Neue Stücke

Freek Mariën

WARTEN UND ANDERE HELDENTATEN

Deutsch von Barbara Buri

Am Anfang ist die Welt in Ordnung. Da steht eine riesige Mauer. Davor ein kleiner Turm und vier Wachleute, wahre Helden ohne Angst. Sie kommen aus dem Wachturm, einer nach dem andern, sie warten und bewachen, sie patrouillieren und skandieren, sie reden und schweigen. Haben sie genug, gehen sie wieder zurück. Einer nach dem andern. Tag für Tag. Eine geregelte Welt.
Doch plötzlich fehlt einer, sind sie nur noch zu dritt. Jetzt wackelt die Ordnung. Sie stolpern, stocken, fallen aus dem Takt. Und sind gezwungen, einander und ihre Situation wahrzunehmen, Fragen zu stellen. Warum ist der vierte fort? Was wäre, wenn er zurückkäme? Was befindet sich eigentlich hinter der Mauer? Sind nicht wir selbst die Bewachten? Und was ist das für ein seltsamer Punkt am Horizont?
Mit WARTEN UND ANDERE HELDENTATEN hat der flämische Theatermacher Freek Mariën ein kluges und herausforderndes Stück nicht nur für Kinder geschrieben. Mit dem Auflösen einer Ordnung erzählt es universell von den Herausforderungen, die Veränderungen im Leben mit sich bringen, und von typischen Verhaltensmustern in Notsituationen.
Ausgezeichnet mit dem Taalunie Toneelschrijfprijs 2015.

 

Besetzung: 1D - 3H. Altersempfehlung: 10+

 

 

Svenja Viola Bungarten

TOT SIND WIR NICHT

In Svenja Viola Bungartens Debütstück geht es um Leben und Tod. Da sind Beate und Ute K., zwei ältere Frauen, die raus wollen aus ihrem bisherigen Leben. Das Ziel ist Okinawa, wo die Menschen uralt werden. Dazu dealen sie nachts mit Medikamenten. Doch den Liebenden macht der Tod einen Strich durch die Rechnung. Denn gerade jetzt muss Willi, Ute K.s Ehemann, in seinen Sessel verdunsten und mit der Beerdigung ein Loch in die ohnehin bescheidene Reisekasse schlagen. Ein neuer Plan muss her, und Willi so schnell es geht unter die Erde. Da sind Piotr Nagel und sein Neffe Jason, Bestatter, denen die Finanzkrise einen Bestattungsstau eingebrockt hat, und die kurz vor dem Ruin stehen. Doch was Jason für die rettende Idee hält, könnte für Piotr erst recht der Untergang sein. Und dann ist da noch Franka. Ein Schatten, ein Geist, die Zukunft. Rauchend steht sie in ihrem Kühlhaus und wartet auf Kunden, ihr Slogan: Sterben war gestern, gefroren wird morgen.
In Sehnsüchten gefangen, die größer sind als sie selbst, suchen die Figuren im Ende einen Anfang und finden sich doch nur in dunklen Straßen und zugigen Leichenhallen wieder. Mit absurden Dialogen und aberwitzigen Situationen befragt das Stück den Umgang mit dem Tod in einer Gesellschaft, die sich unsterblich wähnt. "TOT SIND WIR NICHT": ein Aufbegehren gegen das Altern, die Armut und die eigene Endlichkeit.

 

Besetzung: 3D - 2H

 

 

Wilfried Happel

DER LIEBESAKT

Im Salon des wohlhabenden Waldemar von Struntz spielen sich seltsame Dinge ab: Während der Hausherr seit Jahren erfolglos dem Dienstmädchen Fanny nachstellt, glaubt seine Frau Jaqueline im Schlafgemach einen Leguan gesehen zu haben, groß wie ein Esel. Als dann noch ein junger maskierter Gast erscheint, sehen die Eheleute in dem Fremden einen unfreiwilligen Komplizen, um einander zu betrügen. Doch der Gast verfolgt seine ganz eigenen Ziele, die wiederum mit Fanny zu tun haben.
In seiner "anachronistischen Komödie" bedient sich Wilfried Happel der Mittel französischer Komödien in der Tradition eines Labiche oder Feydeau, um eine sehr wohl heutige Geschichte zu erzählen: Sie handelt nicht nur von Entfremdung im Geschlechterverhältnis und dem lieben Geld, sondern auch von den Krisen, die Konzepte wie 'Wahrheit' oder 'Identität' derzeit durchleben. Und Happel wäre nicht Happel, wenn er die genretypischen Wendungen, Intrigen und Verwechslungen dabei nicht auf aberwitzige Spitzen triebe.

