Wilfried Happel

geboren 1965 in Nürnberg, lebt in Berlin als freier Regisseur und Autor im hierzulande seltenen Genre der absurden Komik höchst formaler Spiele. Happel war Dramaturg von Gustavo Frigerio und Elettra de Salvo am Künstlerhaus Mousonturm. In Zusammenarbeit mit dem Regisseur Andreas Buettner entstanden die Berliner Produktionen "In-Contenance" und "Geliebter Mars", eine Adaption von Fritz Zorns "Mars" für die Bühne. Seit November 2009 liegt sein erster Prosaband vor: "Abstecher ins bürgerliche... weiterlesen »

geboren 1965 in Nürnberg, lebt in Berlin als freier Regisseur und Autor im hierzulande seltenen Genre der absurden Komik höchst formaler Spiele. Happel war Dramaturg von Gustavo Frigerio und Elettra de Salvo am Künstlerhaus Mousonturm. In Zusammenarbeit mit dem Regisseur Andreas Buettner entstanden die Berliner Produktionen "In-Contenance" und "Geliebter Mars", eine Adaption von Fritz Zorns "Mars" für die Bühne. Seit November 2009 liegt sein erster Prosaband vor: "Abstecher ins bürgerliche Jenseits", erschienen in der Schweizer edition pudelundpinscher.
 
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Theaterstücke (11)
Das Schamhaar
von Wilfried Happel
UA: Schauspiel Köln, 11.9.1994. R: Thirza Bruncken
Die bis zum Ende offen bleibende Frage, wie ein Schamhaar auf den Tisch kam, und, mehr noch, wem es vor dem Ausfall gehörte, führt zu einem Aufzeigen gesellschaftlichen Rollenverhaltens: wie die Mutter ihr unangenehme Sachverhalte in Kopfschmerzen verdrängt, wie der Jüngste den Versuch, eine Freundin in die Familienrunde zu schmuggeln, verklemmt abbiegt und wie sich beide Generationen über ihr unterschiedliches Hörvermögen streiten.
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Der Nudelfresser
von Wilfried Happel
UA: Deutsches Theater Berlin, 25.6.2000. R: Michael Schweighöfer
DER NUDELFRESSER ist in einer verzweifelten Lage: "Ich will nicht mehr der Nudelfresser sein, ich will-! Ach ich will ich will ich will. Aber ich bin zum Nudelfressen hier hingestellt, das ist meine Bestimmung, und glaube bloß nicht, du könntest deiner Bestimmung entgehen." Verzweifelt versucht der Nudelfresser zwischen nicht enden wollenden Nudelpaketen und leeren Ketchupflaschen mit einer rätselhaften Person im Nebenzimmer Kontakt aufzunehmen, und bemüht sich um Emanzipation von "dem Typ, der mich schreibt" und "von dem Typ, der mich spielt". Bis er schließlich Abschied nimmt.
Grotesk komisch und traurig ist DER NUDELFRESSER eine Virtuosennummer für einen komödiantischen Schauspieler.
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Die Stimme des Blutes
Trashcomedy mit Musik
von Wilfried Happel
Robby ist auf der Suche nach – ja, wonach eigentlich? Nach Identität? Nach Glück? Nach dem eigenen Leben? Schwer zu finden, was man nicht kennt. Und was einem auch nicht vorgelebt wird: Robbys Schlägervater sitzt im Knast, die Mutter will von ihrem Ex nichts mehr wissen. Sie sperrt den Jungen ein, damit er nicht nach seinem Erzeuger gerät. Doch Robby büchst aus, lernt auf der Straße ein Mädchen kennen, und über sie auch seinen Vater, der gerade mal wieder auf freiem Fuß ist. Der Kreis schließt sich, aber dann kommt alles ganz anders, und doch wieder so, wie vorherzusehen - bei DER Familie.
DIE STIMME DES BLUTES ist ein böses ergötzliches Stück absurde Gegenwart: über miserable Eltern, die einfach nicht totzukriegen sind, und über deren Kinder, die nicht wissen, wohin mit sich. Ein Text mit zahlreichen Gesangseinlagen vom Rap über das melancholische Chanson bis zum Erbauungslied: Manche muss man eben zu ihrem Happy End zwingen.
