„Oper mit Fantasy-Potential“
Elke Heidenreichs Textfassung von Merlin an der Oper Bremen uraufgeführt
Die Neuinszenierung von Karl Goldmarks Merlin an der Oper Bremen begeisterte das Publikum. Die Geschichte vom größten Zauberer aller Zeiten und dem legendären König Artus mit seinen Rittern überzeugte in der Regie von Christian Schuller durch „hautnah lebendige Action“ (Weser Kurier) und wurde „zu einem Erlebnis nicht nur für die junge Generation“ (Weser Report). Zwar stieß sich die Kritik z. T. an der angeblich schlechten Akustik, war aber insgesamt voll des Lobes für alle Beteiligten. Gerhard Asche fasst den gelungen Abend im Weser Kurier in dem knappen Satz zusammen: „Oper trifft den Nerv der Zeit“. An Elke Heidenreichs Textfassung wurden besonders die geschickte Verdichtung der Handlung und die klugen dramaturgischen Eingriffe immer wieder hervorgehoben. Britta Lumma stellt in ihrem Beitrag für Radio Bremen fest: „Der komplexe Stoff um Merlin und König Artus spricht die Sprache von Kindern. Und verliert dabei nicht an Qualität. Das ursprünglich verstaubte Libretto von Siegfried Lippiner wurde durch Elke Heidenreich angenehm belebt und in unsere moderne Sprache übersetzt.“ (Nordwest Radio)
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Erfolgreiche Uraufführung: Mutter Bajazzo in Hannover
F.K. Waechter
Uraufführung von F.K. Waechters Libretto MUTTER BAJAZZO am Niedersächsischen Staatstheater Hannover, inszeniert von Heidi Mottl, Musik von Peter Francesco Marino.
Dieses Stück hat es in sich. Und das darf man wörtlich nehmen. Es gleicht einer russischen Matrjoschka, dieser Puppe, in der eine Puppe steckt, in der eine Puppe steckt – und so weiter. In seinem bereits 1996 geschriebenen Opernlibretto „Mutter Bajazzo“ hat der Frankfurter Theatermacher F. K. Waechter ein Doppelspiel aufgebrochen und weiter ineinander verschachtelt. Und Peter Francesco Marino hat jetzt dazu eine Musik komponiert, die dieses Spiel im Spiel lustvoll und gelegentlich auch lustig weiterdreht. Dem hannoverschen Publikum gefiel dies bei der Uraufführung im ausverkauften Ballhof hörbar, es beklatschte Heidi Mottls zielsichere Inszenierung begeistert.
Ob F. K. Waechter damit posthum einen ähnlichen Erfolg feiern kann wie mit seiner „Eisprinzessin“, die Hannovers Schauspielfreunde bislang schon mehr als 250-mal sehen wollten, bleibt allerdings abzuwarten. Es ist doch noch ein Unterschied, ob man ein modifiziertes Schauspielmärchen genießt oder eine zeitgenössische Kammeroper. Ein bisschen Vorwissen kann hier nicht schaden und Aufgeschlossenheit gegenüber aktuellen Klängen auch nicht, obschon in diesem Fall Klangprovokationen der Hardcore-Avantgarde nicht zu erleben sind.
Es geht in „Mutter Bajazzo“ genau um das, was der Titel verspricht, also um Bajazzo und seine Mutter. Wir erinnerern uns: Ruggero Leoncavallos Erfolgsoper „Der Bajazzo“ erzählt von dem eifersüchtigen Komödianten Canio, der auf der Bühne den eifersüchtigen Bajazzo verkörpert und dort aus dem Spiel tödlichen Ernst macht.
F. K. Waechter treibt diese Verschachtelung drastisch weiter. Sein Held heißt Giacomo Püst und ist ein Tenor, der eben diesen „Bajazzo“ singen will. Und der hat seine Mutter Kerstin Püst nicht nur im sprichwörtlichen Nacken, sondern auch noch im Kopf. Er verwandelt sich immer wieder in seine keifende, eifersüchtige, durchgeknallte Mutter. Für alle, die dabei nicht von selbst an Alfred Hitchcocks Thriller „Psycho“ denken, hat Komponist Marino dankenswerterweise die gellenden Geigenklänge aus der dazugehörigen Filmmusik übernommen.
