Yaak Karsunke

geboren 1934 in Berlin. Der ausgebildete Schauspieler gehörte zu den ersten Autoren des jungen Verlages. Damals hatte er gerade in zwei frühen Fassbinder-Filmen mitgespielt und mit zwei Ballettlibretti Aufsehen erregt, die er für den Bremer Choreographen Johan Kresnik geschrieben und unter dem programmatischen Schlachtruf »Ballett kann kämpfen« dem bürgerlich-konservativen Publikum zugemutet hatte. Das Kämpferische ist auch Karsunkes Theaterstücken eigen: sein erfolgreichstes, 1972 entstanden... weiterlesen »

geboren 1934 in Berlin. Der ausgebildete Schauspieler gehörte zu den ersten Autoren des jungen Verlages. Damals hatte er gerade in zwei frühen Fassbinder-Filmen mitgespielt und mit zwei Ballettlibretti Aufsehen erregt, die er für den Bremer Choreographen Johan Kresnik geschrieben und unter dem programmatischen Schlachtruf »Ballett kann kämpfen« dem bürgerlich-konservativen Publikum zugemutet hatte. Das Kämpferische ist auch Karsunkes Theaterstücken eigen: sein erfolgreichstes, 1972 entstanden und 1973 uraufgeführt, ist DIE BAUERNOPER – Musik: Peter Janssens –, die den Deutschen Bauernkrieg aus der Sicht der Opfer und Unterlegenen schildert und sich als Korrektur einer »einseitig herrschaftsorientierten Darstellung« versteht. In den siebziger Jahren avancierte sie zum Kultstück der Studentenbewegung.

Auszeichnungen:

2005 Erich-Fried-Preis
 
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Theaterstücke (7)
Des Colhas' letzte Nacht
Ein Multi-Media-Madrigal
von Yaak Karsunke
mit Musik von Wilhelm Dieter Siebert
UA: Metamusik Festival 3, Berlin, 29.10.1978
Colhas ist hier der bürgerliche Rebell, der als einzelner sein individuelles Recht blutig, selbst auf Kosten des Volkes, gegen die Fürsten einklagt, aber von den Problemen der Bauern wenig begreift.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




Die Bauernoper
Szenen aus dem deutschen Bauernkrieg
von Yaak Karsunke
Musik von Peter Janssens
UA: Landestheater Tübingen, 19.4.1973. R: Roland Gall
Szenen aus dem deutschen Bauernkrieg von 1525, in denen nicht Fürsten und Führer im Mittelpunkt stehen, sondern die kämpfenden Bauern selbst. Ein kritisches Spektakel, das überraschende Parallelen zur heutigen Zeit aufweist.
3D-10H
3D-10H




Germinal
von Yaak Karsunke
Nach Zola
UA: TAT, Frankfurt am Main, 15.9.1974. R: Rainer Werner Fassbinder
Zolas berühmter Roman, der 1993 von Claude Berri mit Gerard Depardieu in der Hauptrolle verfilmt wurde, handelt von einem Bergarbeiteraufstand im Frankreich Ende des 19. Jahrhunderts. Die Theaterfassung folgt den wichtigsten Stationen des Romans und konzentriert die weitverzweigte Handlung geschickt auf die entscheidenden Ereignisse und Personen.
7D-16H
7D-16H




Nach Mitternacht
von Yaak Karsunke
Nach dem Roman von Irmgard Keun
UA: Städtische Bühnen Osnabrück, 16.2.1982. R: Goswin Moniac
Ein Schicksal im Dritten Reich aus der Perspektive eines jungen Mädchens: Sanna lebt bei ihrer Tante in Köln. Wegen einer kecken Bemerkung wird sie denunziert und von der Gestapo verhört. Nach ihrer Freilassung zieht sie nach Frankfurt zu ihrem Bruder, einem "angepassten" Schriftsteller. Sie begegnet Leidtragenden und Nutznießern der Nazi-Herrschaft und lernt einen Journalisten kennen, der Schreibverbot erhielt. Als ihr Freund im Affekt einen Denunzianten umbringt, flieht sie mit ihm über die holländische Grenze. Nach Mitternacht ist sie in Sicherheit.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




Ruhrkampf-Revue
von Yaak Karsunke
Musik von Peter Janssens
UA: Landestheater Castrop-Rauxel, 1.5.1975. R: Roland Gall
Yaak Karsunke erzählt in seiner Ruhrkampf-Revue die Geschichte des Ruhrkampfs von 1920 auf der Seite der Unterdrückten und Besiegten, belegt durch das verfügbare historische Material.
4D-10H
4D-10H




Unser schönes Amerika
von Yaak Karsunke
Musik von Wilhelm Dieter Siebert
UA: TAT, Frankfurt am Main, 19.11.1976. R: Hermann Treusch
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




Unter Brüdern
von Yaak Karsunke
"Es dürfte amüsant sein, zu sehen, wie einer reagiert, dem sein leibhaftiges Spiegelbild über den Weg läuft." Diese Überlegung ist der Ausgangspunkt eines Spiels, eines Experiments, das sich hohe Hofchargen mit Hofrat Cremer erlauben. Der ebenso pflichtbewusste Bürger wie selbstgerechte Hofrat ist den adligen Hofschranzen schon länger ein Dorn im Auge, und so inszenieren sie dieses Spiel, konfrontieren ihn mit seinem Ebenbild, einem armen, aufgeputzten Bauernknecht. Aber was diesen als Schabernack erscheint, stürzt Cremer in eine Identitätskrise. Alles, worauf er bisher stolz war, sein Elternhaus, seine gesellschaftliche Stellung, seine Bildung und die Liebe seiner Frau, alles scheint mit dem Auftauchen dieses Ebenbildes, des bisher unbekannten Zwillingsbruders, in Frage gestellt zu sein. Für ihn stellt dieser arme Bruder eine Bedrohung seiner gesamten Existenz dar. Sein Lebensweg, der bisher geradlinig vorgeschrieben zu sein schien, verwandelt sich in ein Labyrinth. Die Angst vor dem Spiegelbild macht den Bruder zum Ungeheuer, wirft die mörderische Frage auf: Wer wen?
3D-9H
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