 

Besetzung: 2D - 2H

 

 

Wajdi Mouawad

IM HERZEN TICKT EINE BOMBE

Deutsch von Uli Menke

Mitten in einer stürmischen Winternacht erhält Wahab einen Anruf seines Bruders: ihrer beider Mutter liegt im Sterben. Auf dem Weg ins Krankenhaus spürt Wahab eine ununterdrückbare Wut in sich aufsteigen - eine Wut, die, wie sich zeigen wird, nur die Kehrseite einer tiefsitzenden Angst ist. Angst vor Veränderung, vor der Zukunft, vor dem Krieg, den er als Kind in seiner Heimat miterleben musste, Angst aber auch vor dem Schmerz, die Mutter zu verlieren, und mehr noch vor der erforderlichen Loslösung von der Mutter, die unausweichlich ist, um erwachsen zu werden.

IM HERZEN TICKT EINE BOMBE ist Wajdi Mouawads zweites Jugendstück, nach DIE DURSTIGEN.

 

Besetzung: 1H. Altersempfehlung: 13+

 

 

Kristofer Grønskag

RUNTER AUF NULL

Deutsch von Nelly Winterhalder

Ein Zug rast auf drei Jugendliche zu, die die Mutprobe ins Internet stellen wollen. Ein Stalker schickt dem Star einer Realityshow Videobotschaften. Zwei Ferienjobber unterhalten sich über Charakterbildung durch das Säubern verdreckter Triebwagen. Ein Mobbingopfer soll Feuerwerkskörper aus einem Depot entwenden. Ein neuer Schüler will mit einem Luftgewehr imponieren, was eine tote Kuh auf den Gleisen zur Folge hat.
In zehn skurrilen und kunstvoll miteinander verwobenen Szenen, die in einem Countdown auf den großen Knall zusteuern, erzählt Kristofer Grønskag vom Lebensgefühl Heranwachsender. Es wirft Fragen nach der Positionierung im Leben, wahrhaften Gefühlen und den Konsequenzen des eigenen Handelns auf. Und dies in einer immer haltloser werdenden, zunehmend medial geprägten Welt.
Ein Stück, das wie eine Bombe tickt, so explosiv, wie das Leben bisweilen selbst. Geeignet sowohl für kleine Besetzung als auch für Jugendclubs.

 

Besetzung: 2D-2H. Altersempfehlung: 14+

 

 

Jürgen Popig

GANS IM GLÜCK

"Es war einmal ein König, der hatte drei Töchter. Eines Tages jagt er die jüngste, Elisabeth, fort in ein andres Königreich, weil sie ihn nur so sehr liebt wie Salz. Das ist dem Vater zu wenig. Auf dem Weg überredet ihre Magd Leonore Elisabeth dazu, die Rollen zu tauschen – sie selber will Prinzessin sein. Die Königstochter stimmt zu und wird zur Gänsehirtin im fremden Schloss. Ein Glück! Denn auf der Gänseweide begegnet ihr Hans, dem sie beim nächsten Wiedersehen einen Kuss verspricht, den er auch bekommen wird. Und nicht nur das. Hans ist eben ein Glückskind. Und wenn er nicht stirbt, dann wird er auch weiter glücklich sein. Als Hans, als Gänsehirte, als Prinz …" (Ankündigung Deutsches Theater Göttingen)
Ein gewitztes, humorvolles Märchenstück für die ganze Familie, das Jürgen Popig nach bekannten Märchenmotiven geschrieben hat. Entstanden für Erich Sidler und das Deutsche Theater Göttingen.

 

Besetzung: mind. 5 D/H. Altersempfehlung: 6+