Dieter Forte

geboren 1935 in Düsseldorf. Kaufmännische Lehre, seit 1962 arbeitet er als freier Schriftsteller. Lebt in Basel.
Die Erfolge seiner Romane, namentlich der 1992 begonnenen Trilogie "Das Haus auf meinen Schultern", haben die Tatsache verdrängt, dass Dieter Forte als Theaterautor begonnen hat: mit der Geschichtsinterpretation MARTIN LUTHER & THOMAS MÜNZER, die am Basler Theater 1970 uraufgeführt wurde und erregte Diskussionen, besonders in der evangelischen Welt, provozierte. Das Stück ist... weiterlesen »

geboren 1935 in Düsseldorf. Kaufmännische Lehre, seit 1962 arbeitet er als freier Schriftsteller. Lebt in Basel.
Die Erfolge seiner Romane, namentlich der 1992 begonnenen Trilogie "Das Haus auf meinen Schultern", haben die Tatsache verdrängt, dass Dieter Forte als Theaterautor begonnen hat: mit der Geschichtsinterpretation MARTIN LUTHER & THOMAS MÜNZER, die am Basler Theater 1970 uraufgeführt wurde und erregte Diskussionen, besonders in der evangelischen Welt, provozierte. Das Stück ist der erste Teil einer Trilogie, die sich von der EINFÜHRUNG DER BUCHHALTUNG in die EINFÜHRUNG IN DIE ZIVILISATION (Jean Henry Dunant) fortsetzt und im LABYRINTH DER TRÄUME (Hitler-Kürten) endet. Bis Anfang der neunziger Jahre entstanden an die zwanzig weitere Theaterstücke, Hörspiele und Drehbücher, bevor der Erzähler in Forte die Oberhand gewonnen hat.

Auszeichnungen:

2005 Niederrheinischer Literaturpreis
2005 Johann-Jakob-von-Grimmelshausen-Preis
2004 Hans-Erich-Nossack-Preis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft
2003 Ehrengabe der Heinrich-Heine-Gesellschaft
1999 Bremer Literaturpreis
1992 Basler Literaturpreis
1980 Fernsehspiel des Monats Oktober
1980 Hörspiel des Monats Juli
 
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Theaterstücke (7)
Das endlose Leben
von Dieter Forte
UA: Theaterinitiative NRW/Düsseldorfer Schauspielhaus, 12.10.1991. R: Wolfgang Forester
Das "optimistische Stück über wenig rosige Zeiten" schildert am Beispiel einer Düsseldorfer Familie, die der Autor über mehrere Generationen verfolgt, fast zweihundert Jahre deutsche Geschichte: von der Besatzungsherrschaft Napoleons bis zum Zweiten Weltkrieg, von der Gründung erster Arbeitervereine bis zum Einzug der Japaner. Eine farbige Geschichtsrevue - keineswegs nur für Düsseldorfer.
5D-10H
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Das Labyrinth der Träume oder Wie man den Kopf vom Körper trennt
von Dieter Forte
UA: Basler Theater, 10.3.1983. R: Friedrich Beyer
Hitler, deutscher Reichskanzler und Führer, Kürten, Massenmörder aus Düsseldorf – dies sind die einander gegenüberstehenden, einander aber auch ergänzenden Protagonisten in DAS LABYRINTH DER TRÄUME ODER WIE MAN DEN KOPF VOM KÖRPER TRENNT. Forte hat diese beiden, auf den ersten Blick so unterschiedlichen Gestalten zusammen auf die Bühne gebracht, und im dramatischen Kraftfeld, in der synthetischen Zusammenschau enthüllen sich die geheimen Parallelen zwischen dem gewalttätigen Politiker und dem politikfernen Gewalttäter. Was die Taten Hitlers aus der Sphäre des bloßen individuellen Verbrechertums eines Kürten heraushebt, ist ihre Ästhetisierung, ihre Inszenierung als Politik.