Der Tenor singt also für vier, dafür schweigt seine angebetete Sylvia für zwei: Die Tänzerin verkörpert auch Canios untreue Gattin Nedda. Dafür trägt der Chor Stimmen bei und das klein besetzte Orchester die Stimmung, wenn etwa das Tenorsaxofon die Kapitelüberschrift „Mama’s got the Blues“ beglaubigt.
Peter Francesco Marino hat eine Partitur geschrieben, die Songspiel und Opernzitat, Jazz-Elemente und Tango-Beschwörung verbindet und fern an den frühen Hindemith erinnert. Das tönt mal „malinconico“ und mal „tristanesk“ – man muss diese Partiturangabe aber nicht unbedingt kennen, um zu hören, dass bei Giacomos Liebeserklärung an Sylvia jederzeit Tristans Isolde vorbeikommen könnte.
Das knapp anderthalbstündige Stück hat auch ein paar Längen, aber es mündet in ein furioses Finale. Was heißt hier eines: Im Original-„Bajazzo“ heißt das „La commedia è finita!“ Die Komödie ist zu Ende. Aber so einfach geht das hier nicht. Der Vorhang fällt und fällt und fällt. Und am Ende freut sich der Tenor: „Nun muss ich nie mehr eine Oper singen.“
Was aber schade ist, weil Sung-Keun Park die schweißtreibende Vierfachrolle mit Farbenreichtum und mit Spielwitz, mit Spaß an der komödiantischen Verwandlung und am psychopathischen Rollenspiel vorführt. Ausstatterin Anna E. Lalloz hat in den Ballhof eine lange Rampe gebaut, die von der Bühne über den kleinen Orchestergraben hinweg auf die Treppe hinaufführt, wo Sylvia einen großen Auftritt haben darf: Anja Spitzer wird in dieser stummen Rolle von Tamara Schmidt unterstützt und zeigt, wie beredt Körpersprache sein kann. Dass sich der Chor aus den Zuschauerreihen erhebt, passt ins Spiegelkabinett dieser Geschichte.
Regisseurin Heidi Mottl achtet erfolgreich darauf, dass die nahe liegenden Rollenbilder nicht zum Klischee erstarren: der eitle Tenor, die wahnsinnige Mutter, der verwirrte Liebende, all das sind Chiffren, aber keinesfalls Karikaturen. Auch Dirigent Toshiaki Murakami und das Kammerensemble des Staatsorchesters balancieren geschickt auf dem schmalen Grat zwischen augenzwinkernder Beschwörung des Opernzaubers und seiner liebevolle Demaskierung. Das Ergebnis ist intelligente Unterhaltung. Hannoversche Allgemeine Zeitung
„Verführung zur Desillusion“
Uraufführung von Elke Heidenreichs neuer Textfassung von Hänsel und Gretel an der Oper Bremen
Auf begeisterte Resonanz traf die Neuinszenierung von Engelbert Humperdincks Hänsel und Gretel an der Oper Bremen im Dezember 2007. Neben einem „enthusiastischen Ensemble…mit exzellenten Stimmen“ (FAZ) und der lebendigen, phantasivollen Inszenierung Christian Schullers wurde besonders Elke Heidenreichs neue Textfassung des Librettos von der Kritik hervorgehoben. Stießen sich manche, etwas mäkelig, auch an den für sie neuen und ungewohnten „Tönen“, die herausragende Gesamtleistung aller Mitwirkenden an diesem außergewöhlichen Abend ließ niemanden unbeteiligt. Julia Spinola faßte es in der FAZ folgendermaßen zusammen: „ Wie das Märchen ein existentielles Dilemma kurz und pointiert darstellt, indem es einfache, aber tief ausdeutbare Bilder findet für die Ängste und Wünsche der Kinder, und wie sich in Humperdincks Musik unter den Voksliedmelodien die Abgründe der Wagnerschen Harmonik auftun, so zeigt Schuller eine phantastische und doch sehr reale Geschichte, auf der Grundlage von Elke Heidenreichs behutsam aktualisierter Textfassung. Sie läßt sich auf mehreren Ebenen gleichzeitig rezipieren und ist daher für Vierundvierzigjährige genauso fesselnd wie für Vierjährige…Ein nachhaltiges Plädoyer für ein großes, arg strapaziertes Werk.“
