Neue Stücke

Maja Das Gupta

ELA FLIEGT AUF

 

Mitjas Mutter ist mit Miras Vater für ein Liebes-Wochenende nach Mallorca geflogen und hat den behinderten Jungen in der Obhut der minderjährigen Ela gelassen. Durch Zufall fliegt das auf, und prompt steht eine korpulente Fürsorgerin vor der Tür, die sich bis zur Rückkehr der Eltern um die Kinder kümmert. Doch sie hat so ihre Probleme mit der blühenden Phantasie ihrer Schützlinge. Erschwerend kommt hinzu, dass Ela gar nicht Mitjas "wirkliche" Schwester ist, sondern ein Flüchtlingskind, dem die Abschiebung droht. Was alle tuscheln, aber niemand laut zu sagen wagt. So wie auch niemand Mitja "behindert", oder die dicke Frau "fette Kuh" nennen darf. Niemand, außer Ela. Als Mitja und Mira schließlich Reißaus nehmen, um ihren Eltern nachzureisen, macht sie sich auf die Suche nach den 'Flüchtigen'...
In ihrem rasanten Kinderstück fragt Maja Das Gupta auf (sprach)spielerische Weise nach Normalität und Anderssein. In einer früheren Fassung unter dem Titel "Die dünne dicke Frau" wurde der Text bei Kaas & Kappes ausgezeichnet: "Das Stück lässt seine Protagonisten unerschrocken mit unserer zwanghaften Angst spielen, immer und unter allen Umständen politisch korrekt sein zu wollen. Es nimmt mit seiner amüsanten Geschichte deutlich Partei für die Schwächsten, die Opfer von komplizierten Verhältnissen werden." (aus der Jurybegründung)

 

Besetzung: 3D-2H. Altersempfehlung: 9+

 

 

Joachim Robbrecht

BROMANCE

Deutsch von Christine Bais

 

Tim und Bo sind dicke Freunde. Noch nie sind sie aus der Provinz, einem unbestimmten Ort in einer "Scheißgegend", rausgekommen. Alles woran sie denken und womit sie großmäulig prahlen sind ihre vermeintlichen Annäherungen an das weibliche Geschlecht.
Dann ändert sich plötzlich vieles, denn Jonas taucht auf. Ein Junge aus der Stadt, der von unbegrenzten Möglichkeiten träumt und die Freunde mit völlig neuen Gedanken konfrontiert. Während des Sommerurlaubs in Polen entdecken Jonas und Tim noch dazu plötzlich ihre Gefühle füreinander und geben sich diesem irritierenden Glückszustand hin. Nach der Rückkehr ist dann nichts mehr wie es war, und die Freundschaft zwischen Tim und Bo wird auf eine harte Probe gestellt.
In schlaglichtartigen Szenen, mit hohem Tempo, Witz und jugendlichem Slang enthüllt BROMANCE die komisch-tragische Gefühlswelt dreier pubertierender Jungs. Ausgezeichnet mit dem "Gouden Krekel" für die beste Jugendtheaterproduktion 2016 und dem Niederländisch-deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreis Kaas & Kappes 2017.

 

Besetzung: 3H. Altersempfehlung: 12+

 

 

Catherine Léger

DIE BABYSITTERIN

Deutsch von Sonja Finck

 

Nachdem der Macho Cédric vor laufender Kamera eine Sportreporterin sexistisch beleidigt hat, was sich im Netz viral verbreitet, ist er in Erklärungsnot: gegenüber seiner Freundin Nadine, die ihn analysiert, gegenüber seinem politisch linksdenkenden Bruder Jean-Michel, der ihm ins Gewissen redet, und gegenüber seinem Arbeitgeber, der ihn feuert. Cédric beschließt mit seinem Bruder ein Buch zu schreiben, eine Mischung aus persönlicher Selbstanklage und Entschuldigung an alle Frauen. Um sich von den Zumutungen alltäglicher Verpflichtungen zu befreien und Zeit für das Schreiben zu gewinnen, engagiert er die Babysitterin Émy. Allerdings hat er die Rechnung ohne die real existierenden Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts gemacht. Während das Schreibprojekt unfreiwillig immer sexistischer wird, erprobt Nadine, unterstützt von Émy, die einer Männerfantasie entsprungen scheint, ihre Träume von Autorität und Unterwerfung.
In ihrer Komödie im TV-Sitcom-Stil befragt die Kanadierin Catherine Léger gesellschaftliche Konventionen und jüngere Phänomene wie die sprachliche Verrohung im Netz und eine sich ausbreitende 'rape culture'. Sie nimmt Formen von Frauenfeindlichkeit ebenso aufs Korn wie gesellschaftliche Verunsicherungen, die mit Genderdiskussionen einhergehen: Was ist Sexismus, was nicht? Was ist politisch korrekt, was nicht? Was 'normal', was nicht?