Dieter Forte schreibt zu seinem Drama:
"Ein Phantasiestück in piranesischer Manier über den ewigen Versuch, aus den carceri unseres Bewußtsein zu entfliehen in eine durch Kunst und falsche Mythen verwandelte 'bessere, schönere' Welt. Ein Nachtstück über das Innere von Menschen, die ihre Welt als Gefängnis inszenieren, gegen sie rebellieren, indem sie immer neue, größere Kerkerwelten errichten."
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




Der Artist im Moment seines Absturzes
von Dieter Forte
UA: Staatstheater Kassel, 7.9.1991. R: Eva Niedermeiser
Zwei Schauspieler auf der Probe. Ihre Rollen: ein deutsch-jüdisches Emigranten-Ehepaar auf der Flucht vor den Nazis. Die Dekoration markiert ein Hotelzimmer in Paris Ende der dreißiger Jahre. Er ist ein Schriftsteller, dessen 'Heimat' einzig die öffentliche Bibliothek, die Nationalbibliothek, ist. Hier scheint der einzige Ort, wo inmitten des Chaos der Welt noch Ordnung und Übersicht herrschen. Alltägliche Fragen nach Geld, Visum, Unterkunft, Weiterreise in die USA schiebt er beiseite, überlässt er seiner Frau. Schreiben ist für ihn die einzige Möglichkeit, in der Emigration zu leben, die einzig mögliche Form des Widerstands.
An der Frage nach dem Sinn des eigenen Tuns berühren die Figuren ein existentielles Problem auch der beiden Schauspieler, die sie verkörpern: Weiterspielen oder aufhören, 'Wichtigeres' tun, sich aufs Land zurückziehen oder sich politisch engagieren - diese Fragen stellen sich den beiden immer wieder, und ihre Beantwortung wird durch das Spiel noch drängender.
Mit DER ARTIST IM MOMENT SEINES ABSTURZES hat Dieter Forte ein Kammerspiel geschrieben, das spielerisch die Frage nach unserem Tun stellt. Das Stück ist ein Manifest für einen Widerstand, der in der Beharrlichkeit liegt, für ein Theater, dessen Sinn nicht zuletzt im Spielen selbst liegt. Die dramaturgische Form des Spiels im Spiel impliziert auch eine Reflexion über das Medium, über das Verhältnis von Theater und Realität.
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Jean Henry Dunant oder Die Einführung der Zivilisation
von Dieter Forte
UA: Staatstheater Darmstadt, 30.3.1978. R: Roland Gall
Dieses Stück zeigt das Leben Jean Henry Dunants, der ein guter Mensch sein wollte und dabei die Menschen kennenlernte. Es zeigt das Leben der Bürger und ihrer Geschäfte in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Es zeigt den Aufstand der Commune in der Stadt Paris. Das Porträt eines Einzelnen und einer Gesellschaft. Hier die Bürger, die Fortschritt und Zivilisation sagen. Und dort die Arbeiter, die Freiheit und Revolution wollen. Dazwischen Dunant, der sich verheddert zwischen dem, was er fühlt und dem, was er zu sagen gelernt hat. Der über einem grausamen Geschehen zerbricht, und der im Alter nur noch Worte ohnmächtiger Wut hat. In einer großen Collage bringt Forte die Welt eines Jahrhunderts auf die Bühne: Bankiers und Generale, Bischöfe und Industrielle, Kurtisanen und Journalisten, Fabrikarbeiter, Näherinnen und Buchdrucker, den Gouverneur der Bank von Frankreich, Bettler und Börsianer, Bürger und Communarden.
Was in der EINFÜHRUNG DER BUCHHALTUNG (Luther/Munzer) angelegt war, setzt sich in der EINFÜHRUNG DER ZIVILISATION (Dunant) fort: die Mathiematisierung der Welt. Die Herrschaft der Zahlen, die die Welt in einen unaufhörlichen Konflikt treibt.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




