Auszug aus SCHWEIG, BUB! von Fitzgerald Kusz
© Verlag der Autoren, Frankfurt am Main
ERSTER AKT
TANTE Du, wo hamma letzthin so a Leberkniedlasuppen gessen?
ONKEL Da weiß ich nix davon.
TANTE Dich kamma gar nix fragen.
ONKEL Was fragstn dann?
TANTE Des is nämlich gar ned so lang her, dass ma a Leberkniedlasuppen gessen ham. Ich glaub, des war vor vierzehn Tag, wie ma unsern Ausflug mitm Gsangverein gmacht ham.
ONKEL Red doch ned, da hats doch gar ka Leberkniedlasuppen ned geben, bloß so a Kartoffelsuppen mit nix drin. Des weißi noch ganz genau.
TANTE Ja, du hast recht. Jetzt weiß i's auch wieder: des war des blanke Wasser.
ONKEL Sonst kanni ma nix merken, aber wenn mich was ärgert, merk i ma's schon. Pause. Weil sich keiner mehr was sagen traut, werden die Wirt immer unverschämter.
GERDA Die Leut sind selber schuld, wenn sie sich alles gefallen lassen. Manche Lokale haben sogar ein Beschwerdebuch.
TANTE Jetzt weißi wieder, wo's war.
ONKEL Was?
TANTE Na, wo ma die Leberkniedlasuppen gessen ham. Mir sind doch vor acht Tag im »Roten Ochsen« gwesen. Pause. Aber so wie dei selbergmachte, Gretl, hat die ned gschmeckt. Pause. Es geht halt nix über a selbergmachte Leberkniedlasuppen. In am Wirtshaus sollt ma sowas gar nimmer essen, da hauns Maggiwürfel rein. Pause. Des möchti ned wissen, was da alles drin is. Pause. Wemma amal in so a Küchen von so am Wirthaus reinschaun tät, tät ma bestimmt kein Bissen mehr runterbringen!
ONKEL Jetzt hörst amal mit deiner Leberkniedlasuppen auf!
MUTTER Schmeckts euch wenigstens? Pause. Wenn nix gsagt, is gut. Pause. Da is fei noch mehr Suppen, die muss weg. Die Kniedla kanni ned aufheben.
GERDA Um Gotteswillen, normalerweis eß ich bloß die Hälft!
MUTTER Heut is ja auch meim Fritzla sei Konfirmation, die hat er bloß amal in seim Leben. Heut kannst scho amal reinleuchten!
GERDA Aber wenn ich morgen wieder auf die Waage kletter! Du musst mir mal aufschreiben, was du alles reintust!
TANTE A Muskatnuss und a Peterla muss drin sein.
MUTTER Aufschreiben kanni des ned, des sagi dir halt. Pause. So, tut amal eure Teller her, wenn ihr noch a Suppen wollt, gleich is weg. Pause. Da, geh her, Bub, mei Konfirmandla, dassd ma fei noch an Teller Suppen essen tust, wo sich dei Mutter so a Plag gmacht hat!
TANTE Die Kniedla müssen halt an Gschmack ham, wenn die kein Gschmack ned ham .. .
GERDA unterbricht Also weißt, normalerweis essen wir sowas das ganze Jahr nicht!
TANTE Ich eß immer, was ma schmeckt.
ONKEL Des sieht ma. Des brauchst ned extra sagen!
GERDA Weißt, mein Mann und ich, wir müssen auf unsre schlanke Linie aufpassen.
TANTE Du wirst doch ned sagen, dass du dick bist. Pause. Du könntst sogar noch a paar Pfündla vertragen. Pause. Was sollen da mir sagen, die Gretl und ich?
ONKEL Am besten gar nix.
TANTE Na du, du hast es einfach. Du kannst fressen und saufen, wast willst und bleibst trotzdem a zaundürrer Frecker!
ONKEL Des is bloß der Neid der Besitzlosen!
GERDA Normalerweis trag ich Größe vierzig, aber seit einem Jahr passt mir kein Kleid nicht, deswegen muss ich Größe zweiundvierzig kaufen. Pause. Zugenommen ist schneller als wie abgenommen.
MUTTER Aber heut brauchst ned abnehmen. Was aufm Tisch kommt, wird gessen! Pause. Sonst hätt ma ja auch in a Wirtshaus gehn können, dann hätt sich jeder soviel bestellen können, wie er will!
TANTE Zweiundvierzig passt mir schon seitm Krieg nimmer! Von dera Abnehmerei halt ich nix! Ich könnt nix arbeiten mit nix im Magen!
MUTTER Ich auch ned. Pause. Gerda, hilfst ma amal, jetzt tun ma schnell die Kniedla rein, den Salat und den Braten.
TANTE Ich stell schnell amal die Teller zam, dass schneller geht. Hopp, Willi, tu dein Teller her!
ONKEL Da is fei noch was drin.
TANTE Hättst di halt a bissla gschickt. Pause. So, da is ja Zeit worden. Wie man isst, so arbeitet man.
ONKEL Des musst grad du sagen.
Mutter trägt die Teller in die Küche, Gerda folgt ihr.