 

Besetzung: 2D - 2H

 

 

Freek Mariën

WARTEN UND ANDERE HELDENTATEN

Deutsch von Barbara Buri

 

Am Anfang ist die Welt in Ordnung. Da steht eine riesige Mauer. Davor ein kleiner Turm und vier Wachleute, wahre Helden ohne Angst. Sie kommen aus dem Wachturm, einer nach dem andern, sie warten und bewachen, sie patrouillieren und skandieren, sie reden und schweigen. Haben sie genug, gehen sie wieder zurück. Einer nach dem andern. Tag für Tag. Eine geregelte Welt.
Doch plötzlich fehlt einer, sind sie nur noch zu dritt. Jetzt wackelt die Ordnung. Sie stolpern, stocken, fallen aus dem Takt. Und sind gezwungen, einander und ihre Situation wahrzunehmen, Fragen zu stellen. Warum ist der vierte fort? Was wäre, wenn er zurückkäme? Was befindet sich eigentlich hinter der Mauer? Sind nicht wir selbst die Bewachten? Und was ist das für ein seltsamer Punkt am Horizont?
Mit WARTEN UND ANDERE HELDENTATEN hat der flämische Theatermacher Freek Mariën ein kluges und herausforderndes Stück nicht nur für Kinder geschrieben. Mit dem Auflösen einer Ordnung erzählt es universell von den Herausforderungen, die Veränderungen im Leben mit sich bringen, und von typischen Verhaltensmustern in Notsituationen.
Ausgezeichnet mit dem Taalunie Toneelschrijfprijs 2015.

 

Besetzung: 1D - 3H. Altersempfehlung: 10+

 

 

Svenja Viola Bungarten

TOT SIND WIR NICHT

 

In Svenja Viola Bungartens Debütstück geht es um Leben und Tod. Da sind Beate und Ute K., zwei ältere Frauen, die raus wollen aus ihrem bisherigen Leben. Das Ziel ist Okinawa, wo die Menschen uralt werden. Dazu dealen sie nachts mit Medikamenten. Doch den Liebenden macht der Tod einen Strich durch die Rechnung. Denn gerade jetzt muss Willi, Ute K.s Ehemann, in seinen Sessel verdunsten und mit der Beerdigung ein Loch in die ohnehin bescheidene Reisekasse schlagen. Ein neuer Plan muss her, und Willi so schnell es geht unter die Erde. Da sind Piotr Nagel und sein Neffe Jason, Bestatter, denen die Finanzkrise einen Bestattungsstau eingebrockt hat, und die kurz vor dem Ruin stehen. Doch was Jason für die rettende Idee hält, könnte für Piotr erst recht der Untergang sein. Und dann ist da noch Franka. Ein Schatten, ein Geist, die Zukunft. Rauchend steht sie in ihrem Kühlhaus und wartet auf Kunden, ihr Slogan: Sterben war gestern, gefroren wird morgen.
In Sehnsüchten gefangen, die größer sind als sie selbst, suchen die Figuren im Ende einen Anfang und finden sich doch nur in dunklen Straßen und zugigen Leichenhallen wieder. Mit absurden Dialogen und aberwitzigen Situationen befragt das Stück den Umgang mit dem Tod in einer Gesellschaft, die sich unsterblich wähnt. "TOT SIND WIR NICHT": ein Aufbegehren gegen das Altern, die Armut und die eigene Endlichkeit.

