© Anita Schiffer Fuchs
Ludwig Fels

geboren 1946 in Treuchtlingen, arbeitete nach einer Malerlehre als Packer und Hilfsarbeiter, lebt seit 1973 als freier Autor zunächst in Nürnberg, heute in Wien.
 weiterlesen »

geboren 1946 in Treuchtlingen, arbeitete nach einer Malerlehre als Packer und Hilfsarbeiter, lebt seit 1973 als freier Autor zunächst in Nürnberg, heute in Wien.

Auszeichnungen:

2011 Wolfram-von-Eschenbach-Preis
2009 Literaturpreis der Wilhelm und Christine Hirschmann-Stiftung
2004 Wolfgang-Koeppen-Preis
2000 Elias-Canetti-Stipendium
2000 Otto Braun-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung
1999 Jahresstipendium des Deutschen Literaturfonds
1992 Kranichsteiner Literaturpreis
1991 Hamburger Stipendium
1990 Andreas-Reischek-Preis
1990 Stipendium des Deutschen Literaturfonds
1989 Stadtschreiber der Stadt Otterndorf
1989 Fördergabe des Schillerpreises
1989 Hörspiel des Monats
1987 Villa-Massimo-Stipendium
1985/86 Stadtschreiber von Bergen
1984 Hörspiel des Monats
1983 Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster
1981 Kulturpreis der Stadt Nürnberg
1979 Leonce-und-Lena-Preis der Stadt Darmstadt
1979 Preis des Literaturmagazins des Südwestfunks
1974 Förderungspreis der Stadt Nürnberg
 
Ludwig Fels »
Theaterstücke (8)
Der Affenmörder
von Ludwig Fels
UA: Münchner Kammerspiele, 7.2.1985. R: Ulrich Heising
DER AFFENMÖRDER handelt von dem Arbeiter Hans Walczak, dessen Glück das Akkordeonspiel ist. Sein Gesang ist nicht zum Aushalten, sein Spiel unerträglich, und natürlich erntet er nur Hohn und Spott, wenn er von einer Künstlerkarriere träumt oder Artikel über prähistorische Knochenfunde liest. Walcak ist ein Fremder, unter den Kollegen auf dem Bau ebenso wie zuhause im Wohnzimmer und Ehebett. Und er weiß ja selbst nicht, wie Traum und Leben zusammenkommen sollen: "Den Kopf kenn ich nicht, den ich aufhab."
Da taucht im Bierzelt ein Tierbändiger auf, der sich auf eine besondere Dressur versteht: Er führt seine Gehilfin als Äffin vor, schwingt die Peitsche und kitzelt bei den Zuschauern animalische Instinkte heraus. Walczak verliebt sich in die Frau, der der Geruch der Wildnis anhaftet. Er will sie vor ihrem sadistischen Peininger und den glotzenden Voyeuren retten und sie aus ihrem Käfig befreien. Er erkennt in ihr eine Schwester von Lucy, jenem fossilen Skelett eines weiblichen Wesens, das die Paläoanthropologen in Entzücken versetzte: Lucy, der älteste aufrecht gehende Mensch, von den Dompteuren unserer Tage gezwungen, wieder auf allen Vieren auf der Erde herumzukriechen...
"Ein von der Zivilisation zerriebener Mann sieht rot, aber er schlägt nicht zurück, er sehnt sich zurück in seine vorzivilisatorische, äffische Verwandtschaft. Eine Moritat vom Männerfrust." (Georg Hensel)
3D-3H
3D-3H




Die Hochzeit von Sarajevo
von Ludwig Fels
UA: Düsseldorfer Schauspielhaus, 1.12.1994. R: Joachim Lux
Alles in diesem Stück ist wahr und falsch zugleich. Ein Fernsehteam engagiert einen ehemaligen Tierwärter des Zoos von Sarajevo, so zu tun, als füttere er den letzten überlebenden Bären des Zoos, der in Wahrheit längst geschlachtet ist. Der bosnische Fernsehproduzent steigert seine Inszenierungskunst im Interesse der Einschaltquoten weiter: Er überredet mit Geld und Drohungen ein junges Paar, Petar und Hajdi, zur Heirat vor der Fernsehkamera. Als das Fernsehteam auch noch den Vollzug der Ehe verfilmen will und das Paar sich weigert, wird die Dokumentation zur Aktion, die Berichterstattung zur Vergewaltigung.
3D-7H (Statisten)
3D-7H (Statisten)




Lämmermann
von Ludwig Fels
UA: Deutsches Schauspielhaus Hamburg, 4.3.1983. R: Ulrich Waller
Rupert Lämmermann, ein junger Mann aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, ist Täter und Opfer zugleich: Täter, weil er mit einer anarchischen Kraftanstrengung alles zu zerschlagen sucht, was ihn einengt, und Opfer, weil er dabei den Kürzeren zieht. Ein Radikaler zerstört sich selbst.
3D-7H
3D-7H