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Fischfutter
Ein Doppelspiel
von Wilfried Happel
UA: Stadttheater Bremerhaven, 8.4.2005. R: Henning Bock
Wilfried Happel setzt die Wahnsinns-Maschinerie in FISCHFUTTER als "Doppelspiel" in Gang. Die Handlungen sind hier im wahrsten Sinne doppelbödig, die Figuren doppelzüngig – denn jeder Schauspieler übernimmt gleich zwei Rollen. Daraus entwickelt sich eine abgründige, turbulente Krimigroteske in bester Happelscher Manier: Ein Junge verschwindet von zuhause. Auf der Suche nach ihm treten unter anderem auf: Jürgens Eltern Doris und Uwe, die offenbar einen Vorfall aus der Vergangenheit überspielen. Ein Detektiv auf der Suche nach seinem ersten Fall und nach ungeheuer attraktiven Frauen wie den beiden Schauspielerinnen Ingrid und Irina. Und schließlich der Werbeagent Albin Müller, der unter einer Hodenoperation ebenso zu leiden hat wie unter seinem verkupplungsfreudigen Vater. Während sich Albins Vater allerdings noch eifrig bemüht, den Sohn unter die Haube zu bringen, wetzt der Junior bereits die Messer. Eine Zeitungsnotiz bringt ihn auf eine Idee: "So etwas! Da hat ein Mann seine Frau umgebracht, und um den Mord perfekt zu machen, hat er sie zu Fischfutter verarbeitet und an die Goldfische verfüttert im Goldfischteich." Krematorium und Friedhof sind passé – die Jugend macht in Fischbranche, und alle ihre Probleme lösen sich im Aquarium auf.
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FressOrgie oder Der Gott als Suppenfleisch
Komödie mit musikalischen Einlagen
von Wilfried Happel.
Nach Gilles' "Vent du soir".
UA: Schauspiel Hannover, 18.5.2000. R: Erik Gedeon
Happels Komödie mit musikalischen Einlagen nach Offenbachs Operette "Vent du soir" kommt als Endzeitgroteske daher: Indianerhäuptling Abendwind erwartet seinen Erzfeind "Großer Hase" zu Friedensgesprächen und möchte ihm nach kannibalischer Sitte einen Braten servieren. Im Topf aber landet der Sohn von "Großer Hase".
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Mein Onkel Bob
von Wilfried Happel
UA: Theater Nürnberg, 12.12.2003. R: Petra Luisa Meyer
MEIN ONKEL BOB ist ein Stück wie das Paradoxon des Epimenides ("Alle Kreter sind Lügner"), aus dem man, ist man einmal drin, so leicht nicht mehr herausfindet. Drei Personen treten auf die Bühne und verkünden die Nicht-Aufführung von MEIN ONKEL BOB. Oder gehört das schon zum Stück? Wo fängt MOB an, und wo hört es auf? Ein sprachakrobatisches Spiel à la Happel: tiefsinnig und hochfahrend, aberwitzig und völlig durchgeknallt, mit Wendungen und Volten für eine schwindelfreie Regie und ebensolche Darsteller. MOB - was Dada einst war, die konkrete Dichtung von Konrad Bayer und Gerhard Rühm neu erfand, was den jungen Handke inspirierte, das führt Happel weiter zu einem neuen Höhepunkt.
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Mordslust
von Wilfried Happel
UA: Schauspiel Köln, 3.2.1996. R: Torsten Fischer
MORDSLUST ist eine Familienvernichtungsmaschine - in der Tradition von Sternheim, Vitrac und Ionesco. Drei Generationen spielen das Spiel von Liebe und Tod, wobei die Jugendlichen die Waffen bestimmen. Was "Natural Born Killers" fürs Kino, ist MORDSLUST fürs Theater. Nur lustiger.