 

Besetzung: 3D - 2H

 

 

Wilfried Happel

DER LIEBESAKT

 

Im Salon des wohlhabenden Waldemar von Struntz spielen sich seltsame Dinge ab: Während der Hausherr seit Jahren erfolglos dem Dienstmädchen Fanny nachstellt, glaubt seine Frau Jaqueline im Schlafgemach einen Leguan gesehen zu haben, groß wie ein Esel. Als dann noch ein junger maskierter Gast erscheint, sehen die Eheleute in dem Fremden einen unfreiwilligen Komplizen, um einander zu betrügen. Doch der Gast verfolgt seine ganz eigenen Ziele, die wiederum mit Fanny zu tun haben.
In seiner "anachronistischen Komödie" bedient sich Wilfried Happel der Mittel französischer Komödien in der Tradition eines Labiche oder Feydeau, um eine sehr wohl heutige Geschichte zu erzählen: Sie handelt nicht nur von Entfremdung im Geschlechterverhältnis und dem lieben Geld, sondern auch von den Krisen, die Konzepte wie 'Wahrheit' oder 'Identität' derzeit durchleben. Und Happel wäre nicht Happel, wenn er die genretypischen Wendungen, Intrigen und Verwechslungen dabei nicht auf aberwitzige Spitzen triebe.

 

Besetzung: 2D - 2H

 

 

Wajdi Mouawad

IM HERZEN TICKT EINE BOMBE

Deutsch von Uli Menke

 

Mitten in einer stürmischen Winternacht erhält Wahab einen Anruf seines Bruders: ihrer beider Mutter liegt im Sterben. Auf dem Weg ins Krankenhaus spürt Wahab eine ununterdrückbare Wut in sich aufsteigen - eine Wut, die, wie sich zeigen wird, nur die Kehrseite einer tiefsitzenden Angst ist. Angst vor Veränderung, vor der Zukunft, vor dem Krieg, den er als Kind in seiner Heimat miterleben musste, Angst aber auch vor dem Schmerz, die Mutter zu verlieren, und mehr noch vor der erforderlichen Loslösung von der Mutter, die unausweichlich ist, um erwachsen zu werden.

IM HERZEN TICKT EINE BOMBE ist Wajdi Mouawads zweites Jugendstück, nach DIE DURSTIGEN.

 

Besetzung: 1H. Altersempfehlung: 13+

 

 

Kristofer Grønskag

RUNTER AUF NULL

Deutsch von Nelly Winterhalder

 

Ein Zug rast auf drei Jugendliche zu, die die Mutprobe ins Internet stellen wollen. Ein Stalker schickt dem Star einer Realityshow Videobotschaften. Zwei Ferienjobber unterhalten sich über Charakterbildung durch das Säubern verdreckter Triebwagen. Ein Mobbingopfer soll Feuerwerkskörper aus einem Depot entwenden. Ein neuer Schüler will mit einem Luftgewehr imponieren, was eine tote Kuh auf den Gleisen zur Folge hat.
In zehn skurrilen und kunstvoll miteinander verwobenen Szenen, die in einem Countdown auf den großen Knall zusteuern, erzählt Kristofer Grønskag vom Lebensgefühl Heranwachsender. Es wirft Fragen nach der Positionierung im Leben, wahrhaften Gefühlen und den Konsequenzen des eigenen Handelns auf. Und dies in einer immer haltloser werdenden, zunehmend medial geprägten Welt.
Ein Stück, das wie eine Bombe tickt, so explosiv, wie das Leben bisweilen selbst. Geeignet sowohl für kleine Besetzung als auch für Jugendclubs.

 

Besetzung: 2D-2H. Altersempfehlung: 14+

 

 

Jürgen Popig

GANS IM GLÜCK

 

"Es war einmal ein König, der hatte drei Töchter. Eines Tages jagt er die jüngste, Elisabeth, fort in ein andres Königreich, weil sie ihn nur so sehr liebt wie Salz. Das ist dem Vater zu wenig. Auf dem Weg überredet ihre Magd Leonore Elisabeth dazu, die Rollen zu tauschen – sie selber will Prinzessin sein. Die Königstochter stimmt zu und wird zur Gänsehirtin im fremden Schloss. Ein Glück! Denn auf der Gänseweide begegnet ihr Hans, dem sie beim nächsten Wiedersehen einen Kuss verspricht, den er auch bekommen wird. Und nicht nur das. Hans ist eben ein Glückskind. Und wenn er nicht stirbt, dann wird er auch weiter glücklich sein. Als Hans, als Gänsehirte, als Prinz …" (Ankündigung Deutsches Theater Göttingen)
Ein gewitztes, humorvolles Märchenstück für die ganze Familie, das Jürgen Popig nach bekannten Märchenmotiven geschrieben hat. Entstanden für Erich Sidler und das Deutsche Theater Göttingen.

 

Besetzung: mind. 5 D/H. Altersempfehlung: 6+