Kaspar Hausers Tod
von Dieter Forte
UA: Staatstheater Wiesbaden, 21.4.1979. R: Horst Siede
Kaspar Hausers Tod am 17.12.1833 in Ansbach ist für Dieter Forte ein Beispiel für Tod durch politische Einflußnahme. Im Hinblick auf Hausers Ermordung ist das wörtlich zu verstehen. Aber nicht weniger konkret ist damit die Unterdrückung der freien Persönlichkeit durch Zensur und staatliche Überwachungspraxis gemeint - ein für unsere Zeit besonders aktuelles Thema. Forte erzählt nicht die Legende Kaspar Hausers, sondern zeigt, wie sie entsteht. Die ihn unterrichteten, erkennen mit seinem Tod die Fragwürdigkeit ihrer Wertvorstellungen. Angesichts der Parallelen zwischen seiner und ihrer eigenen Existenz flüchten sie in die Legendenbildung und verdecken damit das Schicksal anderer junger Menschen, deren Leben durch politische Willkür vernichtet wird.

"Ein Thema konnte dieser Kaspar Hauser nur werden, weil es ein solch märchenhaftes Wunder ist, dass ein Lebendigbegrabener zu einem 'intelligenten' Menschen gemacht wird, und weil es verboten war, über die vielen tausend intelligenten Menschen zu reden, die zu gleicher Zeit lebendig begraben wurden." (Dieter Forte)
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




Martin Luther & Thomas Münzer oder Die Einführung der Buchhaltung
von Dieter Forte
UA: Basler Theater, 4.12.1970. R: Kosta Spair
In einer Zeit, die von Grund auf in Bewegung geraten ist, am Beginn der Geschichte der Neuzeit, in den Jahren 1514 bis 1525, sehen wir die bestimmenden Figuren der Epoche beim Agieren, Platzieren und Platziertwerden; Menschen im Netz der Macht. Es geht um die Verflechtungen von Kirchengeschichte, Politik und Wirtschaft zur Zeit der Reformation. Und: "Es geht um vier junge Leute. Einer davon heißt Luther, einer Münzer, die beiden anderen Karlstadt und Melanchthon. Es geht um die Einführung der Buchhaltung. Es geht um die erste große deutsche Revolution." Dass beides zusammenfällt, ist vielleicht kein Zufall. Seit seiner Uraufführung 1970 in Basel hat dieses große dokumentarische Theaterstück mehr als vierzig Inszenierungen in zehn Ländern erlebt. Sein Thema, Expansion der Macht um jeden Preis, zeigt Konstellationen auf, die sich modellhaft wiederholen.
Besetzung ad libitum
Besetzung ad libitum




Weiße Teufel (The White Devil)
von Dieter Forte
Nach John Webster
UA: Basler Theater, 11.2.1972. R: Kosta Spair
"Websters Stück, das ich sehr frei bearbeitet habe, das für mich eigentlich nur Ausgangspunkt für eine Theaterarbeit war, ist in einer Zeit entstanden, in der man entdeckte, dass der Mensch des Menschen Feind ist. Der Stoff dieses Stücks wird auch heute noch durch Historie oder Gegenwart bestätigt und überboten. Dramaturgie und Sprache der 'Weißen Teufel' sind eigenständig, aber die gefundenen Strukturen, wie zum Beispiel das Herr-Knecht-Verhältnis, sind der Ausdruck für eine Welt, in der jedes Mittel recht ist. ... Es geht in den 'Weißen Teufeln' nicht um Philosophie, schon gar nicht um Ideologie. Das Stück zeigt schlicht und einfach eine Aktion, die aus Kampf- und Lebenspraktiken besteht. In diesem Stück liegt alles bloß. Das Spiel der Mächtigen mit ihren Opfern und der Umgang der Opfer mit ihren Herren erscheint wie eine Mechanik der Gewalt und Korrumpierung. Das Stück scheint rücksichtslos, denn es kennt keine Freiheit, nur die Freiheit, jeden seiner Freiheit zu berauben. ... Alle Figuren dieses Stücks beteiligen sich an einem Auf und Ab von Gewalt. Diese Figuren leben sich zu Tode. Die Hoffnung ist hier nur noch ein kindlicher, brüderlicher Tagtraum. Das sagt natürlich nichts gegen die Hoffnung, das sagt etwas über die Welt dieser Figuren." (Dieter Forte)
3D-7H
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