Lieblieb
von Ludwig Fels
UA: Staatstheater Darmstadt, 19.4.1986. R: Jean-Claude Kuner
Rosina Zarik wird aus der Psychiatrie entlassen, sucht den Weg zurück in die Gesellschaft. Am Tor der Anstalt wird sie von Brada abgefangen. "Keine Angst, ich heiße Rudi! Warten Sie, gleich kaufe ich Ihnen eine Blume, eine Rose, wollen Sie?" Rosina folgt ihm und gerät in neue Gefangenschaft. Brada, von der Erinnerung an seine tote Frau in den Wahnsinn getrieben, sperrt sie in seine Wohnung ein, beschimpft, quält, prügelt und vergewaltigt sie.
"Gemessen an den Kriegen ist das stillste Schlachtfeld das Liebeslager", schreibt Fels über LIEBLIEB: ein Stück über zwei Außenseiter und zugleich eine Liebesgeschichte über die verzweifelte und hoffnungslose Suche nach dem Glück.
1D-3H (Chor)
1D-3H (Chor)




Öl auf dem Mond
von Ludwig Fels
UA: Théâtre des Capucins, Luxembourg/Landestheater Dinslaken, 20.10.2000. R: Hanfried Schüttler
Die Bar Juke Point in Corpus Christi an der texanischen Küste. Es ist Karfreitag, und sechs seltsame Menschen treffen sich zufällig hier. Der alte, verschrobene Barkeeper, eine junge Frau in Schwarz, ein Junge aus Oklahoma. Schließlich Dulli, Raffineriearbeiter, und Earles, Polizist. Und dann Madame Bonair mit einem westernreifen Auftritt. All diese Leute sind unberechenbar und damit gefährlich; Gewalt liegt in der Luft...

"Es fing damit an, dass ich vor vielen Jahren den Namen der texanischen Stadt Corpus Christi auf der Landkarte entdeckte, und dass es eine Stadt mit diesem Namen gab, faszinierte mich sofort. Eine Stadt, die nach dem Körper Jesu benannt ist, hat etwas archaisch anrührendes, etwas, das ich phonetische Aureole nennen würde. Ich erfand also Menschen, die ich nicht kannte, und Schicksale für sie, die ich für möglich und lebbar hielt, ließ sie zusammentreffen und sich gegenseitig die Welt erklären, jeder auf seine unnachahmliche Art, die Welt, wie sie sich in Corpus Christi zeigt, Bilder katastrophaler Sehnsucht und Leidenschaft. Ich sehe mein Stück als ein road movie im Kammerspielformat. Die Figuren agieren ohne Ablenkung durch Weite, Fahrten, Himmel und Landschaft, sind Gefangene des Zufalls, Geworfene sowieso." (Ludwig Fels)
2D-4H
2D-4H




Soliman
von Ludwig Fels
UA: Bregenzer Festspiele/Volkstheater Wien, 15.8.1991. R: Piet Drescher
In SOLIMAN zeigt Ludwig Fels eine Gesellschaft, deren erotische Phantasien durch die fazinierende Fremdheit eines Schwarzen erregt werden, die aber alles Fremde letztlich haßt. Der Schwarzafrikaner Angelo Soliman kommt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach Wien. Am Hof ist er als "exotisches Prunkstück" zunächst eine vielbeachtete Gestalt, bevor er "hautschonend" ermordet wird, um ausgestopft die "ethnologische Zierde" des kaiserlichen Naturalienkabinetts zu bilden. Die Geschichte zeichnet das beklemmende Bild einer Gesellschaft, die die Würde eines Menschen aus einer anderen Kultur barbarisch missachtet.
In dem theatralischen Bilderreigen mit einem halben Dutzend Haupt- und vielen Nebenrollen wird auf subtile Weise eine Parallele deutlich: unser Umgang mit Ausländern heute und hier.
1D-8H
1D-8H




Sturmwarnung
von Ludwig Fels
UA: Fritz-Rémond-Theater, Frankfurt, 21.1.1993. R: Ilo von Janko
Vor 10 Jahren ist Käptn Jonas mit seinem Schiff am Hornriff aufgelaufen und hat dabei seine Frau verloren. Seitdem lebt er auf dem Wrack in der Erinnerung. So wenig wie das Schiff ist die Frau aus seiner Welt verschwunden, sie ist da, durch seine unerschütterliche Liebe...
Was manch einer dem düsteren, verzweifelt radikalen Ludwig Fels nicht zutrauen möchte: Mit STURMWARNUNG hat er eine richtige Komödie geschrieben - leicht, gefühlvoll und komisch, das Sentiment nicht scheuend, das realistische Ambiente voll auskostend, und über allem eine augenzwinkernde Ironie, die das Melodrama geschickt unterläuft.
1D-3H
1D-3H
Das Werk ist in folgenden Mundartfassungen erhältlich:
1. Sturmwarnung.
2. Wi kriegt Storm!. Niederdeutsch von Heino Buerhoop




Tillas Tag
von Ludwig Fels
UA: Das Meininger Theater, 17.10.2002. R: Karl-Georg Kayser
"Heute ist der schönste Tag in meinem Leben", meint Tilla in Erwartung ihres Mannes Danny, der aus dem Gefängnis entlassen werden soll. Lange hat sie auf diesen Tag gewartet, große Pläne geschmiedet und Wünsche damit verbunden. Endlich wird sie ein intaktes Familienleben haben. Zusammen mit ihrer Schwester und Dannys Kumpan Gratto harrt sie aus - doch Danny kommt nicht, nie.
Ludwig Fels' Kammerspiel über Illusion, Vereinsamung und Lüge ist im Rahmen der "Frankfurter Positionen" entstanden.
2D-2H
2D-2H