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König Arthur
von Wolfgang Deichsel nach John Dryden
Musik von Henry Purcell
Wolfgang Deichsel
Am 14. November fand im Frankfurter Schauspielhaus die Wiederaufnahme der überaus erfolgreichen Produktion von Henry Purcells Semi-Opera König Arthur statt. Auf der Grundlage von Wolfgang Deichsels gerühmter Neudichtung des Textes von John Dryden erarbeitete die Dramaturgie des schauspielfrankfurt gemeinsam mit der Regisseurin Corinna von Rad eine Spielfassung für Kinder und Jugendliche, die bei ihrer Premiere im November letzten Jahres eine überwäligende Resonanz bei Publikum und Presse fand: „ein Wohlgefallen“, „das sich von Zustimmung über Bewunderung zu Verzauberung bis in kindliche Selbstvergessenheit steigerte“ (FAZ). Es wurde „den Frankfurter Kindern ein echtes Weihnachtsgeschenk gemacht.“ FAZ
Deichsels vollständige, scharfzüngige Original-Textfassung, die „Drydens klangbilderreiche Worterfindungen griffig in poetische bis anzügliche Wendungen übersetzt“ FAZ, erlebte ihre umjubelte Uraufführung 1996 in der Regie von Martin Kuseij als aufwendige Koproduktion aller drei Sparten des Staatstheaters Stuttgart. Diese Wiederentdeckung des „Ereignis Halb-Oper“ (SZ) für ein zeitgenössisches Publikum war einer der Höhepunkte der Ära Klaus Zehelein und ein bis heute unerreichter Meilenstein der deutschen Purcell-Rezeption.
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Hänsel und Gretel
Musik von Engelbert Humperdinck
Neufassung des Librettos von Elke Heidenreich
Elke Heidenreich
Neben dem Lesen ist die Oper schon immer die zweite große Leidenschaft der Elke Heidenreich. Dies zeigt sich insbesondere in ihrem Engagement für die Kölner Kinderoper, aus deren Räumen regelmäßig ihre beliebte Büchersendung in die deutschen Wohnzimmer flimmert. Dort hat sie gemeinsam mit dem Oberspielleiter Christian Schuller vergessene oder selten gespielte Werke der Opernliteratur, unter anderem von Strawinsky und Ravel, für Kinder neu entdeckt und erarbeitet. Außerdem hat sie mehrere Opernlibretti für Uraufführungen zeitgenössischer Komponisten, wie Marc Aurel Floros und Marius Felix Lange, verfasst.
Nun widmet sich Elke Heidenreich einem Klassiker der Opernliteratur, der seit über 100 Jahren für Generationen von jungen Zuschauern die erste Begegnung mit dem Medium Oper überhaupt darstellt: Engelbert Humperdincks Hänsel und Gretel. Für eine Neuproduktion der Oper Bremen hat sie das heute doch etwas verstaubt anmutende Libretto von Humperdincks Schwester Adelheid Wette behutsam und mit großer Sorgfalt bearbeitet und unserer Zeit wieder näher gerückt. Entstanden ist deshalb keine plumpe Aktualisierung, sondern eine „entrümpelte“, sprachlich frische und ganz mit der Musik verschmelzende neue Textfassung. Elke Heidenreich schafft es durch ihr sprachliches Können, verbunden mit einer hohen musikalischen Sensibilität, dass Humperdincks Meisterwerk auch künftige Generationen junger Menschen für die Welt der Oper öffnen und begeistern wird. (Premiere der Uraufführung am 7. Dezember 2007) Sollten Sie sich für diese neue Textfassung interessieren, schicken wir Ihnen gerne ein Ansichtsexemplar zu.
Ebenfalls für eine Neuproduktion an der Oper Bremen hat Elke Heidenreich soeben eine Bearbeitung des Librettos von Carl Goldmarks Oper Merlin vorgelegt, die in einer neuen Orchesterfassung von Marc Aurel Floros am 10. April 2008 Premiere hat. Auch dieser Text ist als Ansichtsexemplar bei uns erhältlich.
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