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Neukölln-Teheran
von Wilfried Happel
Happels Farce beginnt mit dem Schluss. Elmar Kaminski ist verzweifelt, er hält sich einen Revolver an den Kopf. Wie konnte es soweit kommen? Rückblende: Elmar lebt in einem Stadtviertel, das schon bessere Tage gesehen hat. Überhaupt beschleicht den Harz IV-Empfänger das Gefühl, dass seltsame Dinge vor sich gehen. Nicht nur seine Wohnung, die ganze Welt, so glaubt er, schrumpft. Seine Frau Irmi führt Elmars Weltuntergangsszenarien auf dessen Alkoholkonsum zurück. Sie geht längst ihre eigenen Wege, stürzt sich in Affären und ins Training für die "Speck-weg"-Fernsehshow. Sohn Gordon bleibt derweil sich selbst überlassen und probt schon mal den Amoklauf. Zu allem Überfluss mischt sich noch Irmis Mutter in das zerrüttete Familienleben ein. Sie ist es auch, die den Kontakt zu Nachbar Yusuf knüpft, der sich bereit erklärt hat, Gordon eine Lehrstelle zu vermitteln. Doch der Haken an der Sache: Die Ausbildung wäre in Teheran. Zudem verfolgt Yusuf mit dem Angebot seine ganz eigenen Pläne, während die Polizei nach einem iranischen Bürger ohne Aufenthaltsgenehmigung fahndet...
In NEUKÖLLN-TEHERAN geht es um Alltagsängste, um heimlichen Rassismus und offene Vorurteile, aber auch um Werteverlust und falsche political correctness. Mit all dem spielt Wilfried Happel virtuos, lässt die Figuren wiederholt aus ihren Rollen treten, sie sich in sprachlichen Loops verfangen und in der Zeit springen. Eine böse Farce zur Integrationsdebatte.
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Romanze von Rainald und Renate
Monodrama von Wilfried Happel
UA: Gostner Hoftheater Nürnberg, 10.4.2002. R: Gisela Hoffmann
Wilfried Happels ROMANZE VON RAINALD UND RENATE ist ein Solo für eine ältere Frau. In der Schule verliebt sich das Mauerblümchen in den Klassenschwarm, den sie zu ihrer Überraschung später heiratet, womit ihr Ehemartyrium beginnt. Im Laufe der Jahre verschlägt es ihr buchstäblich die Sprache. Sie verstummt, während der Hass wächst, der sie schließlich den Mann erschlagen lässt. Im Gefängnis – und von hier aus wird das Stück erzählt – findet die Frau die Sprache wieder, die Worte, mit denen sie jetzt die Geschichte ihrer Befreiung erzählt.

Uraufgeführt unter dem Titel DIE WORTLOSE.
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Selberleben
von Wilfried Happel
"Ich bin mir nicht sicher. Es ist ein Gefühl, eine Ahnung, eine Intuition..." Das undeutliche Empfinden, dass etwas falsch läuft in ihrem Leben, dass der Alltag ihnen entgleitet, ein schleichendes Gefühl von Orientierungslosigkeit und Fremdbestimmtheit – das verbindet die Figuren in Wilfried Happels Sprechpartitur für 5 Spieler. In 5 Anläufen unternehmen sie den teils absurd-komischen, teils exzessiven, immer jedoch alternativlosen Versuch, SELBER(zu)LEBEN:
SELBERLEBEN 1: Einer Frau kommt der entsetzliche Verdacht, dass in ihr eine andere ist, die es auf ihren Mann abgesehen hat.
SELBERLEBEN 2: Einen Mann quält die wachsende Erkenntnis, dass das falsche Leben, in das er sich wie in ein Labyrinth verirrt hat, sein Leben ist.
SELBERLEBEN 3: Fünf Figuren suchen das gemeinsame Glück. Schlecht nur, dass keine das alleinige Glück in sich selbst findet.
SELBERLEBEN 4: Ein Mann allein in seiner Wohnung. Wie wäre es, wenn er sich selbst aus dem Nebenraum zuhören könnte? In sein Gedankenspiel schalten sich zwei andere Männer ein.
SELBERLEBEN 5: Elektra, Agamemnon, Klytämnestra, Ägist und Orest – sind wenigstens die antiken Helden noch mit sich selbst im Einklang? Oder wurde durch ihre Katastrophe das Karussell von Liebe, Verrat, Rache und Gewalt erst in Gang gesetzt, auf dem wir heute noch sitzen?
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