
DAS GESCHREI DER GARTENZWERGE IM TRAUM ist ein Stück über das Erwachsenwerden und die damit verbundenen (irrealen?) Träume aber auch realen Lebensentscheidungen. Eine "sommernächtliche Horroridylle" für ein vor allem junges Publikum.
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Der Schnüffler
von Rolf Kemnitzer
UA (unter dem Titel "Der Waschboy"): Staatstheater Stuttgart , 15.12.2007. R: Stefan Herrmann
EA der Neufassung: Staatstheater Nürnberg, 20.10.2011. R: Michael Schlecht
Wenn sich ein unbekannter junger Mann in deinem Keller einnistet, sich dir als "Waschboy" andient und behauptet, er sei dein Sohn, wenn er dir zu Weihnachten eine Frau in einem Sack schenkt und sich herausstellt, dass es deine eigene ist, wenn er schließlich, als du dich gerade an die späte Vaterschaft gewöhnst, verschwindet mit den Worten: "Sie sind nicht der einzige, den ich ausprobiert habe" – dann ist man unverkennbar mitten in einem Stück von Rolf Kemnitzer. DER SCHNÜFFLER ist "ein Familienepos in 10 Szenen".
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Die Bauchgeburt
von Rolf Kemnitzer
UA: Saarländisches Staatstheater Saarbrücken, 2.3.2002. R: Urs Odermatt
Felix' Freundin Sonja ist schwanger. Das aber stellt in einer Zeit, in der Babys normalerweise nicht mehr im Mutterleib ausgetragen werden, eine medizinische Besonderheit dar, und Felix, in seiner Firma kürzlich zum "Mainloser" gewählt und somit arbeitslos, stellt diesen außergewöhnlich menschlichen Vorgang ins Netz, um zahlreiche Chatter an der echten Bauchschwangerschaft teilnehmen zu lassen.
Auf dem Bildschirm erscheinen so unter anderem Transvestiten, eine Kindergärtnerin und ein altes Hippiepärchen, das Interesse zeigt, das "natural born belly-baby" zu kaufen. Sonja, die die Peinlichkeit der Bauchschwangerschaft am liebsten verschweigen würde und sich mit Tabletten ruhig hält, versteht das Interesse nicht. Sie zieht vorübergehend zu Felix' zynischem Bruder Peter, während die pubertär-schrille Larissa Felix vor laufender Kamera zu verführen versucht.
Das Geschehen wird zunehmend zur Show: vier Millionen verfolgen den Fortgang, und nachdem Sonja das Kind geboren hat, wird ihr Wiedersehen mit Felix von verschiedenen Kamerateams aufwendig inszeniert. Leider fällt dem frischgebackenen Vater partout nichts Euphorisches ein. Außerdem versteht sich das Baby nur mit Larissa, die einen groß in Mode gekommenen künstlichen Bauch umgeschnallt hat.
Also muß eine Kunstfamilie her, die auf dem Monitor glückliches Beisammensein suggeriert, während Sonja und Felix jenseits der Kamera in verlöschendem Licht von der Flucht träumen.
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Die Herzschrittmacherin
von Rolf Kemnitzer
UA: Staatsschauspiel Dresden, 2.12.1998. R: Stefan Nolte
Jochen macht, im Auftrag seiner Mutter und gegen Geld, einen Pflichtbesuch bei seiner Großmutter, um sie zum Umzug in ein Heim zu bewegen. Doch Magda denkt nicht daran, sich dem Familienrat zu beugen. Im Gegenteil: sie macht mobil und reißt mit ihrer wiedererwachenden Lebenslust auch Jochen aus seinem Tran. Er bleibt bei ihr und lässt sich zu einem großen Coup überreden.
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Magdalenas Engel
von Rolf Kemnitzer
"Neunzig Jahr zu leben. Wie lang noch? Überall Hornhaut! Schlussaus!"
Magdalena ist 90 Jahre alt. Sie kann kaum noch laufen. Auch mit dem Hören geht’s schlecht. Im Prinzip hat sie alles außer Zucker: "Süß war ich noch nie."
Ein letztes Mal erinnert sie sich an die Stationen ihres Lebens. Wie sie als junge Frau mit ihrem Hermann, dem SS Mann, in Litzmannstadt war, wo die Männer Zigarren pafften wie die Herrenmenschen. Dann der totale Zusammenbruch, das Verschwinden ihrer kleinen Tochter, die Flucht. Ihr Herrmann nur noch ein Krüppel, der ihr das Geld aus der Tasche zog. Trotzdem rappelte sie sich langsam wieder hoch, ließ sich scheiden und zog ihre drei Kinder alleine groß. Und wie danken sie es ihr jetzt? Sie wollen sie entmündigen lassen.
Der tragikomische Monolog Rolf Kemnitzers ist ein Parforceritt durch die letzten 90 Jahre deutscher Geschichte und eine Aufgabe für eine Schauspielerin (oder einen Schauspieler?), die zugleich 90 Jahre alt und blond und gewaltig sein kann.
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